Zum ersten Mal gibt es bei der Wahl zum "Unwort des Jahres" ein Wort-Paar, dass von der überregionalen Jury gewählt wurde. - Grafik: OSTHESSEN|NEWS

REGION Premiere bei jährlicher Wahl

"Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur" sind Unwörter des Jahres

12.01.21 - Ungewöhnliche Entscheidung zum "Unwort des Jahres": mit der erstmaligen Wahl eines Unwort-Paares geht die Jury dabei neue Wege. Zur Begründung heißt es, dass die Jury aufgrund des vorherrschenden Themas, der Corona-Pandemie, ein weiteres Wort ausgesucht hat, um auf inhumane und unangemessene Wörter aufmerksam zu machen.

Zu den Unwörtern des Jahres 2020 entschied sich die Jury für "Rückführungspatenschaften" und "Corona-Diktatur". Zur Begründung heißt es seitens der Sprachwissenschaftler:innen, dass durch diese Wahl keineswegs ein Zensurversuch unternommen wird, sondern lediglich ein Anlass zur Diskussion über den öffentlichen Sprachgebrauch und seine Folgen für das gesellschaftliche Zusammenleben sei. 

Der Begriff "Rückführungspatenschaften" wurde 41-mal vorgeschlagen - der Begriff wurde seitens der EU-Kommission im September 2020 geprägt und soll einen neuen Mechanismus der Migrationspolitik bezeichnen: "Die EU-Staaten, die sich weigern, Flüchtlinge aufzunehmen, sollen ihrer "Solidarität" mit den anderen Mitgliedern der EU dadurch gerecht werden, dass sie die Verantwortung für die Abschiebung abgelehnter Asylbewerber übernehmen. Dies als "Rückführungspatenschaften" zu bezeichnen, hält die Jury für zynisch und beschönigend: Der ursprünglich christlich geprägte, positive Begriff der Patenschaft steht für Verantwortungsübernahme und Unterstützung im Interesse von Hilfs- bedürftigen", heißt es in der offiziellen Begründung der überregionalen Jury des Unwortes des Jahres.

Das Wort "Corona-Diktatur" wurde 21-mal vorgeschlagen und seit Beginn des öffentlichen Diskurses um den politischen Umgang mit der Pandemie von der selbst ernannten "Querdenker"-Bewegung und rechtsextremen Propagandisten gebraucht, die regierungspolitische Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie diskreditierten und ablehnten. "Dass der Ausdruck auf Demonstrationen verwendet wird, die – anders als in autoritären Systemen! – ausdrücklich erlaubt sind, stellt schon in sich einen Widerspruch dar. Zudem verharmlost der Ausdruck tatsächliche Diktaturen und verhöhnt die Menschen, die sich dort gegen die Diktatoren wenden und dafür Haft und Folter bis hin zum Tod in Kauf nehmen oder fliehen müssen", heißt es im offiziellen Jury-Statement.

"Dies erscheint umso problematischer, als das Schlagwort oft von denen verwendet wird, die – wie es in einer Einsendung heißt – 'ja selbst und zum Teil ganz offen auf die Abschaffung der bürgerlichen Freiheiten und der sie repräsentierenden Verfassung zielen' Der Ausdruck macht es zudem schwieriger, berechtigte Zweifel an einzelnen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie offen und konstruktiv zu diskutieren", so die Jury abschließend. (kku)+++


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