Besonders für diejenigen, die keinen Berufsabschluss haben, sei es derzeit schwierig, einen Ausbildungsplatz zu finden. - Symbolbild: Pixabay

REGION Gibt es eine "Generation Corona"?

Corona hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt

11.09.20 - "Die Corona-Pandemie hat sich nicht nur auf den hessischen Arbeitsmarkt, sondern auch auf den Ausbildungsmarkt ausgewirkt", so das ernüchternde Fazit des Ministeriums für Wirtschaft, Energie, Verkehr und Wohnen. Besonders für diejenigen, die keinen Berufsabschluss haben, sei es derzeit schwierig, einen Ausbildungsplatz zu finden. Zwar helle sich die Stimmung in der Wirtschaft zusehends auf, das Ausbildungsjahr aber sei zurückhaltender gestartet. Diese Einschätzung teilten Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir und der Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion Hessen, Dr. Frank Martin am Donnerstag mit. 

"Die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist bisher deutlich niedriger als im vorigen Jahr. Nicht nur Unternehmen schreiben weniger Ausbildungsstellen aus, auch viele junge Menschen sind verunsichert und entscheiden sich seltener als im letzten Jahr für eine Ausbildung", sagten Al-Wazir und Martin. Durch Corona haben sich die Entscheidungsprozesse merklich verzögert. Wichtig bleibt es weiterhin, die Schüler direkt anzusprechen, zu informieren, zu beraten und gleichzeitig Betriebe zu ermuntern, ihre Ausbildungsaktivitäten nicht noch weiter herunterzufahren.

Generation Corona?

"Die duale Berufsausbildung geht trotz Corona weiter", sagte Martin, "Wir werden auch in diesem Jahr jedem Jugendlichen ein Angebot unterbreiten und alles dafür tun, damit es nicht zu einer Generation-Corona kommt." Wirtschaftsminister Al-Wazir betonte: "Der Fokus liegt ganz klar auf der Nachvermittlung und der Intensivierung der Informationskampagnen. Hier arbeiten wir eng mit allen Partnern im hessischen ‚Bündnis für Ausbildung‘ zusammen. Die kommenden Monate werden entscheidend sein", so Minister Al-Wazir.

Wie wichtig eine berufliche Qualifikation ist, zeigen die aktuellen Zugänge in Arbeitslosigkeit. Mehr als die Hälfte des coronabedingten Anstiegs geht auf Arbeitslose ohne Berufsabschluss zurück. "Da sind wir bei der alten Faustregel", so Martin. "Geringqualifizierte werden eher arbeitslos und finden in Krisenzeiten noch schwerer in den Arbeitsmarkt zurück". Dieser Entwicklung könne man vorbauen, indem gemeinsam Rahmenbedingungen geschaffen werden, dass noch weniger Schülerinnen und Schüler ohne Abschluss die Schule verlassen und junge Menschen nicht ohne eine berufliche Perspektive ins Leben entlassen werden.

"Der demografische Wandel und die fortschreitende Transformation der Wirtschaft werden trotz Corona die Fachkräftelücke weiter verstärken. Ausbildung und Qualifizierung sind wichtige Stellschrauben, um diesen Trends zu begegnen", so Martin. Der technologische Wandel träfe bereits jetzt schon die Arbeitnehmer mit mittleren Qualifikationen. Hier könne eine gezielte, zukunftsorientierte Weiterbildung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Betrieb vor Arbeitslosigkeit schützen. Gleichzeitig wüchse eine Fachkraft im eigenen Haus heran und das ohne aufwendiges und vielfach erfolgloses Personal-Recruiting.

"Das Risiko aus der Beschäftigung seine Arbeit zu verlieren war zu Beginn der Corona-Krise kurzzeitig stark gestiegen. Dass die Arbeitslosenzahlen immer noch unter den Werten der Finanzkrise liegen, liegt auch am Kurzarbeitergeld. Entlassungen spielen derzeit keine große Rolle. Allerdings agieren die Betriebe erkennbar zurückhaltend, wenn es um Neueinstellungen geht", fasst Martin die aktuelle Situation auf dem Arbeitsmarkt zusammen.

Für eine Bewerbung noch nicht zu spät

"Ein Berufsabschluss schützt vor Arbeitslosigkeit, gerade in einer Wirtschaftskrise. Darum sind wir gemeinsam mit allen Partnern im ‚Bündnis für Ausbildung‘ bereits im Frühsommer auf Schüler in Abschlussklassen zugegangen, um für eine duale Ausbildung zu werben", so der Wirtschaftsminister. Zudem wurde das Mediabudget der Ausbildungskampagne "AzuB" verstärkt, um Jugendliche darauf aufmerksam zu machen, dass eine duale Ausbildung auch in diesem Jahr noch eine Perspektive ist. Hinzu kamen Informationen in den sozialen Netzwerken, Azubireporter und Influencer sowie das Angebot einer Online-Sprechstunde. Auf diese Weise wurden auch Fördermöglichkeiten publik gemacht. "Eine duale Ausbildung bietet auch in diesem Jahr eine gute Chance für den Berufseinstieg. Für eine Bewerbung ist es noch nicht zu spät", appellierte Al-Wazir.

Al-Wazir erinnerte daran, dass Hessen bereits die Bewerbungsfrist für das Programm "Ausbildungsstellen für Hauptschülerinnen und Hauptschüler" verlängert und die Mittel dafür erhöht hat. Ausbildungsbetriebe, die diesen jungen Menschen eine Chance geben, erhalten einen Zuschuss von 50 Prozent der Ausbildungsvergütung im ersten und von 25 Prozent im zweiten Ausbildungsjahr. "Es zeichnet sich ab, dass es in einem durch die Corona-Krise enger werdender Ausbildungsmarkt junge Leuten mit Hauptschulabschluss oder ganz ohne Abschluss besonders schwer haben. Auf sie zielen unsere Bemühungen in erster Linie", so der Minister.

Ebenso können weiterhin Anträge im Rahmen der Ausbildungsplatzförderung gestellt werden. Auf dieser Basis ist gerade auch die Übernahme von Auszubildenden aus insolventen Unternehmen förderfähig. Das Programm "Wirtschaft integriert" wiederum fördert junge Flüchtlinge bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Bisher wurden rund 5.800 Menschen unterstützt, 850 Ausbildungsverhältnisse angebahnt und knapp 250 Prüfungen erfolgreich abgeschlossen. Doch Corona hat auch hier Spuren hinterlassen. Es gilt daher auch hier die Anstrengungen der Vermittlung zu verstärken", so Al-Wazir. (pm) +++


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