Fulda oder Lauterbach? Der hessische Landesentwicklungsplan sieht vor, Bad Salzschlirf in Zukunft zu Lauterbach zuzuordnen. - Grafik: Janina Hohmann

BAD SALZSCHLIRF / LAUTERBACH Hessischer Landesentwicklungsplan

Fulda oder Lauterbach? "Wollen unsere Strümpfe nicht in Lauterbach verlieren"

25.06.20 - Die heftigen Diskussionen rund um den Landesentwicklungsplan im Landkreis Fulda reißen nicht ab. Denn neben den Gemeinden Neuhof, Flieden oder Kalbach ist auch Bad Salzschlirf ein Thema beim Landesentwicklungsplan. Die Kurgemeinde solle nach den Änderungen des Plans durch das grüne Wirtschaftsministerium nämlich nicht mehr dem Landkreis Fulda zugeordnet werden, sondern als Mittelzentrum der Kreisstadt Lauterbach im Vogelsbergkreis.

Bürgermeister von Bad Salzschlirf, Matthias Kübel Archivfotos: O|N

Die Gemeinde Bad Salzschlirf hat bereits eine Stellungnahme verfasst und diese an das Ministerium versandt. Denn im Kurort sei die Mehrheit gegen eine Zuordnung zu Lauterbach. "Es ist ja nicht so, dass wir die Lauterbacher nicht mögen, doch wir sind der Meinung, dass es keinen Grund gibt, die bisherige Zuordnung zu verändern", erklärt Bürgermeister Matthias Kübel (parteilos) im OSTHESSEN|NEWS-Gespräch. Kübel fragt sich, nach welchen Kriterien diese Entscheidung getroffen wurde - wobei er denkt, dass die kilometerliche Entfernung wohl im Fokus lag. "Klar, manche Leute fahren nach Lauterbach, der Pendlerstrom ist jedoch nach Fulda viermal höher. Das bewährt sich auch durch die Zugehörigkeit durch Funktionsgebiete, beispielsweise Schulamt, Gerichtsbezirke, Arbeitsamt und wir gehören der IHK Fulda an, nicht wie Lauterbach der IHK-Gießen." Laut Kübel habe man schon immer zu Fulda dazugehört. Auch wenn manche Bürger bedenken würden, ob man nicht doch besser im Vogelsberg aufgehoben wäre, habe die Mehrheit der Bevölkerung wenig Verständnis für die Pläne des Landes Hessen. 

"Freude, aber auch mehr Verantwortung"

Bürgermeister von Lauterach, Rainer-Hans Vollmöller

Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller (CDU) findet, dass es eine Grundlage gegeben haben muss, auf welcher die Entscheidung getroffen wurde. "Ich gehe davon aus, dass es sachliche Gründe sind", erklärt er auf O|N-Nachfrage. Denn die Stadt Lauterbach merke vor allem an den Besucherzahlen den Strom aus Bad Salzschlirf. "Das merken wir bei den Gästebefragungen." Egal ob im Freizeitbereich, wie Schwimmbad, Sauna, Bücherei oder Musikschule oder im Einzelhandel - die Bad Salzschlirfer pendeln immer häufiger nach Lauterbach. "Beim letzten Einzelhandelsgutachten kam deutlich zum Ausdruck, wie die wirtschaftlichen Zuströmungsorte sind", erklärt der Bürgermeister, der sich natürlich über eine Zuordnung der Gemeinde zu Lauterbach freuen würde. "Natürlich heißt das für uns aber auch mehr Verantwortung."

"Widerspricht jeglicher Realität"

Die CDU Bad Salzschlirf zieht zu den Plänen des Landes Hessen klar Stellung: "Wir wollen unsere Strümpfe nicht in Lauterbach verlieren!" Laut der Partei widerspricht das Vorhaben jeglicher Realität. "Die Beziehung von Bad Salzschlirf und seiner Bevölkerung zur Stadt Fulda ist in tatsächlicher und historischer Hinsicht deutlich ausgeprägt. Die Gemeinde Bad Salzschlirf ist traditionell auf Fulda ausgerichtet", begründet die Partei. "Die Planungen des hessischen Wirtschaftsministers erfolgen ohne Berücksichtigung der tatsächlichen Gegebenheiten", findet Dr. Georg Betz, Vorsitzender des Gemeindeverbandes. Gründe für eine Umgruppierung benennt der Planentwurf nicht, die CDU denkt, dass das Ministerium lediglich seine Entscheidung auf der kilometermäßig kürzeren Entfernung zwischen Bad Salzschlirf und der Kreisstadt Lauterbach fußt. Der Hauptpendlerstrom würde jedoch laut Angaben der CDU nicht nach Lauterbach, sondern nach Fulda fahren - was als Beleg für die fehlende Anknüpfung des Planentwurfs an die Realität gelte. 

Auch die Fuldaer Linke-Fraktion fordert die heimischen Wahlkreisabgeordneten Markus Meysner, Thomas Hering (beide CDU), Silvia Brünnel und Markus Hofmann (beide Bündnis 90 Die Grünen) auf, gegen den Entwurf zu stimmen und vehement für eine Streichung zu kämpfen, da die Änderungen im Landesentwicklungsplan mit Mindereinnahmen von etwa sieben Millionen Euro jährlich geschätzt werden. (Luisa Diegel) +++


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