Die Bewohner meldeten einen angeblichen Wolfsriss "direkt vor dem Sandkasten der Kinder und des Hauseingangs" - Fotos: Wolf-Monitor Hessen

ROTENBURG/F. "Beweise" die Fragen aufwerfen

Vier Blutlachen neben dem Sandkasten: Angeblicher Wolfsriss im Innenhof

13.11.20 - Ob bewusst oder unbewusst- irgendwie erinnerte die Rundmail, die am Mittwochnachmittag in den Postfächern der osthessischen Presselandschaft einging, an Rotkäppchens Märchen.

Medien berichten von einem "Bild des Grauens"

Ein Landwirt aus Rotenburg- Dankerode (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) hatte sich an Wolfsberater, das Hessische Landesamt für Naturschutz (HLNUG) sowie an weitere Stellen gewandt, um auf einen angeblichen Wolfsriss aufmerksam zu machen. Fotos des vermeintlichen Angriffs des großen Beutegreifers wurden über E-Mail und Whatsapp großzügig geteilt. Zu sehen: Mehrere (gleichartige) Blutlachen in einem Innenhof eines Bauernhofes, der Hinweis, dass der Wolf wohl ein Stück Rotwild dort direkt neben dem Sandkasten der Kinder gerissen hätte, folgte auf dem Fuße. Verschiedene Medien berichteten über den Vorfall und über "ein Bild des Grauens". Schnell wurde die "Stölzinger Wölfin" für das Ereignis verantwortlich gemacht.

Immer mehr "Einzelheiten" wurden im Laufe des Tages bekannt. So wurde auch der Kopf einer Katze gefunden, für deren Tod Meister Isegrim verantwortlich gemacht werden sollte. Gleich zwei Schafherden seien ebenfalls ausgebrochen, wohl – so war die verbreitete Mutmaßung – aus Panik vor dem Wolf, der das Stück Rotwild bis in den Innenhof des landwirtschaftlichen Anwesens getrieben hätte.

"Beweise" die Fragen aufwerfen 

Spätestens ein Bild eines Heuballens auf einer angrenzenden Wiese, dessen Folie blutverschmiert (in einer Höhe von etwa 1,60 Meter) war, machte mehr als misstrauisch. Von einem getöteten Paarhufer, der nach der Menge an im Hof verteilten Blut jedoch hätte gefunden werden müssen, fehlte dafür jede Spur. Auch wurden keinerlei Fell- oder Faserspuren – wie bei einem Raubtierriss normal – festgestellt. Die Fotos, die auch der Redaktion von OSTHESSEN|NEWS geschickt worden waren, warfen bereits bei kurzer Betrachtung mehr Fragen auf, als sie zu beantworten.

Das HLNUG bezieht Stellung

Vor diesem Hintergrund hat O|N beim HLNUG, welches den Vorfall untersucht, nachgefragt. "Der Fall wurde am Tag der Meldung von einer sachkundigen Person dokumentiert. Es wurden auf dem Hof und den naheliegenden Schafweiden keine Hinweise darauf gefunden, dass ein großer Beutegreifer in die Situation involviert war", so eine Pressesprecherin.

Eine Probe von dem Blut, welches auf dem Hof gefunden wurde, soll nun genetisch analysiert werden, um festzustellen, von welcher Tierart das Blut überhaupt stammt – und was tatsächlich hinter dem sonderbaren Vorfall steckt.

Hintergrund

Im Landkreis Hersfeld-Rotenburg und dem angrenzenden Werra-Meißner-Kreis wurden in den vergangenen beiden Jahren mehrere Wild- und Nutztiere von der "Stölzinger Wölfin" gerissen. Verschiedene Landwirte und Tierhalter aus der Gegend fordern seit geraumer Zeit den Abschuss des Tieres. (mr) +++


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