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REGION "Bewusster durch's Leben gehen"

Ausgerechnet jetzt fasten? – Wir sind doch schon eingeschränkt genug!

19.02.21 - 40 Tage ohne Zigaretten, Alkohol, Smartphone oder Schokolade - Am Mittwoch begann für viele Christen die 40-tägige Fastenzeit, die traditionell am Ostersonntag endet. Doch in diesem Jahr trifft uns der Begriff "Fasten" besonders hart: Haben wir in den letzten Monaten nicht schon genug verzichtet? Wie groß ist also bei den Osthessen die Lust, sich in dieser Fastenzeit noch zusätzlich einzuschränken? O|N hat sowohl in der Redaktion, als auch bei der osthessischen Bevölkerung nachgehakt.

Lissy Bartel pflegt seit rund 15 Jahren in den letzten drei Wochen der Fastenzeit das sogenannte "Heilfasten". Diese jahrtausende alte Tradition soll der Reinigung von Körper, Geist und Seele dienen. 21 Tage lang ernährt sich die 47-Jährige lediglich von Wasser, Tee, Gemüsebrühe oder Säften. "In der Zeit des Heilfastens bemerke ich einen unglaublichen Energiegewinn. Ich muss mich nicht dazu zwingen, nichts zu essen, sondern genieße diese Wochen. Man krempelt das eigene Leben auf Frühling um und bemerkt auch psychisch eine deutliche Stimmungsverbesserung." Auch Hendrik Auth aus der O|N Redaktion hat beschlossen, in diesem Jahr auf etwas zu verzichten: "Ich habe noch nie konsequent gefastet. Doch jetzt bin ich entschlossen, 40 Tage auf Fleisch und Süßigkeiten zu verzichten. Das hat den Hintergrund, dass ich mich einmal selbst herausfordern und vor allem sehen möchte, welche Effekte es auf mich hat, sieben Wochen konsequent zu fasten".

"60Sekundenkirche" startet Aktion auf Instagram
Eine besondere Aktion hat sich auch das katholische Team von "60Sekundenkirche" auf Instagram überlegt. Gemeinsam mit ihren Followern wollen sie sich durch die Fastenzeit würfeln. Mit Hilfe einer Bastelanleitung hat jeder die Möglichkeit, an der Aktion teilzunehmen. "Unser Team würfelt einmal die Woche. Auf den Seiten sind beispielsweise Hände, Augen, Mund oder Ohren abgebildet. Je nachdem, was gewürfelt wird, legt man in diesen Tagen dann den Fokus darauf, besonders hinzuhören oder Dinge mehr in den Blick zu nehmen", erzählt Johanna Scheich von "60Sekundenkirche, die anfügt: "Zuletzt wurden beispielsweise die Hände gewürfelt. Statt mir abends eine Serie auf Netflix anzuschauen, habe ich mich entschieden, mal wieder auf dem Keyboard zu üben". Für die Fliedenerin besteht der Mehrwert der Aktion darin, die 40 Tage der Fastenzeit sinnvoll zu nutzen, den Alltag motivierter zu gestalten und sich vor allem auch einmal selbst etwas Gutes zu tun. "Die Aktion trägt dazu bei, bewusster durchs Leben zu gehen und Dinge aus anderen Perspektiven zu betrachten", so Scheich.

"Aus Dankbarkeit heraus fasten"
Professor Dr. Michael Rosenberger, Priester im Bistum Würzburg sieht in der Fastenzeit den Mehrwert, die eigenen Ansprüche zu reduzieren und dadurch mehr Lebendigkeit zu erreichen. "Es bedeutet bewusster zu werden, was einem im Leben alles geschenkt wird, und sich neu auf die Werte hinzuorientieren, die wir im Leben finden können. Dabei soll aus der Dankbarkeit heraus gefastet werden".

Mehr Nachhaltigkeit, Zeit in der Natur und Meditation
Auch in der Region wird also– trotz Einschränkungen durch die Corona Pandemie – gefastet. Schließlich bedeutet Fasten ja nicht automatisch, sich einzuschränken.

Symbolbild pixabay

Hildegard Harengel aus Flieden-Döngesmühle nutzt die 40-tägige Fastenzeit, um bewusster und achtsamer zu sein: "Ich verzichte zwar auch auf Alkohol und Schokolade, doch worum es mir wirklich geht, ist es, sich zu öffnen, feinfühliger zu werden für die Dinge, die um uns herum sind. Wir konsumieren oft achtlos und ohne darüber nachzudenken. Dabei sollten wir uns bewusst werden, dass wir die Dinge selbst in der Hand haben und eigenständig entscheiden können", so die Einrichtungsberaterin, die die kommenden Wochen auch insbesondere zum Meditieren nutzen möchte. "Es ist immer einfacher Ja zu sagen als Nein. Die Fastenzeit kann ein Anlass sein, auch mal in sich selbst aufzuräumen", meint Harengel.

Melissa Heil aus Hauswurz legt ihren Fokus in diesem Jahr auf Nachhaltigkeit: "Ich habe mir vorgenommen, konsequent auf Plastik zu verzichten, vor allem beim Einkaufen. Es wird so viel Plastik verschwendet, was man doch irgendwo einsparen könnte. Das fällt mir auch immer wieder bei meiner Arbeit mit Lebensmitteln auf", so die 21-Jährige, die zurzeit eine Fortbildung zur Konditormeisterin macht.

Sophia Kleinhenz, duale Studentin der Sozialen Arbeit, möchte in diesem Jahr gleich auf zwei Dinge verzichten. Zum einen meidet die 21-Jährige zuckerhaltige Lebensmittel: "Ich habe vor einiger Zeit zu diesem Thema eine Reportage gesehen. Da ist mir bewusst geworden, wie viel – vor allem versteckter Zucker – in unseren Lebensmitteln enthalten ist." Außerdem möchte Kleinhenz ihre Bildschirmzeit reduzieren: "Man verbringt so viel Zeit vor Handy oder Laptop, dabei könnte man diese so viel sinnvoller nutzen. Ich möchte in den kommenden Wochen mehr Zeit in der Natur verbringen und mal wieder ein gutes Buch lesen".

Sieben Wochen zu fasten, bedeutet also nicht zwangsläufig sich einzuschränken – viel mehr sollte man sich darauf fokussieren, die Zeit sinnvoll zu nutzen und das Leben bewusster wahrzunehmen. (Lea Hohmann) +++


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