„Zu sagen, Donald Trump bescheißt, ist so, als würde man sagen, Michael Phelps schwimmt.“ (Rick Reilly) - Fotos: Andrew Milligan/PA Images/Zuma Wire/DPA

FULDA Was wir lesen, was wir schauen (10)

Rick Reilly: "Commander in Cheat" - Donald Trumps schmählicher Abgang

18.01.21 - Wenn Sie diesen Text lesen, sind es nur noch drei Tage bis zur Inauguration Joe Bidens. In den Januartagen davor gab Trump nochmals alles. Was ihn für dieses Amt schon immer untauglich gemacht hatte, bot er uns wie unter einem Vergrößerungsglas dar. In Telefonaten meinte er, à la Don Corleone Loyalität und Gefolgschaft beim Finden von 11.789 + 1 Stimme einfordern zu können. Bei Zuwiderhandlung stieß er wilde Drohungen aus. In Tweets und Posts überbot er QAnon an abstrusen Verschwörungstheorien. Mit "be there, will be wild!" forderte er seinen rotbemützten Mob zum Sturm aufs Kapitol auf. Er schürte mehr Hass als die Inquisition. Wie passend, dass seine Präsidentschaft mit einem Beinahe-Staatsstreich zu Ende geht. Die Frage ist, ob wir Trump nun endgültig los sind oder ob das, wofür er steht, sich als unausrottbar erweist.

Trumpolismus – der Commander-in-Cheat

"Besser nicht in der Öffentlichkeit lesen: Ihre Reaktionen könnten Ihre Mitmenschen ...Buch-Titel:Verlag

Vielleicht stellen Sie ja für den 20. Januar einen Sekt kalt und stoßen mit der ganzen Welt auf bessere Zeiten an. Machen Sie es sich bequem und lesen Sie dazu "Commander in Cheat", ein Buch über Golf, über Politik, über Donald Trump – und übers Bescheißen (die Wortwahl des Autors). Golfer:innen wussten von Anfang an, wes Geistes Kind der neue Präsident war. Denn Golf ist der ultimative Charaktertest – da es keine Schiedsrichter:innen gibt, verlangt ein strikter Ehrenkodex Ethos und Ehrlichkeit von den Spieler:innen. Dann kam Trump.

Wir haben mit Nichte Mary über Trump und seine verkorkste Familie gestaunt, mit Bob Woodward atemlos den Wahnsinn in Trumps Weißem Haus verfolgt, mit ungläubigem Staunen diverse Insider- und Enthüllungsgeschichten gelesen und am Dreikönigstag erschüttert den Angriff der Mobster auf das Kapitol erlebt. Man schüttelt sich und versucht, mit dem Alptraum namens Trump zurechtzukommen. Ach, wäre er doch ein mieser Geschäftsmann und Steuerhinterzieher geblieben, hätte sich weiter für einen Weiberhelden gehalten, seine Appartements in Gold getaucht und Golf gespielt! Es wäre uns viel erspart geblieben. Der Mann, der jede Frau bewertet – nur wer eine "10" ist, kann auf Anerkennung hoffen – kann in seinem Leben auf keinem einzigen Feld Leistungen im Bereich "10" vorweisen. Am nächsten kommt er der "10" noch bei seiner Lieblingsbeschäftigung Golf. Darüber hat Rick Reilly ein ungemein amüsantes und bissiges Buch mit vielen kurzweiligen Geschichten geschrieben.

Autor Rick Reilly, geboren 1958, ist ein renommierter Sportjournalist in den USA. ...Foto: privat

Reilly, der bereits mehrfach mit dem Preis des "National Sportswriter of the Year" ausgezeichnet wurde, kennt Trump seit über 30 Jahren: "In der ganzen Zeit habe ich ihm nie auch nur ein einziges Wort geglaubt, aber ganz im Ernst, ich war mir immer sicher, er selbst auch nicht. Er hat immer bloß Mist verzapft, aber meistens irgendwo amüsanten Mist." Golf ist für US-Präsidenten ein perfekter Zeitvertreib, findet Reilly. Und sagt "Wo sie spielen, wie sie spielen, wie oft sie spielen und warum sie spielen, verrät uns mitunter mehr über Präsidenten als ein ganzer Hörsaal voller Historiker".

Golfen wie ein Hütchenspieler

Copyright Gerd Altmann, Pixarbay

Im Falle von Trump ist dies sein Urteil: "Zu sagen, Donald Trump bescheißt, ist so, als würde man sagen, Michael Phelps schwimmt." Rumms, das sitzt, wird aber gleich noch besser: "Trump schummelt beim Golf nicht nur. Er bescheißt wie ein Hütchenspieler in der Fußgängerzone. Er wirft, kickt, schiebt den Ball ständig in eine bessere Position. Egal wo der Ball liegt, er lügt. Er verhunzt das Spiel."

Dabei ist Trump nicht mal ein schlechter Golfspieler. Warum also tut er das? Seinen Ruf in der Sportwelt hat er damit auf jeden Fall komplett ruiniert. Er tut es, weil er nicht anders kann. Er muss der Beste sein, immer, überall. Ist er es nicht, leidet er Höllenqualen. Um die zu umgehen, betrügt er. Wahrheit interessiert Trump nicht die Bohne, es kommt immer nur darauf an, wie etwas klingt, scheint, wirkt. Der Scheinwerfer soll ihn in gleißend-helles Licht tauchen, ihn, Donald, den Großen. So hat er es gern, und darauf ist sein Verhalten ausgerichtet. Sein Umfeld weiß das und agiert entsprechend. Caddys, die für Trump arbeiten, wissen: Der Boss muss gewinnen. Deshalb helfen sie nach. Wes‘ Brot ich fress', des Lied ich sing'.

Alternative Fakten über Trumps Golfspiel

Wussten Sie, dass Trump

- angeblich 18 Clubmeisterschaften gewonnen hat? Als Golfer:in ist Ihnen klar – das ist grotesk und absolut unmöglich. Auch die Größten ihres Sports kommen höchstens auf fünf oder sechs. Reilly verrät Ihnen, wie Trump mit einem Rechentrick plus Bescheißen auf 18 kommt. Die Titel hat er übrigens alle auf seinen eigenen Plätzen "gewonnen".

- sein Handicap mit 2,8 angibt? Sie lachen? Dann sind Sie Golfer:in und wissen Bescheid. Reilly dazu: "Wenn Trump ein Handicap von 2,8 hat, ist die Queen Stabhochspringerin."

- beim Golfen keinen Schritt läuft? Er fährt. Er fährt auch dort, wo das eigentlich verboten ist.  Und seine Golfwägelchen – immer mit der No. 1 – sind manipuliert. Sie fahren doppelt so schnell wie alle anderen (was gegen sämtliche Platzregeln verstößt). Wer schneller als die anderen von Loch zu Loch unterwegs ist, kann 1) alle überholen und 2) schnell mal einen Ball besser platzieren oder auch verschwinden lassen.

- der teuerste Golfspieler der Welt ist? Auf "Trump Golf Count" können Sie mitzählen. Trump verbringt mehr Tage auf dem Golfplatz als jeder andere US-Präsident und kostete den Steuerzahler dabei 144 Mio. Dollar. Nur für Golf. Ohne Security, und ohne die Grundausstattung eines Präsidenten auf dem Golfplatz – von Scharfschützen bis kleine Rakete.

Ist Trump gut für den Golfsport?

Ein so vom Golfen begeisterter Präsident, der fast jede Woche auf dem Platz steht, hat doch sicher positive Auswirkungen auf den Sport? Reilly hat dazu eine sehr klare Meinung – NEIN. "Alles, was er als Präsident dem Land antut, hat er uns vorher schon im Golfsport angetan." Reilly findet, Trump mit seiner Wichtigtuerei, Angeberei und der Dauer-Lügerei schadet dem Sport. Trump hält Golf für ein elitäres Vergnügen der Happy Few, eine Belohnung für Reichtum und Erfolg. So, wie er eine Mauer zwischen Mexiko und den USA errichten wollte, um Menschen auszusperren, würde er am liebsten auch vielen Menschen das Golfspiel untersagten. Reilly und eigentlich alle großen Golfspieler:innen halten dagegen und sagen: Nein, Golf ist für alle da, Golf ist viel zu schön, als dass man den Sport einer kleinen Minderheit reservieren dürfte. Fußnote: Im Januar 2021 reagierte die PGA und entzog Trump die PGA-Championship in Bedminster, eines der vier Majors. Es sieht so aus, als wolle auch die Golfwelt nichts mehr mit Trump zu tun haben.

Foto: Nicole Dietzel, Dinias

Golf enthüllt den wahren Charakter eines Menschen. Bei Trump kommt dabei ein gruseliges Gemälde heraus, für den Golfspieler, noch viel mehr für den US-Präsidenten. "Es ist, als würde man einen Pokal im Pfandleihhaus kaufen. Du kannst ihn auf Hochglanz polieren, damit angeben und so tun, als hättest Du ihn selbst gewonnen. Aber wenn Du ganz nah rangehst, spiegelt sich darin das Gesicht eines Verlierers."


Symbolbild: pixabay

Trump Golf Count

https://trumpgolfcount.com/

Hier wird dokumentiert, wie oft Trump seit Antritt der Präsidentschaft Golf gespielt hat, wo er gespielt hat, wie viel das gekostet hat etc. Wen es interessiert, auch die Golf-Trips anderer Präsidenten kann man hier verfolgen.

Trump spielt Golf

https://www.nau.ch/news/amerika/donald-trump-spielt-mit-zweitem-ball-in-der-hose-golf-65758428
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