Dr. med. Svenja Beres - Archivbilder: O|N

FULDA Was denn nun? Sind die Tests kostenlos?

Ärzte im Corona-Stress: "Die Politik soll einhalten, was sie verspricht"

01.08.20 - "Ich wünsche mir, dass die Politik einhält, was sie verspricht". Dr. Svenja Beres vom Medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) im Altstadt-Carree fühlt sich von der Bundesregierung alleine gelassen. Nachdem Gesundheitsminister Jens Spahn in der vergangenen Woche kostenlose Corona-Tests für Reiserückkehrer versprach, ist diesbezüglich noch nichts passiert.

"Die Menschen rufen bei uns in der Praxis an und möchten nach ihrem Urlaubsaufenthalt auf Covid-19 getestet werden. Wenn wir ihnen dann erklären, dass sie die Kosten dafür selbst tragen müssen, reagieren viele ziemlich sauer", erzählt Dr. Beres im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. Zwar habe die Bundesregierung um Jens Spahn die Kostenbefreiung für Reiserückkehrer in Aussicht gestellt, geschehen sei diesbezüglich allerdings noch nichts.

Auch für die Ärzte und Mitarbeiter in der Gemeinschaftspraxis sei das eine schwierige Situation. "Generell gibt es zu wenige Informationen von zentraler Stelle", stellt sie fest und umreißt, wie der Praxisalltag seit Pandemiebeginn aussieht. "Wir haben mittlerweile täglich ein kurzes Mitarbeiter- Briefing, da es fast alle 24 Stunden ein neues Gesetz gibt." Ein ständiges Umstellen sei damit angesagt. Eine Kollegin, erzählt sie, sei rund sechs Stunden am Tag nur mit Corona- Belangen betraut.

"Wenn wir Covid-19-Tests durchführen, bestellen wir die betreffenden Patienten separat, damit diese nicht mit den Menschen in der normalen Sprechstunde in Kontakt kommen." Dafür habe man im Erdgeschoss extra einen Raum eingerichtet.

Die Pandemie bringt aber nicht nur administrative Herausforderungen mit sich, weiß Dr -Beres. "Patienten rufen bei uns an und sind verzweifelt, weil sie einfach nicht wissen, wie es weitergeht." Als Beispiel nennt die Ärztin Senioren, die auf die Pflege von Kräften aus dem Ausland angewiesen seien. "Wir stehen im Moment vor der Aufgabe, unseren Stammpatienten gerecht zu werden, uns auch genügend Zeit für ihre Sorgen und Nöte nehmen zu können, und zusätzlich den neuen Corona-Alltag zu stemmen."

Dr. Beres hofft, dass gesetzliche Regelungen bezüglich der Corona-Pandemie in Zukunft schneller getroffen und umgesetzt werden. "Im Herbst oder Winter wird es sicher vermehrt Corona-Fälle geben, zusätzlich werden wir, wie in jedem Jahr, mit der Grippe und normalen Infekten zu tun haben. Viele werden krankgeschrieben werden müssen. Das wird für die Wirtschaft wieder ein echter Kraftakt werden.

Weitere Fragen beschäftigen die Ärztin: "Was passiert beispielsweise mit Kita-Kindern, wenn eines von ihnen hustet? Müssen dann alle in Quarantäne? Was wird mit den arbeitenden Eltern, die sich dann um ihren Nachwuchs zuhause kümmern müssen?"

Wo kann ich mich testen lassen?

Symbolbilder: Pixabay

Coronatests werden in den Abstrichstellen der Kassenärztlichen Vereinigung sowie bei verschiedenen niedergelassenen Ärzten durchgeführt. Reiserückkehrer sollen sich künftig zudem in den Corona-Teststellen am Flughafen in Frankfurt am Main auf das Virus testen lassen können.

Wann bekomme ich die Ergebnisse?

Die Ergebnisse der Tests, die bei den Teststellen der Kassenärztlichen Vereinigung durchgeführt werden, liegen in den meisten Fällen am nächsten Tag vor. Wann genau die Ergebnisse der Tests vorliegen, die bei Hausärzten und in Krankenhäusern veranlasst wurden, hängt damit zusammen, wie schnell deren Labor die Tests untersucht.

Personen, die negativ auf das Virus getestet wurden, werden von der KV über das Ergebnis informiert. Personen, deren Testergebnis positiv ist, werden durch den behandelnden Arzt und ergänzend durch das Gesundheitsamt informiert, sodass das Kontaktpersonenmanagement umgehend begonnen werden kann.

Quarantäne für Reiserückkehrer

Für Reiserückkehrer aus Risikogebieten wird die Testanordnung des Bundes die Verpflichtung zur Testung regeln. Die aktuelle Liste der Risikogebiete laut RKI finden Sie unter: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Risikogebiete_neu.html

Achtung: Verpflichtung liegt bei den Reisenden!

Die 14-tägige Quarantäne für Reiserückkehrer aus Risikogebieten gilt weiterhin. Durch einen negativen Test besteht die Möglichkeit, diese Quarantäne zu beenden. Die sich in Quarantäne befindlichen Personen sind verpflichtet, unverzüglich das örtlich zuständige Gesundheitsamt zu kontaktieren und auf das Vorliegen der Verpflichtungen zur Quarantäne hinzuweisen. Das bedeutet, dass das zuständige Gesundheitsamt nicht für jede Person aus einem Risikogebiet eine Quarantäne anordnen muss, sondern die Verpflichtung, sich in Quarantäne zu begeben, auf Seiten der einreisenden Person besteht. Die sich in Quarantäne befindlichen Personen erhalten vom zuständigen Gesundheitsamt Verhaltenshinweise und sind dazu verpflichtet, beim Auftreten von Symptomen für eine Erkrankung mit COVID-19 im Sinne der jeweiligen Kriterien des Robert Koch-Instituts unverzüglich das zuständige Gesundheitsamt sowie den Hausarzt mit dem Hinweis zu kontaktieren, dass sie sich in einem Risikogebiet aufgehalten haben.

UPDATE 16:05 Uhr: Wie die Bild am Freitagnachmittag meldet, können sich bereits ab Samstag alle Urlauber, die aus dem Ausland einreisen, kostenlos bei einem Hausarzt oder einer Teststelle des Gesundheitsamtes kostenlos auf Corona testen lassen. Die Gebühren trage der Bund. (mr) +++


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