Der Autor Timon Karl Kaleyta wird für seinen Debütroman „Die Geschichte eines einfachen Mannes“ mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda 2021 ausgezeichnet. - Foto: Christian Werner

FULDA "Die Geschichte eines einfachen Mannes"

Besondere Auszeichnung: Literaturpreis geht an Timon Karl Kaleyta

19.02.21 - Der Literaturpreis der Stadt Fulda geht in diesem Jahr an den in Berlin lebenden Autor Timon Karl Kaleyta. Die mit einem Preisgeld von 10.000 Euro verbundene Auszeichnung würdigt sein Erstlingswerk "Die Geschichte eines einfachen Mannes" als das bedeutendste Romandebüt der Buchsaison 2020/21. Die unabhängige fünfköpfige Jury tagte in diesem Jahr digital, diskutierte engagiert und teilte dann das Ergebnis dem Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld mit. Das Stadtoberhaupt informierte daraufhin den diesjährigen Preisträger telefonisch und überraschte Timon Karl Kaleyta mit dem Votum der Jury. Die Verleihung des Literaturpreises der Stadt Fulda ist im Sommer geplant.

Das Cover des Buches. Cover: Piper-Verla

Aus den Neuerscheinungen der Programme aus dem Herbst 2020 und dem Frühjahr 2021 hatte die Jury ihre Vorauswahl an bemerkenswerten Romandebüts getroffen. Aus dieser wiederum nominierte jedes Jury-Mitglied zwei Favoriten, die dann in der finalen Sitzung zur Diskussion standen. Coronabedingt fanden sich die Mitglieder der Jury diesmal nicht persönlich im Fuldaer Stadtschloss zusammen, sondern trafen ihre Wahl in einer digitalen Konferenz aus dem Homeoffice. Literaturkritikerin Insa Wilke, die Schriftsteller Frank Witzel und Jan Brandt, Autorin Verena Güntner und Literaturkritiker Christoph Schröder entschieden sich bei der Online-Sitzung, die von Silke Hartmann von der Frankfurter Agentur "Kulturperle" organisiert und moderiert wurde, für das Debüt von Timon Karl Kaleyta.

In der Jury-Begründung heißt es, dass der Roman "Die Geschichte eines einfachen Mannes" durch den satirischen Blick auf den Zeitgeist und die gesellschaftlichen Verhältnisse seit dem Ende der Ära Kohl überzeugt: "Die Erzählung von einer heutigen Hans-im-Glück-Figur staffelt Kaleyta ausgehend von popliterarischen Traditionen durch Bezüge in die Tiefe des literarischen Raums: Schelmenroman und expressionistische Hybris spielen ebenso eine Rolle wie die Melancholie Joseph Roths und das Engagement neusachlicher Sozialkritiker. Ein erster Roman, der ohne zynisch zu werden aus den erzählerischen Konventionen der neuen Ernsthaftigkeit ausbricht."

Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld. Archivfoto: O|N

"Wir sind sehr gespannt auf Sie, Ihren Debütroman und Ihre Lesung", sagte Oberbürgermeister Dr. Wingenfeld (CDU) im Telefonat mit Timon Karl Kaleyta, der sich sehr über die Auszeichnung freute und zusagte, den Preis im Sommer persönlich entgegennehmen zu wollen. Ein Termin für die Verleihung, die vermutlich Ende Juni 2021 stattfinden soll, ist in Planung. Dann wird der Autor Kost-proben aus seinem Romandebüt geben, das nach Angaben des Piper-Verlags erst am 6. April 2021 auf den Markt kommt. 

Timon Karl Kaleyta (Jahrgang 1980) wuchs in Bochum auf, studierte in Bochum, Madrid und Düsseldorf Medienwissenschaften, Literatur und Soziologie und gehört zu den Gründern des Instituts für Zeitgenossenschaft IFZ. Mit seiner Band "Susanne Blech", für die er die Songtexte schreibt und als Sänger auf der Bühne steht, hat er bislang vier Alben veröffentlicht und viele Konzerten gespielt. Als Autor arbeitet er unter anderem als Kolumnist für die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" und ist als Drehbuch- und Fernsehautor tätig.

In seinem Roman "Die Geschichte eines einfachen Mannes" geht es um den einzigen Sohn einer Arbeiterfamilie, der sich auf ganz besondere Weise vom Schicksal erwählt fühlt. Erst als Helmut Kohl 1998 die Wahl verliert, beginnt diese Zuversicht zu bröckeln. Wird alles schlechter? Nach dem Abitur macht sich die Hauptfigur euphorisch und besorgt zugleich auf eine Reise nach ganz oben, erlebt beinah mit seiner Band den großen Erfolg, beginnt fast eine steile akademische Karriere und findet ebenso fast in der Liebe sein Glück. Gleichzeitig tänzelt er bei allem ständig am Abgrund. Wird für ihn am Ende alles gut, wie der Erzähler glauben macht? Auf die Antwort muss das Lesepublikum noch eine kleine Weile warten. Aber das steigert die Spannung auf ein Buch, das noch vor seinem offiziellen Veröffentlichungstermin für preiswürdig befunden wurde. Jury-Mitglied Insa Wilke wird bei der Verleihung im Sommer die Laudatio auf den diesjährigen Preisträger halten.

Hintergrund

Der mit 10.000 Euro dotierte Literaturpreis der Stadt Fulda wird seit 2019 jährlich für das beste Prosadebüt der Saison vergeben. Erste Preisträgerin war 2019 Johanna Maxl mit ihrem Roman "Unser großes Album elektrischer Tage". 2020 ging die Auszeichnung zu gleichen Teilen an Nadine Schneider für "Drei Kilometer" und an Olivia Wenzel für "1000 Serpentinen Angst". (pm) +++


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