MdB Peter Tauber war dem Tod sehr nah - Foto: Tobias Koch/tobiaskoch.net

REGION Last der Verantwortung und Heiliger Geist

MdB Peter Tauber über die Belastungen der Krise und warum er kein Held ist

28.06.20 - Peter Tauber war dem Tod sehr nahe – die schwere Darmerkrankung mit Notoperation und Blutvergiftung liegt nicht einmal drei Jahre zurück. Über seine Erfahrungen hat der damalige CDU-Generalsekretär das Buch "Du musst kein Held sein" geschrieben, in dem er auch die Belastungen des Politikerberufs in Zusammenhang mit der Krankheit bringt.

Das damalige Amt hat Tauber später abgegeben, Spitzenpolitiker ist er immer noch: Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium. Gestresst wirkt er nicht, als er auf die Minute pünktlich in der Redaktion anruft. Wie geht es ihm in der Corona-Krise? Gesundheitlich, sagt der 45-Jährige, richtig gut. Auch sonst habe er im Gegensatz zu vielen anderen Menschen keinen Grund zur Klage, er sei nicht in Kurzarbeit und in seinem Umfeld sei bisher niemand erkrankt.

Die Krise sorge für viel Arbeit, er habe wohl noch nie so viele Telefonate geführt wie momentan. Zugleich spürt Tauber, wie weitreichend politische Entscheidungen derzeit sind: "Das Maß an Verantwortung belastet auch. "Der Freitod des hessischen Finanzministers Thomas Schäfer, der mutmaßlich mit seiner Belastung durch die Arbeit zusammenhing, hat Tauber erschüttert. Noch einige Tage vor dessen Tod habe er Schäfer bei einer Feier getroffen. Es sei bitter, dass sich der Kollege offenbar so gefangen gefühlt habe, dass er keinen anderen Ausweg sah. Er selbst habe früher gedacht, man dürfe sich als Mann und Spitzenpolitiker keine Schwächen erlauben; nicht eingestehen, dass die eigene Belastbarkeit Grenzen hat und ein Mensch nicht immer "funktionieren" muss. Die Erfahrung, das erfährt man in seinem lesenswerten Buch, hat Tauber demütig gemacht.

Im Moment ist viel von Helden die Rede, von "Helden des Alltags" etwa. Man müsse sich fragen, was wir unter Helden verstehen, findet Tauber: "Helden müssen nicht das Leid der Welt auf ihren Schultern tragen." Dem Gelnhäuser ist der Begriff Vorbild inzwischen näher. Auch in seinem Glauben, Tauber ist bekennender evangelischer Christ, sieht er das so. Man solle Jesus als Vorbild nachfolgen, findet er, könne aber nicht in den Kreuzestod folgen.

Ganz wichtig ist Tauber aus seiner Krankheitszeit auch die Erfahrung, dass man Probleme alleine lösen muss und oft auch gar nicht kann. Es gebe immer Menschen, die helfen können – manchmal müsse man sie allerdings suchen. Und auch auf größeren Ebenen, etwa zwischen Staaten, sei es wichtig, gemeinsam zu agieren. Aber es gebe derzeit in der Welt auch das gegenteilige Prinzip, etwa in der Politik von Donald Trump, der versucht haben soll, eine deutsche Impfstoff-Firma mit viel Geld in die USA abzuwerben.

Peter Tauber ist auch Synodaler der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, also Mitglied im Kirchenparlament. So hat er die Diskussionen um die Arbeit der Kirche in der Corona-Zeit in sozialen Medien verfolgt. Es sei wichtig, die Kirche nicht als Dienstleistungsunternehmen zu begreifen, sondern als Gemeinschaft der Gläubigen. Und aus dieser Gemeinschaft sei viel Positives erwachsen. Viele Pfarrer – und andere – nutzten nun das Internet; manches sei zum Schmunzeln, das sei in diesen Zeiten auch wichtig.

Vieles sei eine Frage der Perspektive, sagt Tauber. Natürlich könne man sich ärgern, wenn sich Menschen um Klopapier streiten. Aber man könne eben auch wahrnehmen, dass etwa den Verkäuferinnen im Supermarkt viel Freundlichkeit und Wertschätzung entgegengebracht werde. "Da ist ganz viel Heiliger Geist", sagt er mit Blick auf das Pfingstfest.

Tauber hat schon etliche Marathonläufe absolviert; den Vergleich mit Corona findet er passend. Auch beim Lauf wisse man in der ersten Phase nicht, was auf einen zukomme. Leicht sei so ein Marathon nie, es gebe immer schwere Streckenteile. Aber man laufe ja gemeinsam – und wenn es ganz schwierig werde, gehe man mal ein paar Meter langsam weiter.(Olaf Dellit)

Peter Tauber: Du musst kein Held sein, bene!-Verlag 2020, 18 Euro

Zuerst erschienen im Mai 2020 in "blick in die kirche Magazin", dem Magazin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. www.blickindiekirche.de www.ekkw.de +++


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