Vorstand des Gesundheitsnetztes Osthessen, Ralph-Michael Hönscher - Foto: Privat

FULDA Hausarzt Ralph Hönscher klärt auf

Versorgungsengpass: Pneumokokkenimpfstoff in der Region nicht mehr lieferbar

26.03.20 - Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte sich am vergangenen Freitag gegen Pneumokokken impfen lassen. Auch wenn dieser Schritt nicht vor einer Ansteckung mit Corona und den möglichen schlimmen Folgen schützt, könnte eine Impfung für Senioren oder chronisch Kranke trotzdem in der aktuellen Situation hilfreich sein.

Das Problem ist jedoch, die Impfstoffe, die dafür – zumindest theoretisch - zur Verfügung stünden, sind derzeit nicht lieferbar. Weder Prevenar 13 noch Pneumovax 23 sind über die üblichen Bezugswege erhältlich. Eine entsprechende Warnung hatte das Bundesgesundheitsministerium im Bundesanzeiger bereits am 17.03.2020 herausgegeben.

Die Ständige Impfkommission (STIKO), die beim Robert-Koch-Institut (RKI) angesiedelt ist, empfiehlt seit Jahren, dass sich Senioren ab 60 Jahren gegen eine Pneumokokken-Infektion impfen lassen sollten. Auch für chronisch Kranke gilt selbiger Hinweis.

EIne Impfung gegen Pneumokokken kann hilfreich ...Symbolbild: Pixabay

"Gestern habe auch ich die letzte Impfdosis verbraucht", erklärt der Allgemeinmediziner und Vorstand des Gesundheitsnetztes Osthessen, Ralph-Michael Hönscher, im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Er selbst habe in der vergangenen Woche eine Nachlieferung von 20 Einheiten erhalten. "Natürlich bemerken meine Kollegen aus den anderen Arztpraxen und ich, dass die Nachfrage nach dem Pneumokokkenimpfstoff seit dem Ausbruch der Corona-Krise in Europa zugenommen hat."

Zum Glück, meint er, seien die meisten Risikopatienten in der Region bereits gegen eine bakterielle Lungenentzündung geimpft. "Das Management in den Arztpraxen ist in der Regel vorbildlich."

Möglicher Nutzen einer Impfung

Hat sich ein Patient mit Covid-19 infiziert, könnte eine Pneumokokkenimpfung vor einer möglichen Superinfektion schützen. "Nichts desto trotz können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen, ob dies allein den Verlauf bei einem durch Covid-19 schwer erkrankten Patienten begünstigt", erklärt Hönscher. Dass gut geimpfte Patienten jedoch eine bessere Prognose hätten, sei sicherlich anzunehmen. 

"Auch wenn im Moment kein Impfstoff mehr von unseren Zulieferern erhältlich ist, sind wir im Verbund und gemeinsam mit den osthessischen Apotheken darum bemüht, diesen Versorgungsengpass baldmöglichst zu unterbrechen." (mr) +++


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