Neustart schön wie nie im Lokschuppen. Mundstuhl als Flamongos auf der Bühne. - Fotos: Gudrun Schmidl

BEBRA Flamongos im Lokschuppen

Mundstuhl begeistert mit hartem Tobak, "Kanak-Sprak" und Klabusterbären

Der Lokschuppen ist wettbewerbsfähig. Die neue Bühne, die nach mehreren Umbauten nun einen Gesamtwert von 175.000 Euro erreicht, wurde kürzlich eingeweiht. Trotz schwieriger Zeiten wurde in eine Ton- und Lichtanlage investiert, die sich am Limit des Machbaren bewegt. 24.000 Watt und zwölf Lautsprecher sollen für den optimalen Klang sorgen. Geschäftsführer Bähr hat neue Konzepte erstellt und die schlichte Reihenbestuhlung abgeschafft. Jetzt finden bis zu 240 Gäse auf Bierbänken Platz, bei der Varieté-Bestuhlung mit je zwei Personen pro Tisch passen 180 Besucher in die Halle.

11.10.20 - Nach der durch Corona bedingten Zwangspause will sich der Lokschuppen II in Bebra mit einer atemberaubenden neuen Mega-Bühne, mit zwei besonderen Bestuhlungskonzepten inklusive Abstandsregeln und natürlich der Wiederaufnahme des Kulturprogramms gegen die Krise stemmen. Dieser Plan ist am Freitagabend mit dem Auftritt von Mundstuhl vollends aufgegangen. 180 Fans hätten im Lokschuppen einen sicheren Platz gefunden. Einige wenige Stühle, allesamt in einer Variété-Bestuhlung angeordnet, blieben frei. 

Wirtschaftlich hat dieser Auftritt für die beiden Comedians Lars Niedereichholz und Ande Werner, die seit über 20 Jahren als das erfolgreichste und wandelbarste Comedy-Doppelpack Deutschlands gelten, wohl keinen großen Sinn gemacht. Aber das nimmt das Comedy-Duo "Mundstuhl" in Kauf. Ihnen ist wichtiger, dass sie in Corona-Zeiten spielen was machbar ist und ein Feedback auf der Bühne bekommen. Die Freude der beiden war deutlich spürbar, sie redeten sich in Rage und lachten sich über ihre eigene Witze schlapp. Offensichtlich schaukelten sich die Comedians während der zweistündigen Vorstellung immer wieder hoch durch Improvisationen, die der jeweils andere noch nicht kannte.

Die Friedensaktivisten Torben und Malte

Grillexperte Grillschorsch

Ande Werner spielt gemeinsam mit Lars ...

Andie mit hartem Tobak

Ihr neues Programm haben Lars Niedereichholz und Ande Werner "Flamongo" getitelt, abgeleitet vom jugendsprachlichen Schimpfwort "Mongo", das so viel wie "Idiot oder "Depp" bedeutet. Als solche betraten sie zur Freude des Publikums die Bühne. Sie haben in der Zwangspause nichts verlernt, denn schnell war klar: Der Abend wird derb, der Abend wird exzentrisch und geht zuweilen auch unter die Gürtellinie. Doch genau diesen deftigen Klamauk schätzen die Fans. Sie treffen an diesem Abend auch auf die Ossi-Tussi Sandy, der alleinerziehenden Dating-App-Expertin, die sich beruflich an der Brust leckt und stolz auf ihren neo-patriotischen Nachwuchs Justin ist, der nicht mehr so voller Hass und endlich auf dem rechten Weg ist. Von ihrer Freundin Peggy wünscht sie sich zum Geburtstag einen Vibrator, weil der vom vergangenen Jahr für´n Arsch ist.  

Die Illusionisten Sickroy und Fried

Die unglaublich drucklosen Friedensaktivisten Torben und Malte von "No Pressures" beschwichtigen mit grenzdebilem Blick "Kein Mensch muss müssen" und stimmten nicht nur die "Ode an die Klabusterbären", sondern auch das kürzeste Friedenslied "Weiße Tauben sind Möwen" an. Grillexperte Grillschorsch, der als Hauptgericht einen gestohlenen Karpfen polnischer Art empfiehlt und der Andie, der mit wüstem Geschrei von der misslungenen Hochzeit mit seiner "Alten, der fetten Sau", berichtet, sorgen mit ihren Soloauftritten für Schnappatmung.

In ihren Paraderollen als Dragan und Alder konnten Lars Niedereichholz und Ande Werner am meisten punkten. Die "Kanak Sprak", mit denen sich die beiden niedermachen und sich dabei den schwachsinnigsten Statussymbolen der Jetztzeit widmen, ist legendär und alles andere als "Scheißendreck". Der Persiflage auf die "Weiße-Tiger-Dompteure Siegfried und Roy" fehlt es leider an komödiantischem Pfiff. Auch wenn der "schwebende Sickroy alias Ande Werner" mit urkomischen Verrenkungen verblüffte und sage und schreibe elf Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert wurden.  

Mundstuhl - endlich wieder auf ...

Mit ihrer sagenhaften Pointendichte, fast immer jenseits des guten Geschmacks, sind Lars Niedereichholz und Ande Werner noch immer einmalig. Die "Ode an die Fans", die eigentlich nur gespielt wird, wenn das Publikum die Künstler auf Händen getragen hat, wurde trotzdem in Bebra vorgetragen. Die eingeforderte Zugabe gipfelte in Michael Holms Lied "El Lute", der noch nie das Licht der Sonne gesehen hat. War El Lute wohl blind oder ein Albino gewesen? Absurde Gedanken schaukeln sich immer weiter hoch. Stehende Ovationen für "Mundstuhl", die versprechen: "In zwei Jahren sehen wir uns wieder!" Geschäftsführer Matthias Bähr versprach vorab: "Wir fahren den Lokschuppen wieder hoch". Er hat nicht zuviel versprochen. (Gudrun Schmidl) +++   

 


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