- Handyfoto (2): Gudrun Schmidl

REGION Ausmisten heißt loslassen

"Hier sieht es aus wie in einem Saustall" - raus mit dem Krempel - eine Kolumne

17.02.21 - Es ist ein großes Thema unserer Zeit: Ausmisten! Offenbar hat sich die Menschheit derart voll gemüllt, dass immer mehr Buchautoren den "Messies" die Fragen rund ums Ausmisten  beantworten, die sie gar nicht gestellt haben. Ratgeber wie "Das magische Aufräumbuch" oder "Du solltest öfter mal ausmisten" überschwemmen den Buchmarkt und sollen uns auf Trab bringen, uns von unserem Krempel zu trennen. Dabei sind gerade Bücher ein klassisches Beispiel für Dinge, die Menschen nur schwer aussortieren können, auch wenn sie seit Jahren ungelesen einstauben. Vielleicht liest man sie doch noch oder ein Lieblingsbuch ein zweites Mal? Die Regale biegen sich. Sollten wir uns also gar keinen Aufräum-Ratgeber kaufen?

Sich von Büchern zu trennen, fällt schwer. Foto: pixabay

Ich selbst muss mir diese Frage nicht stellen, denn ich habe schon regelmäßig ausgemistet, bevor die Japanerin Marie Kondo und ihre weltweit beachtete KonMari-Methode überhaupt geboren wurden. Dabei bin ich weder strategisch vorgegangen, noch habe ich in Projekten gedacht wie von den Expert:innen empfohlen. Niemals habe ich mich selbst gefragt, ob ich mir den Gegenstand noch einmal kaufen würde. Wie in meiner Generation üblich, wurden wir Frauen mit Aussteuer beglückt und besaßen damit Gegenstände im Übermaß.

Die Sektgläser durften bleiben. Fotos (5): Gudrun Schmidl

Eine ganze Armee Bleikristallgläser wartete in der Vitrine, mindestens zweimal im Jahr ausgeräumt zu werden, um frisch poliert ihr weiteres Dasein zu fristen. Jahr für Jahr gab es Schwund durch Glasbruch. Das im Schrank gestapelte 24-teilige "gute Geschirr für besondere Anlässe" wurde aufgeteilt und 12-teilig verschenkt. Überhaupt sollte man Gegenstände, die man doppelt und dreifach besitzt, nicht einfach entsorgen. Es gibt immer jemanden, der es gut gebrauchen kann und sich darüber freut. Eigentlich gibt es für fast alles eine Abnahmestelle und zahlreiche Alternativen zur Mülltonne oder zur Altkleidersammlung. Vieles, was wir nicht mehr brauchen oder was uns nicht mehr passt oder gefällt, lässt sich auf Verkaufsportalen oder auf dem Flohmarkt zu Geld machen.       

Oje. Ausgemistet, aber die Entsorgung klappt nicht so ganz.

Was du in den letzten sechs Monaten nicht gebraucht hast, kommt weg. Diese Regel habe ich schlichtweg ignoriert, denn dann hätte ich das Fonduegeschirr schon entsorgen müssen. Aber mindestens einmal im Jahr wird es gebraucht. Die Frage: "Machst du mich glücklich?" habe ich der viel zu engen Hose nicht gestellt, bevor sie auf Nimmerwiedersehen im Altkleidercontainer versank. Wer kommt schon auf die Idee, sich von einem kaputten Küchensieb für die gemeinsame Zeit zu bedanken? Statt auf fremdbestimmte Regeln und Dankesbekundungen gegenüber meinen Hausrat verlasse mich auf meinen gesunden Menschenverstand und meinen Ordnungssinn und miste genau dann aus, wenn ich Energie und Zeit dazu habe.   
  

"Wer die Welt in Ordnung bringen will, gehe zuerst durchs eigene Haus"


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Ausmisten heißt loslassen. Ja oder nein zu einem Gegenstand sagen. Für einige Menschen bringt Ausmisten vor allem eins: Mehr Platz, um sich wieder neue Dinge zu kaufen! Das ist natürlich nicht der Sinn der Sache. Ausmisten soll vor allem befreiend wirken. Das ist schon immer meine Intuition. Dennoch gibt es auch für mich Grenzen, die bei kleinen Besitztümern gelten, zu denen eine große emotionale Bindung besteht.

"Ein jedes Ding an seinem Ort, erspart viel Zeit und böse Wort"


Ich wär so gerne Millionär... Fotos: Gudrun Schmidl

Allzu oft ist das Gerümpel anderer im Haushalt Anlass für Streitigkeiten. Dennoch sollte man sich hüten, übergriffig die Besitztümer der Mitbewohner zu entsorgen, auch wenn der eigene Aufschrei: "Hier sieht es aus wie in einem Saustall" als Warnung dient. Entrümpeln kann aber eine gemeinsame Aktion für mehr Familienfrieden sein, denn Gerümpel verlangt viel Aufmerksamkeit und versperrt den Blick auf das Wesentliche. Ausmisten schafft neue Freiheit, sich Wichtigerem zuzuwenden. Wer sich jetzt inspiriert fühlt, Schubkästen, die Küchenschränke, den Kleiderschrank, den Dachboden, die Garage oder den Keller auszumisten, sich aber nicht aufraffen kann, sollte sich nicht entmutigen lassen: "Loslassen will gelernt sein". (Gudrun Schmidl) +++


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