Bei Amazon wird ab dem 13.10.2020 gestreikt. - Foto: Gerhard Manns

BAD HERSFELD Lohnerhöhung gefordert

Schnäppchenjagd muss beim Gehalt aufhören - Amazon Prime Day bestreikt

13.10.20 - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) ruft zum Beginn der Schnäppchenaktion "Prime Day" bei Amazon die Beschäftigten in den Versandzentren Leipzig, Bad Hersfeld (zwei Standorte), Rheinberg, Werne, Graben bei Augsburg und Koblenz ab dem 13. Oktober zu einem zwei Tage dauernden Streik auf.

"Die Beschäftigten legen seit Beginn der Corona-Pandemie Höchstleistungen an den Tag, oft ohne hinreichenden Schutz", sagt Orhan Akman, ver.di-Bundesfachgruppenleiter für den Einzel- und Versandhandel. Diese enorme zusätzliche Belastung zahle sich für sie aber nicht im Geldbeutel aus. "Während Amazon-Chef Jeff Bezos Milliarden verdient, hat der Konzern die Zulage von zwei Euro pro Stunde, die den Beschäftigten im März gewährt wurde, Ende Mai wieder abgeschafft", kritisiert der Gewerkschafter. Amazon könne sich höhere Gehaltssteigerungen durchaus leisten: "Von den wirtschaftlichen Problemen, mit denen sich Ketten des stationären Einzelhandels durch Lockdown und andere Corona-Beschränkungen konfrontiert sehen, ist Amazon weit entfernt." Die zwischenzeitlich gezahlte Corona-Zulage sollte daher "in einem ersten Schritt in eine dauerhafte tariflich abgesicherte Gehaltserhöhung für alle umgewandelt werden. Denn die Beschäftigten erwirtschaften durch Höchstleistung den Gewinn des Unternehmens", so Akman.

Zwar habe der Konzern den Beschäftigten im September eine Gehaltserhöhung von 1,8 Prozent gewährt und sich damit einmal mehr an den tarifvertraglich im Einzelhandel vereinbarten Einkommenssteigerungen orientiert. "Allerdings klafft nach wie vor eine Lücke bei Sonderzahlungen wie dem Weihnachts- und Urlaubsgeld", so Akman. "Zum Abschluss eines Tarifvertrags gibt es auch deshalb keine Alternative, zumal Amazon nun auch Mitglied im Handelsverband Deutschland ist." Grundsätzlich halte ver.di an einer Allgemeinverbindlichkeit von Tariflöhnen fest. Sollten die Arbeitgeber weiter blockieren, müsse das Gesetz so geändert werden, dass einseitige Blockaden auf dem Rücken der Beschäftigten nicht länger möglich sind. "Die Schnäppchenjagd muss beim Gehalt aufhören", so Akman.

Neben der Lohnpolitik kritisiert Akman auch die jüngsten Enthüllungen über die Bespitzelung von Amazon Beschäftigten und Versuche, Gewerkschaften mit Geheimdienstmethoden aus den Betrieben fernzuhalten. "Es kann nicht sein, dass ein Unternehmen sich über Recht und Gesetz hinwegsetzt. Die Beschäftigten sind kein Freiwild,"sagte der Handelssekretär von ver.di. In den vergangenen Tagen haben Gewerkschaften aus 15 europäischen Ländern, unter ihnen ver.di, von der EU-Kommission gefordert, eine Untersuchung über entsprechende, möglicherweise illegale Tätigkeiten von Amazon gegen Beschäftigte dieses Unternehmens in Europa einzuleiten. 37 Europaabgeordnete haben sich in einem offenen Brief an Amazon-Chef Jeff Bezos gewandt und ihn zu einer Kursänderung aufgefordert. 

Amazon selbst äußert sich in einem Statement 

"Die Pakete kommen pünktlich zu den Kunden, wir sehen keine Auswirkungen der Streiks. Der große Teil unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeitet heute wie an jedem anderen Tag: Sie bearbeiten Kundenbestellungen in einem Umfeld, das sie unterstützt, in dem man gerne arbeitet und vorankommt. Tatsache ist, dass Amazon bereits exzellente Löhne, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen bietet - und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung. Diese Vorteile und Chancen hat jede und jeder bei Amazon, genauso wie die Möglichkeit zum direkten Austausch mit Führungskräften.

Das Lohnpaket samt der Zusatzleistungen und unsere Arbeitsbedingungen bestehen auch im Vergleich mit anderen wichtigen Arbeitgebern in der Region. Unser Ziel wird es immer sein, in einem exzellenten Arbeitsumfeld durch Teamarbeit und den direkten Austausch mit den Mitarbeitern hervorragendes für Kunden zu schaffen." (pm) +++


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