Das Handwerk hat trotz Corona gut zu tun - Foto: Heinrich Pick

REGION Herbst‐Konjunkturumfrage   

Nach zwei schwierigen Quartalen: Handwerksbetriebe deutlich zufriedener

23.10.20 - Nach zwei coronabedingten schwierigen Quartalen sind die Handwerksbetriebe in Nord-, Ost- und Mittelhessen wieder deutlich zufriedener. "Unsere aktuelle Konjunkturumfrage bei 820 Betrieben zeigt, dass die große Mehrheit der Umfrageteilnehmer die aktuelle Geschäftslage wieder ordentlich einschätzt, allerdings gibt es erhebliche Branchenunterschiede”, kommentierte der Präsident der Handwerkskammer Kassel, Heinrich Gringel, die Herbstumfrage. "Nachdem der Geschäftsklimaindex im April auf einen historischen Tiefst­stand von 55,8 Punkten gefallen war, ist er im Berichtsquartal wieder auf 109,2 Punkte geklettert.

Angesichts der gesamtwirtschaftlichen Talfahrt erweist sich das Handwerk damit als krisenfest. Aber ob das angesichts der aktuellen Corona-Entwicklung so bleibt, muss bei den derzeitigen Entwicklungen bezweifelt werden", so Gringel weiter. Insgesamt 83,1 Prozent der Betriebe sind mit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden. Gegenüber der Frühjahrsumfrage ist das ein Anstieg von 24,6 (!) Prozentpunkten. Aktuell bewerten 44,1 Prozent (Frühjahrsquartal: 24,1 Prozent) ihre derzeitige Geschäftslage mit gut, weitere 39 Prozent (FQ: 34,3 Prozent) mit befriedigend. Die Geschäftserwartungen der Betriebe sind ein wenig verhalten: Knapp jeder vierte Betriebsinhaber (18,6 Prozent) erwartet zum Jahresende eine Verschlechterung der Lage, 12,4 Prozent eine Verbesserung.

Bau wieder sehr zufrieden, Kfz-Handwerk und persönliche Dienstleister knicken ein

Die Branchenunterschiede sind im abgelaufenen Quartal ganz erheblich: Am ärgsten sind immer noch die personenbezogenen Dienstleistungsgewerke, etwa Friseure, Fotografen oder Kosmetiker, von der Corona-Krise betroffen (Geschäftsklimindex: 88 Punkte). Aber auch das Kfz-Gewerbe (83,9 Punkte) hat es weitaus schwerer erwischt, als andere Handwerksbranchen. Knapp jeder dritte der Befragten bewertet seine Geschäftslage als schlecht. Gut geht es dagegen dem Bauhaupt- und dem Ausbaugewerbe (117,8 bzw. 128,4 Punkte), die sich einer sehr lebhaften Nachfrage erfreuen und deren Kapazitätsauslastung wieder Spitzenwerte erreicht hat. Die Gesundheits­hand­werke (113 Punkte) konnten sich wieder deutlich erholen, nach dem auch hier die Nachfrage mehr oder weniger zum Erliegen gekommen war. Etwas unter den Vorjahresergebnissen liegen die Bäcker und Fleischer (116 Punkte), da immer noch viele Großaufträge fehlen und das Cateringgeschäft heruntergefahren ist. Aber insgesamt herrscht hier wieder mehr Zufriedenheit.

Einige wichtige Indikatoren – Beschäftigungsentwicklung, Umsatzentwicklung, und Kapazitätsauslastung – unterstreichen die wirtschaftliche Erholung, aber die Zahlen machen ebenfalls deutlich, dass die Stimmung besser als die Lage ist. Immer noch 28,3 Prozent der Betriebe berichten über Umsatzrückgänge, 19,6 Prozent melden steigende Erlöse. Eine negative Entwicklung gab es bei den Auftragseingängen, was sicherlich nicht nur jahreszeitlich bedingt ist. Während gut jeder fünfte Betrieb steigende Ordereingänge verbuchen konnte, ging es bei 28,7 Prozent der Befragten wieder bergab. Bei den Investitionstätigkeiten zeigen sich viele Betriebe ebenfalls zurückhaltend, auch das zeigt die momentane Unsicherheit vieler Betriebe.

Auftragsreserven bleiben hoch

Die durchschnittliche Betriebsauslastung bleibt mit 77,8 Prozent auf hohem Niveau, was insbesondere auf das Baugewerbe zurückgeführt werden kann. Die Auftragsreserven sind gegenüber dem Vorjahr um 0,6 Wochen nur leicht abgeschmolzen und liegen derzeit bei durchschnittlich 8,1 Wochen, im Ausbaugewerbe müssen die Kunden immer noch über zehn Wochen auf einen Handwerker warten.

"Entscheidend für die wirtschaftliche Entwicklung in den kommenden Monaten wird sein, wie sich das Pandemiegeschehen weiterentwickelt. Die aktuellen Zahlen der Corona-Infizierten stimmen nicht sehr optimistisch. Auch die Folgen der Corona-Krise dürfte die deutsche Wirtschaft - und damit auch das Handwerk – noch deutlich länger beschäftigen. Leere Staatskassen, steigende Verschuldung der öffentlichen Körperschaften und eine zurückgehende Konsumnachfrage werden nicht absehbare Folgen haben. Der Boom im Handwerk wird trotz der aktuell günstigeren Entwicklung, mittel- und langfristig wohl keine Fortsetzung erfahren”, so Gringel abschließend.(pm)+++


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