Landrat Dr. Michael Koch hofft, dass Hotels und Restaurants bald wieder öffnen dürfen. - Archivfoto: O|N/Gerhard Manns

BAD HERSFELD Maßnahmen dringend nötig gewesen

Landrat Dr. Koch: "Vielzahl an Infektionen auf privaten Bereich zurückzuführen"

18.11.20 - Seit knapp zwei Wochen befindet sich Deutschland in einem zweiten Lockdown. Auch die Corona-Zahlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sind Ende Oktober exponentiell angestiegen. Aus diesem Anlass hat OSTHESSEN|NEWS bei Landrat Dr. Michael Koch (CDU) nachgefragt, wie sich die aktuelle Corona-Lage in Waldhessen darstellt.

OSTHESSEN|NEWS: Wie ist die aktuelle Corona-Situation im Landkreis Hersfeld-Rotenburg? 

Dr. Michael Koch: "In den vergangenen fünf Wochen haben wir einen starken Anstieg der Infektionszahlen verzeichnet. Nach vergleichsweise ruhigen Monaten ist der Inzidenzwert in der vergangenen Woche erstmals seit Beginn der Pandemie in den dreistelligen Bereich gerutscht. Derzeit sind die Zahlen wieder leicht rückläufig. Betrachtet man das Infektionsgeschehen auf Kreisebene, sind die von Bundes- und Landesregierung entschiedenen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus dringend nötig gewesen."
 
O|N: Vor einigen Wochen war es für viele noch nicht vorstellbar, dass es einen zweiten Lockdown ab November geben wird. Halten Sie den "Lockdown light" für die richtige Maßnahme? 

Koch: "Es wäre falsch gewesen, sich aufgrund des niedrigen Infektionsgeschehens in den Spätsommermonaten in Sicherheit zu wiegen. Dass die Zahlen wieder ansteigen, war zu erwarten. Ob der "Lockdown light" mit seinen jetzigen Maßnahmen tiefgreifend genug ist, muss sich erst noch zeigen. Hier bin ich aber zuversichtlich, erste Resultate in den kommenden Wochen zu sehen. Während die neuen Verordnungen für manche Bereiche unserer Gesellschaft schmerzhafte Einschnitte bedeuten, plädiere ich weiterhin dafür, unsere Schulen im Kreis so lange offen zu halten, wie möglich. Jeder Tag Präsenzunterricht ist wichtig für die Bildung der Schülerinnen und Schüler. Hinzu kommt: Solange der Unterricht stattfinden kann, werden (berufstätige) Eltern entlastet."
 
O|N: Gerade in den Sommermonaten wurden die Corona-Vorschriften gelockert. Die Gastronomie durfte wieder öffnen und auch Freizeitaktivitäten waren vermehrt möglich. Haben die Menschen auch hier im Landkreis diese "neue Normalität" zu sehr ausgenutzt und sich dabei zu wenig an die geltenden Regeln und Empfehlungen gehalten, sodass neue Vorschriften notwendig waren? 

Koch: "Ich glaube, dass man bei einem Großteil der Bevölkerung hinsichtlich der gelockerten Maßnahmen nicht von "ausnutzen" sprechen kann. Wir alle haben versucht, die Sommermonate mit größtmöglicher Vorsicht und gegenseitiger Rücksichtnahme zu nutzen – abends bei einer Pizza in der Stadt, beim Grillen und Wandern mit Freunden im kleinen Kreis, in Form von Urlaub innerhalb Deutschlands. Aber in unserem Landkreis zeigt sich, dass eine Vielzahl der Neuinfektionen auf private Kontakte zurückzuführen ist. Insofern konnte es nicht so weitergehen wie bisher. Das Bündel der Einschränkungen war also insgesamt notwendig, wobei es immer schwierig ist, jede einzelne Einschränkung auf die Goldwaage zu legen."  
  
O|N: Noch Mitte Oktober lagen die Inzidenz-Zahlen im Landkreis bei unter zehn pro 100.000 Einwohner. Können Sie sich erklären, wie es seitdem zu dem großen Anstieg der Infektionen im Landkreis kam? 

Koch: "Es ist leider nicht in jedem Einzelfall möglich, die Infektionsquelle nachzuvollziehen. Wir wissen aber, dass private Kontakte die Hauptursache waren. Hinzu kamen zahlreiche Reiserückkehrer nach den Herbstferien. Wir wurden in den vergangenen Wochen schmerzlich daran erinnert, wie schnell sich Covid-19 weiterverbreitet und dass es jeden treffen kann – Ansteckungen sind jederzeit und in jedem Zusammenhang möglich." 
 

Das Gesundheitsamt wird derzeit von den Mitarbeitern des Landratsamtes unterstützt. ...Archivfoto: Pelle Faust/Landkreis Hersfeld-Rotenburg

O|N: Immer wieder wird über die Nachverfolgung von Kontaktpersonen debattiert. Wie ist die derzeitige Lage im hiesigen Gesundheitsamt? Können hier noch alle Kontakte nachverfolgt werden? 

Koch: "Wir können die Arbeit derzeit nur aufgrund des außerordentlichen Engagements vieler Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufrechterhalten. Dafür bin ich sehr dankbar. Mit einer Verstärkung des Gesundheitsamts durch Mitarbeitende der Kreisverwaltung können wir die Kontaktverfolgung nach wie vor gewährleisten. Klar ist aber auch: das wird schwieriger, je schneller die Zahlen ansteigen. Der Mehraufwand im Fachdienst Gesundheit ist deutlich spürbar und wir arbeiten daran, das Team des Gesundheitsamts zu entlasten."  
 
O|N: Der Lockdown gilt zunächst für den gesamten November. Auch wenn es schwierig ist, eine Prognose für die nächsten Monate zu treffen: Wie sieht Ihr Wunschmodell für die Zeit nach dem Lockdown aus? Welche Vorschriften können gelockert werden und welche sollten erhalten bleiben? 

Koch: "Ich persönlich würde mir wünschen, dass Restaurants und Hotels baldmöglichst wieder öffnen, da ich das Infektionsgeschehen dort – bei entsprechenden Hygienemaßnahmen – für beherrschbar halte. Zudem hoffe ich natürlich, dass wir alle die Weihnachtsfeiertage im Kreis von Freunden und Verwandten verbringen dürfen und auch die Kirchen geöffnet sein können. Hierfür ist es wichtig, dass wir uns in den kommenden Wochen weiter zusammenreißen und sämtliche Corona-Regeln einhalten. In der Zeit nach dem Lockdown müssen wir dann alles dafür tun, die heimische Wirtschaft wieder anzukurbeln: eingeschlossen mittelständische Betriebe, Gastronomie, Einzelhandel. Grundlegende Maßnahmen wie die Mund-Nasen-Schutz-Pflicht oder das Einhalten von Mindestabständen werden uns mit Sicherheit noch einige Zeit begleiten." (Kevin Kunze)+++


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