Eskalation durch zwei Aggressoren in der Cantusbahn vor dem Strafrichter - Foto: pixabay

BAD HERSFELD Gerangel und Aggression im Cantus

Zwei Angeklagte, ein Urteil - Polizeibeamter fürchtete um sein Leben

30.05.20 - Fabio Alexandre S.M. und Nazim G. fuhren am 16. Mai 2019 aus Richtung Kassel kommend im Cantus-Zug und wollten an ihrem Wohnort Bad Hersfeld aussteigen. "Sie haben den Ausstieg verpennt", sagte die Zugbegleiterin als Zeugin bei der gestrigen Hauptverhandlung im Amtsgericht Bad Hersfeld über die beiden Angeklagten, die wegen des Verdachts der gemeinschaftlichen Nötigung, der fahrlässigen Körperverletzung, der vorsätzlichen einfachen sowie versuchten gefährlichen Körperverletzung angeklagt sind.

Fabio Alexandre S.M. lebt derzeit von Arbeitslosengeld, ist verschuldet bei vielen verschiedenen Gläubigern und sein durch Drogenkonsum, Drogenhandel und viele weitere Straftaten mehr verkorkstes Leben will er durch eine angestrebte Reha in den Griff bekommen. Am Ende dieses Verhandlungstages wurde er von Richter Elmar Schnelle wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Monaten zur Bewährung auf drei Jahre verurteilt. Berücksichtigt wurde die zur Tatzeit verminderte Schuldfähigkeit, da der Angeklagte unter Drogen und Alkohol stand. Das Urteil für die oben genannte Tat konnte für den Angeklagten Nazim G. noch nicht gesprochen werden, denn für ihn sind drei Fortsetzungstermine wegen sieben weiteren Anklagen anberaumt.

Die beiden vierzig Jahre alten Männer fahren mit gültiger Monatskarte nahezu täglich von Bad Hersfeld nach Melsungen,  um  bei einem dort ansässigen Arzt ihre Medikamente, unter anderem Methaton und Morphium, in Empfang zu nehmen. Die Zugbegleiterin war sich hundertprozentig sicher, dass die ihr bekanntenn Vielfahrer  an besagtem Tag in Bebra zugestiegen sind.  Zum Eklat kam es jedoch erst zwischen den Haltestellen Bad Hersfeld und Haunetal-Neukirchen, als die Zugführerin die Schlafenden ansprach und darauf hinwies, dass sie beim nächsten Halt aussteigen und den Gegenzug zurück nehmen müssen.  Fabio Alexandre S.M. will verstanden haben, dass eine Fahrpreisnacherhebung in Höhe von 60 Euro eingefordert wurde. Das streitet die Zugbegleiterin strikt ab. Die anschließende aggressiv geführte Diskussion seitens der Schwarzfahrer bekamen mehrere Fahrgäste mit, auch ein Polizeibeamter, der dienstlich in der Polizeidirektion in Bad Hersfeld zu tun hatte und nun in ziviler Kleidung auf der Rückfahrt zu seiner Dienststelle in Fulda war.

Er wollte der Schaffnerin, die zuvor mit Ausdrücken unter der Gürtellinie von den Angeklagten beleidigt wurde, beistehen und mischte sich in das Gespräch ein. Seine Aussage, dass er dabei seinen Dienstausweis vorgezeigt hat und sich damit als Polizeibeamter ausgewiesen hat, wurde von der Zugbegleiterin bestätigt, von den Angeklagten vehement abgestritten. Die ebenfalls vernommenen vier jungen männlichen Fahrgäste, die auf die Auseinandersetzung aufmerksam geworden sind, "schilderten das Geschehen mitunter unterschiedlich", wie Staatsanwalt Christoph Wirth feststellte. 

Licht ins Dunkel brachte schließlich die Aussage des geschädigten Polizeibeamten, der schlüssig erklären konnte, wer wann mit wem gerangelt hat. Fest steht, dass Nazim G. mit seiner Wahrnehmung völlig falsch lag. Der beherzt agierende Polizeibeamte ist weder ein "Koloss und 100 kg schwer", und nur wenig größer als der Angeklagte. Er war darauf bedacht, dass die aggressiven Fahrgäste den Zug verlassen und bewegte sich Richtung Ausstieg. Nazim G. drängelte sich vor ihn, Fabio Alexandre S.M. umklammerte ihn von hinten. Der Videobeweis aus dem Cantus und Fotos, die teilweise von der Zugbegleiterin geknipst wurden, dienten der Beweisaufnahme. In der Dynamik des Geschehens stürzten die drei aus der sich öffnenden Tür des Zuges auf den Bahnsteig, wer hier wen geschubst oder sich an wem festgeklammert hat, konnte nicht abschließend geklärt werden. Nazim G. hat nach seinen Angaben geschrien vor Schmerzen, wollte raus aus der Klammer des Polizeibeamten. Fabio Alexandre S.M. drückte indes dem am Boden Liegenden einen Kugelschreiber unvermittelt direkt an den Hals Richtung Kehle, um seinem Freund zu helfen. "Ich habe um mein Leben gefürchtet", beschreibt der Angegriffene, der selbst den Kugelschreiber aus der Hand reißen  konnte.

Bei dem Sturz blieb der Polizeibeamte zwischen dem Ausstieg und der Bahnsteinkante hängen, was zu einer erheblichen Verletzung seines Knies führte. Der Ordnungshüter nahm trotz der immensen Schmerzen die Verfolgung der weglaufenden Angeklagten auf, die später von der Schutzpolizei in der Ortslage Neukirchen festgenommen werden konnten. Vorher kam es zu einer schmerzhaften Begegnung auf der Brücke über die Gleise, als Nazim G. zurückkam und dem Polizeibeamten Pfefferspray ins Gesicht sprühte.  (Gudrun Schmidl) +++


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