Ein ICE-Halt bedeutet für Bebra einen Imagegewinn, aber der Güterverkehr könnte leiden. - Fotos: Gudrun Schmidl

BEBRA Imagegewinn mit Folgen

Parlamentarier sprechen sich für ICE-Halt aus - mehr Fluch denn Segen?

18.11.20 - "Bebra hat ein Trauma", befürchtet SPD-Stadtverordneter Gerhard Schneider-Rose und fügt an: "Die Eisenbahnerstadt schrieb als Eisenbahnknotenpunkt und als Grenzbahnhof deutsche Geschichte. Jetzt versucht sie, aus der Bedeutungslosigkeit rauszukommen". Die Bebraer Politik ist jedoch spät, vielleicht schon zu spät dran, um das Rennen für einen Fernverkehrshalt auf der Neubaustrecke Fulda-Gerstungen für sich und ihre Stadt zu gewinnen. In Wildeck und Ronshausen haben sich die Gemeindeparlamente bereits für den Bahnhof Bebra als Halt ausgesprochen. Am Donnerstag brachte das Bebraer Parlament nach einer emotionalen Debatte die entsprechende Resolution auf den Weg.

Macht es überhaupt Sinn, einen ICE-Halt in Bebra zu fordern? Da gingen die Meinungen der Fraktionen deutlich auseinander. Viele Parlamentarier, vor allem aus den Reihen der FWG, erwarten einen Image-Gewinn für die Stadt und einen möglichen Aufschwung für die Wirtschaft mit entsprechender Fernverkehrsanbindung als attraktiver Standortfaktor für Unternehmen. Ingrid Ehlert (FWG) kämpfte mit harten Bandagen, deutet an, dass auch der Halt am Bahnhof Bad Hersfeld keineswegs sicher ist. "Die wahrscheinlichen und schnellsten Trassen führen an Bad Hersfeld vorbei! Damit gewinnt der Bahnhof auf der "Grünen Wiese" an Wahrscheinlichkeit. Eine Konstellation, die unbedingt verhindert werden muss – der absolute Super-Gau für diesen Kreis".

Eine gute Anbindug an Kassel, Eisenach, Göttingen und Fulda ist für zahlreiche Pendler wichtig. ...

Ihre Worte fanden Gehör, wurden allerdings scharf kritisiert. Ehlert wird empfohlen, ihre Reden künftig selbst zu formulieren. OSTHESSEN | NEWS ist informiert, dass die Rede aus der Feder von Bernd Holzhauer stammt, der sich der Freien Wählergemeinschaft angeschlossen hat. SPD-Stadtverordnete Christina Kindler hat die Ansprache zornig gemacht. Sie brachte den ehemaligen Bürgermeister Uwe Hassl ins Spiel, der politisch zugunsten der Freien Wählergemeinschaft im Hintergrund politisch wieder mitmischen will. "Dass wir viel zu spät dran sind, liegt nicht an der Bürgerschaft und nicht an den Stadtverordneten, sondern an fehlenden Informationen seitens des damaligen Rathauschefs über die Ergebnisse der ersten fünf Bahnforen. "Er hat seinen Job nicht gemacht und die Chancen verspielt", bekräftigt Klingel. Übrigens positionierte sich Hassl seinerzeit für den Standort Bad Hersfeld, der auch von MdB Michael Roth aktuell favorisiert wird.

Risiko ist mir zu hoch

Vor allem die Sozialdemokraten sind skeptisch und holten sich Rat von einer Fachperson. Sie betrachten die Einrichtung eines ICE-Haltes mehr als Fluch denn Segen und begründen dies. Stefanie Koch (SPD) befürchtet, dass die Arbeitsplätze von rund 150 Lokführern und Rangierern im Güterverkehr gefährdet werden, weil die Schnellzüge deren Gleiskapazität benötigen. "Das Risiko ist mir zu hoch". Zudem könnte der Güterverkehr unter dem Umbau für den Fernverkehr leiden und damit Arbeitsplätze und die Anbindung von regionalen Unternehmen an den Transport auf der Schiene gefährden. Ein Umbau der Anlagen erfordert mehrjährige Bauarbeiten mit ungeahnten Folgen für bestehende Gebäude, die gegebenenfalls vom Abriss bedroht wären. An Schnellzüge, die mit mindestens 160 Stundenkilometern durch die Stadt fahren und von denen nur jeder fünfte auch Halt macht, müsste man sich gewöhnen.

"In Bebra wurde bisher zu wenig Position bezogen", sieht Bürgermeister Stefan Knoche das Problem. Jedoch will er nichts unversucht lassen und sieht Chancen in einem Gutachten, das ein Ingenieurbüro bis Ende November erstellen könnte. Hier soll das Argument der Bahn wiederlegt werden, dass die Variante über Bebra für den Deutschlandtakt zu lange dauert. Auf einem Änderungsantrag der CDU-Fraktion basiert die Zustimmung für die Erstellung des Gutachtens, das mit der Prüfung, ob Arbeitsplätze in Gefahr wären, ergänzt werden soll. Kostenfaktor insgesamt: rund 10.000 Euro.  

Bebra möchte nicht aufs Abstellgleis geschoben werden. ...

Bei der Planung der Bahn spielt der Bahnhof Bebra aktuell keine Rolle mehr, weil der angepeilte Deutschlandtakt, der unter 62 Minuten Fahrzeit zwischen Fulda und Erfurt liegt, nicht eingehalten werden kann. Über Bebra dauert die Fahrt vier Minuten zu lang. Letztendlich stimmten 19 Parlamentarier für die von der FWG-Fraktion beantragte Resolution und unterstützen damit die Bürgermeister von Bebra, Wildeck und Ronshausen. Sieben verneinten und sieben enthielten sich der Stimme. Viele Kommunen im Südkreis rund um Bad Hersfeld favorisieren einen Fernverkehrshalt in der Kreisstadt  Gegen einen Bahnhof auf der grünen Wiese in der Gemarkung Ludwigsau sprechen sich auch die Bebraer Parlamentarier aus. (Gudrun Schmidl) +++


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