BERLIN Historische Corona-Ansprache!

Bundeskanzlerin Merkel: „Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren?"

19.03.20 - „Es ist ernst. Nehmen Sie es auch ernst. Seit dem zweiten Weltkrieg gab es keine Herausforderung, in der es so sehr auf unser gemeinsames und solidarisches Handeln ankam wie jetzt.“ Abgesehen von ihrer jährlichen Neujahrsansprache war es das erste Mal, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in einer TV-Ansprache an das deutsche Volk wandte.

Unser Verständnis des öffentlichen Lebens würde gerade hart auf die Probe gestellt. Millionen Arbeitsstellen hätten geschlossen, uns allen fehlten die sozialen Kontakte. „Alle sind in großer Sorge, wie es nun weitergeht“, so Merkel. In diesen Zeiten ginge es darum, das Virus auf seinem Weg durch Deutschland zu verlangsamen. Eines dabei sei existenziell, betonte die Kanzlerin: „Wir müssen auf eines setzen. Das öffentliche Leben soweit es geht herunterzufahren.“ Nur so könne das Virus besiegt werden.

Alle staatlichen Maßnahmen gingen ins Leere, betonte die Kanzlerin, „wenn wir nicht das wirksamste Mittel einsetzen würden. Das sind wir selbst. Niemand darf denken, auf ihn oder sie komme es nicht an. Es braucht unser aller Anstrengung.“ Die Epidemie zeige, wie verwundbar wir sind. Aber auch, wie wir uns gegenseitig schützen könnten. „Wir haben nur ein Mittel gegen Ausbreitung: Wir müssen uns einschränken. Ich weiß, wie schwer das ist, was gerade verlangt wird.“ Weltweit würde unter Hochdruck geforscht, „doch es gibt keinen Impfstoff, kein Medikament. Wir müssen Zeit gewinnen, damit die Forschung Heilmittel entwickeln kann und die Erkrankten bestmöglich versorgt werden können.“ Deutschland verfüge vielleicht über das beste Gesundheitssystem der Welt. „Wir wären aber schnell überfordert, wenn zu viele auf einmal krank werden.

Eindrücklich wies Merkel nochmal darauf hin: „Es geht hier um Menschen: Einen Vater oder Großvater, eine Mutter, Oma, Freundin. Es sind alles Leben, die zählen.“

Alles was Menschen gefährden könnte, müsste müsse jetzt reduziert werden und das Risiko, dass eine Person eine andere ansteckt, weiter reduziert werden. „Ich weiß, wie extrem die Einschränkungen schon jetzt sind. Es gibt keine Veranstaltungen, die Geschäfte sind zu, es findet kein Schulunterricht statt, das soziale Leben kommt zum Erliegen. Es sind Einschränkungen, die es in der Bundesrepublik noch nie gab. Für jemanden wie mich, für den Freiheit hart erkämpft war, ist dieser Zustand nur vorübergehend hinnehmbar, aber wichtig, um Leben zu retten.“

Man müsse in diesen Zeiten alternative Wege finden, um Zuneigung zu zeigen. „Wir benötigen Zuwendung, gerade jetzt – aber das körperliche Beisammensein wäre gerade falsch. Fürsorge bedeutet nun Abstand. Wir werden andere Formen finden, um Beistand und Freundschaft zu zeigen.“ Etwa durch Briefe, das Telefon oder Internet. „Wir werden als Gemeinschaft zeigen, dass wir füreinander da sind. Es ist eine historische Aufgabe, die aller Mitwirkung bedarf.“

Unnötige Urlaube oder der Kontakt der Enkelkinder zu den Großeltern seien Dinge, auf die nun verzichtet werden sollten.

Der Staat betonte sie, würde weiterfunktionieren. „Die Lebensmittelversorgung ist natürlich jederzeit gesichert. Sind die Regale einen Tag leer, werden sie nachgefüllt.“ Vorratshaltung sei schon immer sinnvoll gewesen, aber mit Maß. Zu Hamstern, als würde es nie wieder etwas geben sei sinnlos und vollkommen unsolidarisch.

Bezüglich der bereits in Kraft getretenen Vorgaben sagte sie: „Ich appelliere an Sie, halten Sie sich an die Regeln, die nun für die nächste Zeit gelten.“ Man werde als Regierung jederzeit prüfen, welche Maßnahmen korrigiert werden könnten, aber auch abwägen, welche Einschränkungen eventuell noch nötig sein werden.

„Ich glaube fest daran, dass wir diese Prüfung bestehen, wenn Sie sich diese alle zur Aufgabe machen.“ Dem Personal im Gesundheitswesen dankte die Bundeskanzlerin ebenso, wie den Angestellten in den Supermärkten. „Sie arbeiten gerade dort, wo es am härtesten ist. Dafür gilt Ihnen mein größter Dank.“

Für Freiberufler und kleine Firmen sei es jetzt schon schwer zu überleben, erklärte sie die wirtschaftliche Situation. „Es wird in der nächsten Zeit noch schwerer. Es gibt nun Arbeitsplätze zu bewahren. Wir als Regierung werden dafür alles einsetzen was es benötigt, um unsere Unternehmer zu retten.“

„Wie viele geliebte Menschen werden wir verlieren, wie hoch wird der Preis sein? Wir haben es in der Hand, den Ausgang dieser Krise zu beeinflussen. Ich bin überzeugt, dass wir es schaffen, wenn wir alle vernünftig handeln, um Leben zu retten.“

Bundeskanzlerin Angela Merkel richtet ihr ... Screenshot: ZDF


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