Im Pflegezentrum Hammermühle in Bischofsheim wird – wie in vielen weiteren Pflegeheimen - derzeit für die Senioren viel getan, damit sie gut durch die Corona-Zeit kommen. - Fotos: Marion Eckert

REGION Wo Übermenschliches geleistet wird

Pflege von älteren Menschen in Zeiten von Corona

01.04.20 - Keinen Besuch bekommen, keine Gruppenangebote und keine Gottesdienste feiern. Die Einschränkungen für Menschen, die in Pflege- und Senioreneinrichtungen leben, sind enorm und das Personal leistet schier Übermenschliches, um die Bewohner nicht nur zu unterhalten und zu versorgen, sondern um ihnen Sicherheit und Stabilität zu geben.

„Die aktuelle Situation wühlt bei einigen unserer Bewohner schon auch etwas auf, da kommt manches hoch“, berichtet Elke Müller, Einrichtungsleiterin des BRK Alten- und Pflegeheims in Bad Neustadt. „Es erinnert Bewohner an Kriegszeiten. Das ist für uns eine Herausforderung.“ Auch für das Pflege- und Betreuungspersonal ist die Situation neu. „Sie tragen die Hauptbelastung“, betont Müller. Gruppenangebote gibt es im BRK Heim nicht mehr, dafür umso mehr Einzelbetreuung - und dies erfordere mehr Zeit für den Einzelnen.

Das ist auch im Pflegezentrum Hammermühle in Bischofsheim so. „Es findet viel Gesprächstherapie auf dem Zimmer statt“, erklärt Einrichtungsleiterin Annette Erickson. „Viele unserer Bewohner sind am Geschehen sehr interessiert, sie fragen nach und wollen darüber reden“, so Erickson. „Aber es wird auch miteinander gespielt. Kartenspielen ist sehr beliebt und es gibt Gymnastik auf dem Zimmer. Wir beschäftigen uns viel mit den Bewohnern, um Ausfälle in anderen Bereichen auszugleichen.“

Auch im Seniorenheim St. Niklas in Mellrichstadt steht die Einzelbetreuung im Vordergrund. Neben Einzelbeschäftigung durch Malen oder Rätseln finden Bewegungsübungen auf dem Zimmer statt. Andrea Seufert berichtet von internen Fernsehübertragungen der Ergotherapeutin, die vorliest oder zu Bewegung animiert. Dies seien neuen Formen, um die Bewohner einerseits zu schützen, andererseits aber auch zu beschäftigen. Die täglichen Gedächtnisübungen dürfen dabei nicht fehlen. Kontakt untereinander werde in Mellrichstadt vermieden. Auch wenn Besuche von Angehörigen und Freunden derzeit nicht stattfinden können, so seien die Menschen in den Heimen sozial nicht isoliert. Regelmäßige Telefonate mit Angehörigen aber auch Whatsapp und Skype gehören zum Alltag dazu.

Die Bewohner der Vill`schen Altenstiftung in Bad Neustadt nutzen sehr gerne den windgeschützten sonnigen Garten. Ein Besuch auf dem Marktplatz oder in der Stadtpfarrkirche ist nicht mehr möglich, dafür steht jetzt intern sehr viel auf dem Programm. Manuela Schneye, (Leiterin der Sozialbetreuung, berichtet von Film- und Kinoabenden. „Wir versuchen die Tage so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten.“

Vielen alten Menschen sind der regelmäßige Gottesdienst und das Gebet wichtige Anliegen. Sowohl in Bischofsheim wie auch in Bad Neustadt gibt es Hauskapellen, die die Besucher aufsuchen dürfen. „Es ist dann auch Aufgabe der Betreuungskräfte, mit den Bewohnern in die Kapelle zu gehen“, so Erickson. In der Vill`schen Altenstiftung werden die ausgefallenen Gottesdienste durch Fernsehübertragungen so gut es geht ersetzt.

Hochmotiviert sei das Personal - das wurde von allen Seiten betont. Und zwar nicht nur die Pflege- und Betreuungskräfte. „Ob Küche, Haustechnik oder Pflege: unser Haus hält zusammen. Keiner ist sich für Aufgaben zu schade. Es ist ein gutes und schönes Miteinander“, so Müller. Aber es sei auch klar, dass die Heime Unterstützung benötigen; vor allem personelle Unterstützung, sollten die eigenen Mitarbeiter in Quarantäne müssen oder gar krank werden. Begeistert ist Müller von der Bereitschaft und Disziplin der Senioren. „Unsere Bewohner passen aufeinander auf. Erinnern sich daran, die Hände zu desinfizieren. Das läuft richtig gut.“

Dennoch sei die Situation sehr angespannt. „Die Angst schwebt über uns“, fasst es Müller zusammen. „Wir wissen nicht, was auf uns zukommt.“ Daher werde alles dafür getan, dass die Menschen in den Alten- und Pflegeheimen fit bleiben. Wer dennoch in eines der Heime müsse, seien es Lieferanten oder Rettungsdienst, müsse die gängigen Hygienevorschriften natürlich penibel beachten. (Marion Eckert) +++


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