- Symbolbild: O|N / Luisa Diegel

HOMBERG (OHM) "Preis, den wir zahlen, ist zu hoch"

Dannenröder Forst: Grüne fordern Verkehrswende und Klimaschutz

13.11.20 - "Die A49 ist ein verkehrspolitisches Fossil, fußend auf einer überholten Planung, das nicht weitergebaut werden darf", bekräftigen die Vogelsberg-Grüne ihren Standpunkt in einer Pressemitteilung. Der Dannenröder Forst sei ein Symbol für eine längst überfällige Wende in der Klimapolitik - der Widerstand zeige, dass es immer noch an Bewusstsein für die Folgen des Klimawandels und die Notwendigkeit einer Verkehrswende fehle. 

Außerdem bemängelt die Partei, dass in den Parlamenten politische Mehrheiten, die sich ernsthaft und entschieden für die Umsetzung der notwendigen Veränderungen einsetzten würden, wie Gabriele Szepanski, Sprecherin des Kreisverbands Vogelsberg, bedauert. Das musste laut Szepanski auch die Hessische-Grüne spuren, als sie nach der letzten Landtagswahl mangels eigener Mehrheit vor die Frage gestellt wurde, ob sie in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU die angestrebten Fortschritte auf Landesebene in den Bereichen öffentlicher Nahverkehr, Klimaschutz, Gewässerschutz, Energieerzeugung und naturschutzgerechte Umstellung der Waldbewirtschaftung im hessischen Staatswald opfern sollten, um ihren Widerstand gegen den Weiterbau der A49 zu demonstrieren.

Grüne unterstützten Aktivisten

"Klar war, dass im Landtag keine Mehrheit gegen den Weiterbau der A49 existierte. Linke und Grüne standen und stehen hier gegen eine deutliche Mehrheit aus CDU, SPD, FDP und AFD, die sich alle klar für die A49 ausgesprochen haben", stellt Udo Ornik, Vorsitzender der Grünen Kreistagsfraktion, fest. "Immerhin gelang es im letzten Jahr, die Rodungen um ein Jahr zu verschieben, sodass sich der Widerstand in dieser Zeit formieren konnte. Doch nun verkürzt sich die politische Auseinandersetzung darauf, ob ein Grüner Minister mit schätzungsweise 20 Prozent der Wählerstimmen diesen Irrsinn stoppen kann." Die Aktionen am Dannenröder Wald sollten sich nach Auffassung der Vogelsberger Grünen stattdessen darauf konzentrieren, die Mehrheitsbasis für eine Verkehrswende und für Klimaschutz deutlich zu verbreitern. Die Grünen hierbei als Gegner zu behandeln, sei der falsche Weg.

"Fortschritte lassen sich nur erzielen", so Ornik und Szepanski, "wenn sich die Bewegung nicht spalten lässt in gute und schlechte Klimaschützer, sondern gemeinsam daran arbeitet, deutlich stärker zu werden. Im Parlament, im Wald und auf der Straße. Die Grünen der Regionen Vogelsberg, Gießen und Marburg unterstützen die Aktivisten."

"Menschen werden von Verkehrsentlastung getäuscht"


Die Vogelsberger Grünen sind der Meinung, dass die Menschen in der Region getäuscht werden mit dem Versprechen von Verkehrsentlastung - tatsächlich werde die A49 möglicherweise weniger Entlastung bringen als erhofft und gleichzeitig zu höherer Belastung anderer Menschen führen. "Die Menschen werden getäuscht mit der Mär von wirtschaftlichem Wachstum, das andernorts trotz guter Autobahnanbindungen bisher auch nicht eingetreten ist. Sie werden getäuscht mit dem Versprechen von Ausgleichsmaßnahmen, die nur auf dem Papier stehen und die, auch wenn sie umgesetzt werden, den Schaden, der angerichtet wurde, erst in vielen Jahrzehnten wieder gutmachen können.  Und sie werden getäuscht durch die Ausweisungen von Schutzgebieten, die bei Bedarf einfach wieder aufgehoben werden können. Alle diese Probleme werden jetzt deutlich", so Udo Ornik.

Im Bundesverkehrswegeplan sind bis 2030 noch ca. 800 km Autobahnneubau festgeschrieben. "Der Versuch, im Dannenröder Wald den Einschlag zu stoppen wird sich auch auf weitere Autobahnprojekte auswirken", sind sich die Vogelsberger Grünen sicher. "Was hier passiert, kann ein Wendepunkt in der Klima- und Verkehrspolitik werden. Dies jedoch nur, wenn die Klimabewegung zusammenhält. Deshalb unterstützen die Vogelsberger Grünen den friedlichen Widerstand ausdrücklich.

"Wir wenden uns mit einer eindringlichen Mahnung an all die Betonköpfe in CDU, SPD und FDP. Sie sollten endlich verstehen, dass der Preis zu hoch ist, den wir am Ende alle, vor allem jedoch unsere Kinder und Enkelkinder, zahlen müssen, wenn sie nicht bald bereit sind, deutlichen Schritten gegen den Klimawandel zuzustimmen." (ld) +++


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