Nico Hagemann brach Anfang November zu einer mehrmonatigen Weltreise auf - Fotos: Privat

KENIA Reise-Tagebuch (3)

Eine Weltreise in Corona-Zeiten: Von Sargverkäufern und den Big Five

17.02.21 - Während die meisten Menschen in dieser Zeit ihren Urlaub stornieren und nur noch zum Einkaufen vor die Tür gehen, hat der Jossgründer (Main-Kinzig-Kreis) Nico Hagemann etwas gewagt, was er selbst und wohl auch viele andere als verrückt bezeichnen. Er brach gemeinsam mit seiner Freundin Anfang November zu einer mehrmonatigen Weltreise auf. In unregelmäßigen Abständen schildert er auf OSTHESSEN|NEWS seine Erlebnisse und Eindrücke.

Karibuni! Das ist Swahili für Willkommen und damit sind wir auch schon bei meinem nächsten Reiseziel Kenia, einem unglaublich vielseitigen und wunderschönen Land. Doch um nach Kenia einzureisen, wird ein negativer Corona-Test benötigt. Und dabei ist auch schon die erste Anekdote passiert, von der ich hier erzählen möchte.

In Tansania, aber auch in Kenia, kann man sich vor Leuten, die einem etwas verkaufen möchten, kaum retten. Wenn man vor die Tür geht, wird man, speziell als "Mzungu" (Swahili für weiße Person) spätestens nach einer Minute von einer einheimischen Person angesprochen, ob man nicht ihr Obst, Fußballtrikot, Nüsse, Schuhe, Powerbank, Wohnzimmertisch, Sonnenbrille, gekochte Eier, Zwiebeln oder Scheibenwischer kaufen möchte. Dabei sind die Waren entweder vor ihnen auf der Straße oder dem Bürgersteig ausgebreitet oder befinden sich in einem speziellen Griff, bei dem auch schonmal 20 Flaschen gleichzeitig in den Händen gehalten werden. Man wird angesprochen, egal ob man zügig vorbei läuft, schlendert oder in einem Bus sitzt und an einer Kreuzung warten muss.

Und so wollte uns auf dem Weg zum Krankenhaus, in dem der Rachenabstrich genommen wurde, tatsächlich jemand einen Sarg verkaufen. Ich habe dankend abgelehnt und erwidert, dass ich hoffentlich nicht allzu bald auf das Angebot zurück kommen muss.

Busfahrt über die kenianische Grenze


Nachdem wir die je 50 US-Dollar für den Test via MPesa, ein bargeldloses Bezahlsystem in Ostafrika, bezahlt und unser Corona-Negativ-Zertifikat im Krankenhaus abgeholt hatten, stand der Busfahrt von Arusha im Norden von Tansania nach Nairobi, die Hauptstadt von Kenia, nichts mehr im Wege. An der Grenze wurden wir in einer abenteuerlichen Aktion noch gegen Gelbfieber geimpft und erhielten unser Touristenvisum. Schließlich kamen wir nach circa neun Stunden Fahrt in Nairobi an.

Nairobbery

Auf den ersten Blick wirkt Nairobi wie eine westliche Metropole. Es gibt einige Hochhäuser, schicke Restaurants, Einkaufszentren und teure Hotels. Wenn man allerdings durch Nairobi läuft, wird einem unweigerlich die Armut vor Augen geführt, unter der große Teile der Bevölkerung leiden. Es gibt viele Straßenkinder oder Obdachlose, die Touristen offensiv ansprechen und sich mit einem "Nein" häufig nicht zufrieden geben. Später erfuhren wir außerdem, dass die Stadt von einheimischen in Anlehnung an das englische Wort Robbery, was so viel wie Diebstahl bedeutet, auch "Nairobbery" genannt wird. Und so ist es nahezu unmöglich, eine unbeschwerte Zeit in dieser Metropole zu verbringen.

Weiter nach Mombasa

Daher entschlossen wir uns dazu, nicht mehr Zeit als notwendig in Nairobi zu verbringen und zogen nach drei Tagen mit dem Bus weiter zur zweitgrößten Stadt in Kenia. Mombasa liegt an der Ostküste Kenias und ist bei Touristen in normalen Zeiten aufgrund der traumhaften Strände sehr beliebt. Zurzeit herrscht dort allerdings vielerorts tote Hose, was wir bei unserer Ankunft in einem Backpacker-Hostel in Nyali-Beach im Norden Mombasas so richtig bemerkten. Die Unterkunft bietet in normalen Zeiten Platz für etwa 50-60 Gäste, wir teilten uns den Swimmingpool während unserer Ankunft mit lediglich vier anderen Gästen. So genossen wir zunächst die wunderschöne Nordseite von Mombasa, lernten Windsurfen, besuchten den Nguuni-Park, in dem man mit Giraffen picknicken kann und erkundeten die historische Altstadt von Mombasa, die im 15. Jahrhundert von Arabern und Portugiesen errichtet wurde.

Öffentliche Verkehrsmittel in Kenia

Nach einer Woche im Norden ging es in den Süden nach Diani. Die etwa 50 Kilometer legten wir dabei mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Zunächst mit einem "Matatu", kleinen Busschen, die zehn oder bei Bedarf auch mal mehr Fahrgästen Platz bieten, dabei die Passagiere mit unglaublich lauter Musik beschallen und teilweise waghalsige Fahrmanöver durchführen. Von außen sind diese Busschen immer mit extrem auffälligen Motiven lackiert, dabei reicht die Wahl der Motive von europäischen Fußballern über amerikanische Rapstars bis hin zu biblischen Psalmen. Sie funktionieren in etwa wie Sammeltaxis, das heißt, dass alle paar Minuten wieder angehalten wird, weil jemand aussteigt oder der Beifahrer neue Fahrgäste anwerben will. Die Fahrt dauert dadurch oft quälend lange. Allerdings ist ein Matatu mit etwa 2 Euro für 30 Kilometer fast schon lächerlich günstig. Und das ist noch der "Mzungu-Preis". Zwischendurch mussten wir noch die Likoni-Fähre nehmen, die zu jeder Tageszeit Menschenmassen auf die Halbinsel Mombasa bringt und wieder von ihr runter. Und so fahren auf einer Überfahrt geschätzt 300 Menschen auf einer Fähre.

Auf Vasco da Gamas Spuren

In Diani angekommen richteten wir uns in einem weiteren Hostel für Backpacker ein, was tatsächlich fast ausgebucht war. Dabei lernten wir viele tolle und interessante Menschen kennen, mit einigen schmiedeten wir Pläne für den weiteren Reiseverlauf. Doch dazu beim nächsten Mal mehr. Einer weiteren Woche mit Schnorcheln, Beachvolleyball und Abenden an der Hostelbar folgte ein Viertägiger Aufenthalt in Malindi, was etwa 120 Km nördlich von Mombasa liegt. Wir besuchten Hell's Kitchen, eine Art Mini-Grand-Canyon aus Sandstein, sowie den Mida Creek, eine Bucht, die mit weiten Mangroven-Wäldern gespickt ist und vielleicht am ehesten mit dem Wattenmeer in Deutschland vergleichbar ist. Außerdem wanderten wir auf Vasco da Gamas Spuren, der bei seiner Reise nach Indien 1498 in Malindi vor Anker ging, als er den Seeweg nach Indien entdeckte und dabei als erster Mensch Afrika umsegelte.

Zugfahrt durch die Wildnis

Nach zweieinhalb Wochen hatten wir dann genug vom Strand und beschlossen, noch einmal die Nationalparks Kenias zu besuchen und endlich alle Big 5 zu sehen. Dazu war es leider nötig, wieder zurück nach Nairobi zu kommen, dem Startpunkt fast aller Safaris. Dazu nutzten wir eine der wenigen Zugverbindungen in Kenia, von Mombasa nach Nairobi. Und auf der Zugfahrt konnten wir uns schonmal auf die anstehende Safari einstimmen, aus dem Fenster heraus sahen wir tatsächlich Zebras, Büffel und sogar Elefanten und Giraffen.

Nach einer Nacht in Nairobi ging es in den Süden Kenias zum Masai Mara Park. Und tatsächlich sahen wir direkt am ersten Tag einen Leoparden aus nächster Nähe, als er von seinem Baum kletterte und unbeeindruckt an unserem Auto vorbei lief. Ein weiteres Highlight war die Führung durch ein Dorf der Massai, der wahrscheinlich bekannteste Volksstamm Kenias. Ein Bewohner eines Massai-Dorfes führte uns dabei in den traditionellen Massai-Tanz ein, zeigte uns, wie sie Feuer machen und wie das innere eines Hauses aussieht. Ziemlich dunkel, da die Massai keinen Strom verwenden und nur kleine Fenster in der Wand haben.

Von Nashörnern und Giraffenantilopen

Nach dem Masai Mara Park legten wir eine viertägige Safari-Pause in Kisumu ein, der drittgrößten Stadt Kenias am Lake Victoria. Von da aus ging es an den Lake Nakuru, ein Park der gespickt mit Nashörner und vielen Vögel ist, weiter an den Lake Naivasha, wo wir auf einer Fahrradsafari Zebras und Büffel hautnah erleben konnten, und zum Abschluss in den Norden Kenias in den Samburu Nationalpark, wo es seltsame Tiere wie Antilopen mit langen Giraffenhälsen oder Zebras mit ganz feinen Streifen gibt.

Da Nairobi wie ein Zahnarztbesuch ist, unangenehm, aber man muss immer wieder hin, sind wir nun wieder in der Hauptstadt und treffen die letzten Vorbereitungen für unser nächstes Reiseziel. Doch dazu mehr beim nächsten Mal.  (fh / nh) +++


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