Warten auf Kundschaft (von links): Uidad Hach-Mimon, Ilona Wanke, Stefan Hodes und Anja Schickedanz. - Fotos: Carina Jirsch, O|N-Archiv (1)

FULDA Die IHK empfiehlt neue Wege

Krise im Einzelhandel: "Wer braucht schon im Home Office Business-Schuhe?"

18.11.20 - Als das zweiköpfige O|N-Team am Dienstagvormittag das Schuhhaus Hodes in der Fuldaer Friedrichstraße betritt, sind wir schon mittendrin im Thema. Ohne lange suchen zu müssen, haben wir direkt um die Ecke, wo sonst alles voll ist, Parkplätze gefunden. Jetzt stehen wir zwischen hunderten Paaren Schuhe, deren Leder eifrig von drei Mitarbeiterinnen gewienert werden. Denn Kundschaft – Fehlanzeige. "Es ist schon eine sehr traurige Veranstaltung, dieser November", seufzt eine der Damen.

Hermann Vogt von der IHK Fulda

Stefan Hodes (rechts) im Gespräch mit O|N-Redakteur Matthias Witzel ...

Zwar setzt der Einzelhandel derzeit noch große Hoffnungen auf das anstehende Weihnachtsgeschäft, um die Umsatzausfälle seit dem ersten Lockdown wenigstens ein Stück weit zu kompensieren, wie Hermann Vogt, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK Fulda, auf Nachfrage von OSTHESSEN|NEWS erklärt. "Die Schließung der Gastronomie und der Ausfall des Weihnachtsmarktes führen allerdings zu einem deutlichen Frequenzrückgang in der Innenstadt und zur Verlagerung in den Online-Handel."

Dabei wirken sich abgesagte Veranstaltungen vor allem in der Modebranche negativ aus. "Wenn keine gesellschaftlichen Events stattfinden, muss man sich auch nicht schick machen", sagt Stefan Hodes, der das 1902 gegründete Schuhgeschäft in der Friedrichstraße in der vierten Generation führt. "Das Kaufverhalten der Kunden hat sich 2020 völlig verändert. Denn wer braucht schon im Home Office Business-Schuhe?"

Wie alle anderen Einzelhändler auch blickt Stefan Hodes nur ungern auf das Jahr zurück. "Als die Frühjahrs- und Sommerkollektion im März reinkam, mussten wir für Wochen dicht machen. Dann hat sich das allmählich wieder erholt. Der Oktober war fast normal. Und jetzt kommt wieder keiner." Und das, obwohl die Monate November und Dezember in aller Regel die wichtigsten des Jahres sind.

Das Schuhhaus Hodes in der Friedrichstraße

40 bis 60 Prozent der Einzelhändler fürchteten um ihre Existenz. "Ich lege jeden Tag Geld drauf und wünschte mir, dass die Politik uns ähnlich wie die Gastronomie finanziell unterstützen würde." Derselben Meinung ist auch Hermann Vogt von der IHK: "Der Handel sollte aus unserer Sicht in die sogenannte Novemberhilfe einbezogen werden. Allerdings hat die Politik diese Forderungen bislang nicht umgesetzt."

Daher müssten die Unternehmer selbst Maßnahmen ergreifen, um die Attraktivität des stationären Einkaufens zu erhöhen, so Vogt: "Wichtig ist es, die digitale Sichtbarkeit zum Beispiel durch 'click & collect', also online bestellen und im Laden abholen, zu erhöhen. Zudem kann es sinnvoll sein, die Einkaufszeit vor Weihnachten zu strecken und den Kunden anzubieten, früher einzukaufen, um die Zugangsbeschränkungen zu kompensieren. Zurzeit gilt die Regel: zehn Quadratmeter pro Kunde."

Einen weiteren Pluspunkt könnten verlängerte Umtauschmöglichkeiten bringen. "Auch eine stimmungsvolle, weihnachtliche Beleuchtung in den Straßen und im Laden trägt dazu bei, das Einkaufserlebnis zu steigern und Kunden anzulocken. Ein ,Mini-Weihnachtsmarkt‘ oder ein ,Budenzauber‘ im Geschäft laden zum Stöbern ein und erhöhen die Kauflust. Eine intensive Beratung, kombiniert mit einem Lieferservice, kommt ebenfalls bestens an. Die Parkgebühren ganz oder teilweise zu übernehmen, ist ein weiteres Argument, um Kunden zu gewinnen." Die IHK-Organisation setze sich zudem seit der Beschränkung der verkaufsfreien Sonntage für eine Lockerung der Sonntagsöffnung ein.

Alles bedenkenswerte Möglichkeiten, um doch noch glimpflich durch die dunkle Jahreszeit zu kommen. Dennoch blickt Stefan Hodes eher pessimistisch in die nahe Zukunft: "Solange den Leuten suggeriert wird, möglichst wenig Kontakte zu haben, wird sich an der Krise im Einzelhandel nichts ändern." (Matthias Witzel) +++ 

Zum Unternehmen von Stefan Hodes gehören noch die Schuhgeschäfte Vogler in Fulda und Müller in Alsfeld. ...


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