Bürgermeisterkandidat Marco Herbert - Foto: Privat

GROßENLÜDER Zwei Kandidaten stehen zur Wahl (1)

Amtsanwärter Marco Herbert: "Eine echte Vertretung der Bürgerinteressen"

Zur PersonMarco Herbert lebt seit 16 Jahren in Großenlüder. Gemeinsam mit Frau Carolin hat der 41-jährige drei Kinder. Er ist Mitglied in zahlreichen Vereinen und in der Kirchengemeinde sowie der Gemeindepolitik aktiv. Die Politik wurde ihm buchstäblich in die Wiege gelegt, schon sein Großvater und Urgroßvater waren Bürgermeister - damals in der ehemaligen Gemeinde Zirkenbach. Kommunalpolitisch wurde er 2016 mit seiner Wahl in die Gemeindevertretung Großenlüder aktiv. Herbert arbeitet derzeit als Dezernent im Bereich "Innere Organisations- und Planungsangelegenheiten, Interne Revision" beim Regierungspräsidium Kassel.

09.11.20 - Bevorstehender Führungswechsel in Großenlüder - nach 12 Jahren im Amt tritt der amtierende Bürgermeister Werner Dietrich (Unabhängige Bürgerliste) nicht erneut zur Wahl an. Am kommenden Sonntag, den 15.11.2020, entscheiden nun die Bürger der Gemeinde, ob CDU-Kandidat Marco Herbert oder der Sozialdemokrat Florian Fritzsch, der aber parteiunabhängig antritt, ins Großenlüderer Rathaus einzieht. 

Der Stimmenkampf ist in vollem Gange - wer wird die Mehrheit für sich entscheiden und die Gemeinde als neuer Bürgermeister führen? OSTHESSEN|NEWS hat den beiden Kandidaten jeweils drei Fragen gestellt. Hier die Antworten von Marco Herbert: 

Wie stehen Sie zu den aktuellen Ausbauplänen rund um die Firma Zement-Kalkwerke Otterbein?

"Die Jugend- und Bürgerbefragung hat uns die Betroffenheit der Menschen in Müs und Uffhausen deutlich aufgezeigt. 75 Prozent der Menschen sagen aus, dass eine direkte, wahrgenommene oder nachweisbare Belastung existiert, über 80 Prozent befürchten dies in Zukunft. Wenn die Menschen sagen, dass sie unter einem Betrieb leiden, dann muss ich das nicht nur ernst nehmen, sondern auch entsprechend handeln.

Die ZKW plant einen Antrag auf Erweiterung ihres Abbaugebietes zu stellen – das ist auch ihr gutes Recht. Mit den aktuellen Planungen und der Vorbereitung dieses Antrags haben die ZKW Otterbein eine Position eingenommen. Und dieser Position muss man eine Position entgegensetzen. Diese muss genauso klar und unmissverständlich sein, wie die der ZKW. Die Bürgerinnen und Bürger haben sie sogar selbst ganz deutlich benannt: keine Mehrbelastung aus dem Betrieb und kein Steinbruch auf 135 Meter an unser Dorf!

Die Erweiterung der ZKW Otterbein sorgt für einen großen Interessenkonflikt zwischen Unternehmen und Bürgern. ...Foto: Carina Jirsch

Ich habe in der Gemeindevertretung die Planungen der ZKW abgelehnt – der anschließende Beschluss war einstimmig. Ich finde, das ist echte Vertretung der Interessen der Bürger. Zu dieser Interessenvertretung gehört es auch, dass wir jede nachweisbare oder auch nur gefühlte Belastung – sei es in der Luft, durch Sprengungen oder andere Abbauarbeiten, durch Werksverkehr, im Wasser, der Geologie oder in jeder anderen Form – benennen und dem Regierungspräsidium als Genehmigungsbehörde, sowie der Regionalversammlung bekannt machen, vorlegen und deren Beachtung, Prüfung und Würdigung im Genehmigungsverfahren nachdrücklich einfordern! Es gehört auch dazu, dass wir unsere Bundestagsabgeordneten in die Pflicht nehmen. Viele Belastungen und Kritikpunkte der Menschen vor Ort leiten sich aus den Regelungen des BImSchG (Bundesimmissionsschutzgesetz) ab – einem Bundesgesetz, dessen Regelungen und Auslegungen wir hier in unserer kleinen Gemeinde spüren. Hier müssen wir auch ansetzen, sensibilisieren, aufzeigen und fordern, dass beispielsweise eine Anlage 3 zur 17. BimSchV keine anderen Grenzwerte oder Ausnahmen beim Einsatz von Sekundärbrennstoffen zulässt, nur, weil es sich um ein Zementwerk handelt.

Hier geht es auch nicht um Interessenabwägung. Die ZKW vertreten ihr Interesse – ich das der Menschen aus Müs, Uffhausen und allen anderen Ortsteilen der Gemeinde Großenlüder. Daher ist es richtig, das geplante Vorhaben abzulehnen. Ein Heranrücken des Abbaugebietes auf so kurze Distanz an den Ort birgt geologische und hydrogeologische Unwägbarkeiten und Gefahren, die sich nicht restlos ausräumen lassen werden. Hier wird ein "Restrisiko" bestehen bleiben und das können wir den Menschen in der Umgebung des Abbaugebietes nicht zumuten.

Die Ablehnung der Planungen durch die Bürgerinnen und Bürger, sowie durch die Gemeindevertretung sind ein deutlicher Aufruf an die Geschäftsleitung der ZKW, ihre Planungen auf den Prüfstand zu stellen. Sie ist ein klares Statement: Wir – die Bürgerinnen und Bürger - sind mit den Planungen nicht einverstanden und lehnen diese ab. Jetzt ist die Zeit mit der Geschäftsleitung der ZKW über diese Dinge zu sprechen. Wir müssen im Vorfeld der Antragsstellung zum Dialog – zu einem Miteinander-Sprechen – zurückkehren. Das ist die Basis! Miteinander reden, sich zuhören, sich ernst nehmen und nicht stur dem eigenen Kopf folgen und über die Köpfe der Menschen hinweg entscheiden!"

Worin sehen Sie Ihre persönlichen Ziele und Schwerpunkte für Ihre mögliche Amtszeit als Bürgermeister?

"Mir liegen drei Themen besonders am Herzen:

Ich möchte Großenlüder bekannt machen

Wir bieten so viele Angebote, Erzeugnisse und Dienstleistungen in Großenlüder an. Dazu kommen die vorhandenen touristischen Hotspots sowie echte kulturelle Highlights, wie die Passionsspiele. Und das Allerwichtigste: direkt vor unseren Haustüren erstreckt sich eine schöne und weitläufige Natur. Das möchte ich bekannt machen und vermarkten. Wenn man eine solche Vermarktungsstrategie angeht, entsteht auch Infrastruktur: Radwege, Spielplätze, Infotafeln, Ruheplätze und vieles mehr. Davon profitieren unsere Gäste, aber auch die Menschen vor Ort, die all das ja genauso und noch besser nutzen können. Darüber hinaus hat uns die aktuelle Corona-Pandemie vor Augen geführt, wie wertvoll regionale Lieferketten sind - kurze Wege vom Erzeuger zum Verbraucher. Diesen ökonomisch und ökologisch sinnvollen Ansatz möchte ich gezielt ausbauen. Dazu gehört auch das Angebot eines "Bauern- und Regionalmarkts".

Ich möchte die Digitalisierung vorantreiben

Der Kontakt mit dem Rathaus soll einfacher und schneller werden: Anträge stellen, Bürgerhaus reservieren, Personalausweis beantragen, Kita-Essen bestellen usw. ohne lange Wege ins Rathaus - jederzeit - von jedem Ort.

Ich möchte das Ehrenamt stärken

Wir haben super Vereinsgemeinschaften in unserer Gemeinde, bei denen Mitgliederwerbung und Mitgliederbindung große Themen sind. Hier möchte ich unsere Vereine z.B. mit einem "Tag des Ehrenamts" oder einer festen Rubrik zur Vereinsvorstellung im Lüdertal-Boten unterstützen. Auch möchte ich den jährlichen Ehrenamtspreis beibehalten und die Vereinsförderung gemeinsam mit den Vereinen besprechen und bei Bedarf zielgerichtet anpassen."

Wie schätzen Sie Ihren Gegenkandidaten Florian Fritzsch ein?

"Ich kenne Florian mittlerweile seit einigen Jahren. Er ist ein sehr engagierter Kommunalpolitiker und ein fairer Wahlkämpfer."

Für wen sich die Bürger in Großenlüder entscheiden, wird sich am kommenden Sonntag zeigen. OSTHESSEN|NEWS berichtet aktuell über die Bürgermeisterwahl. (mi) +++


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