Cornelia Zuschke bei ihrer Verabschiedung im Stadtschloss 2014 - Fotos: O|N-Archiv

FULDA / DÜSSELDORF Wir gratulieren!

Ex-Stadtbaurätin Cornelia Zuschke wird heute 60 - Wurzeln in Fulda

25.02.21 - Fuldas ehemalige Stadtbaurätin Cornelia Zuschke ist in Fulda nach wie vor präsent - zum Teil in den von ihr initiierten Bauprojekten, zum Teil auch ganz persönlich. Am Donnerstag feiert sie ihren 60. Geburtstag - coronabedingt nur im kleinsten Kreis.

In der DDR geboren, studierte sie nach dem Abitur Architektur an der Universität in Weimar. Im Jahre 1990 kam sie nach Fulda, wo sie zunächst im Stadtbauamt tätig war. Ab 1993 wurde sie Mitarbeiterin der Stadt, unter anderm im Planunsgdezernat. Vom Frühjahr 2000 bis 2014 bekleidete sie das Amt der Stadtbaurätin, wechselte dann nach Darmstadt und schließlich nach Düsseldorf. In der NRW-Landeshauptstadt ist sie Beigeordnete für Planen, Bauen und Liegenschaften.

Liebe Frau Zuschke, unsere Redaktion wünscht Ihnen alles erdenklich Gute zum runden Geburtstag, Glück und Erfolg, aber vor allem Gesundheit! Wie geht es Ihnen denn?

Cornelia Zuschke: "Es geht mir gut, ich bin gesund, habe viel Arbeit und bin froh, dass ich Corona in Deutschland erlebe, wo wir uns den Umständen entsprechend sicher fühlen können, auch wenn es für viele Menschen schwer ist, in wirtschaftlichen Existenzfragen diese schwere Zeit auszuhalten, durchzustehen oder gar zu überstehen. Daran denke ich oft und ich setze meine Kraft ein, da wo ich helfen oder für Erleichterung sorgen kann. Ich fühle mich der Gesellschaft derzeit sehr verbunden, auch wenn die Inzidenzwerte uns real trennen."

Was macht Ihnen an Ihrer Arbeit als Beigeordnete für Planen, Bauen und Liegenschaften in Düsseldorf Spaß, was planen Sie gerade?

Happy birthday, Cornelia Zuschke

"Der Planungs- und Baubranche geht es immer noch viel besser, als vielen anderen und der run auf die großen Städte und die Immobilienentwicklungen scheint noch ungebrochen. Dementsprechend gibt es viel Arbeit, egal, ob viele Menschen im Homeoffice sind oder nicht. Wir beteiligen städtebauliche Entwicklungen und Projekte, auch im großen Format online oder in vielen Gruppen, haben in diese neuen Welten gefunden und erreichen dabei auch neue Menschengruppen, insbesondere auch junge Menschen. Das finde ich bei Stadt- und Mobilitätsplanung wichtig, denn es ist deren Welt von morgen.

2014 Start in Darmstadt mit OB Jochen Partsch

Was mir große Freude macht, ist unser Stadtentwicklungskonzept "Raumwerk D", das ich 2018 im Herbst mit einer stadtweiten und stadtregionsübergreifenden Beteiligung begonnen habe und bei dem wir nun in der Endredaktion sind. Das besondere ist, wir haben die 3 Jahre Generationen verbindend,  fach- und politisch beteiligend und in unzähligen Workshops verschiedene Zeithorizonte für Düsseldorf beplant und verabschieden das Zielbild nun in eine virtuelle Werkstatt für alle, in dem sich jede(r) daran orientieren, bedienen und es anwenden kann, der etwas planen will. Das Raumwerk D ist kein Plan, kein Buch, es ist ein Werkzeug mit Bildern, Teilgutachten, verschiedenen Perspektiven und Einbringungsszenarien für alle Verantwortlichkeiten in der Stadtplanung, welches wie eine Vorabstimmung für alle Projekte funktioniert und wie eine Vereinbarung von Politik und Bürgerschaft, so dass es mehr gemeinsame Sicht und Haltung auf das gibt, was Düsseldorf ausmacht und worauf man bei Projekten Bezug nehmen muss. Alles das hat die planende Verwaltung nah an die Menschen gebracht und das ist mir ein Bedürfnis.

Fotos(2): Walter M. Rammler

Raumwerk D hat in seiner Innovation und Anwendbarkeit mittlerweile in Deutschland und auch international Aufsehen erregt und das macht mich natürlich stolz. Gleichzeitig habe ich im Tandem dazu einen Mobilitätsplan D entwickelt, der vor der Kommunalwahl im September 2020 in seiner groben Zielperspektive beschlossen wurde und nun in den fünf Handlungsfeldern Radverkehr, ÖPNV und Umweltverbund, Stadtlogistik, Fußgänger und bessere Aufenthaltsflächen, Verkehrswendestrategien mit Mobilitätsstationen, sharing mobility und mit Parkraummanagement und P&R bis in die Region bearbeitet wird. Das ist in einer Großstadt, die im Verkehr erstickt, eklatant, denn die Masse an Mobilitätsbedürfnis muss bewältigt und gleichzeitig umorientiert werden, da wir definitiv an der Grenze der Leistungsfähigkeit  sind.

Dann gibt es noch einen Hochhausrahmenplan, der den "Hunger" nach dem In-die-Höhe-bauen stadtadäquat regeln soll und wir erarbeiten gleichzeitig mit IHK und Kreihandwerkerschaft verschiedene Konzepte für die Sicherung von Industrie- und Handwerksflächen inmitten der dicht bebauten Stadt. Mit allen Akteuren der Stadt haben wir einen Quartiersatlas aufgelegt , um in  Beispielquartieren gerechtigkeitsorientiert wirksam zu werden und wir arbeiten an Milieuschutzsatzungen, um dem Davongaloppieren von Mieten und Bodenpreisen entgegenzuwirken. Es sind viele Projekte im Prozess, die wir vorzugsweise durch Qualitätssicherungen und Wettbewerbe beginnen lassen und am meisten Spaß machen mir diejenigen, bei denen wir über Baurechtsschaffung oder Nachverdichtung sogleich einen return to public, also etwas, was der Stadt nützt , herausbekommen und umsetzen.  Das sind Kitas, Schulen, Klimamaßnahmen, öffentliche Flächen oder Grün, alternative Mobilitätsanlagen oder sonstige Infrastruktur.

Mit Ex-Bürgermeister Wolfgang Dippel 2017

Ein Projektreigen, den ich sehr gerne bearbeite und innerhalb dessen es sehr spannende Projektbausteine gibt, wie den Heinrich-Heine-Platz zwischen Altstadt und City mit anliegenden 5,3 km  Straßenumgestaltungen quer durch die Innenstadt oder die Verlängerung der Rheinuferpromenade, die Neugestaltung des Regierungsviertels. Das ist der sogenannte"Blau-Grüne Ring". Er verbindet die Verwaltungsviertel der Stadt und des Landes, Kultureinrichtungen der Kernstadt und City mit den Einkaufs- und Grünräumen und schließt Altstadtquartiere mit City und gesamter Innenstadt über die Rheinfront und den Hofgarten zusammen.

Umzüge ist die ab heute 60-Jährige gewöhnt

Wir hatten in der Beteiligung zu diesem internationalen Wettbewerbsprojekt über 30.000 Anregungen aus der Bürgerschaft, was zeigt, dass das ein Herzensprojekt der Düsseldorfer:innen ist. Was ich auch vorantreiben möchte, ist die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes und der Umbau des in den 30er Jahren gebauten Bahnhofs zusammen mit der Deutschen Bahn - ein Riesenprojekt mit Strahlkraft für die ganze Stadt, ein erster Eindruck, wenn man in Düsseldorf ankommt.

Bei ihrer Wiederwahl im Oktober 2011 in Fulda.

Im März eröffnen wir in der City den Gustav-Gründgens- Platz mit komplett saniertem Schauspielhaus und dem grünen Pyramiden-Gebäude des Stararchitekten Christoph Ingenhoven. Hier treffen echte Hochkaräter der Wirtschaftswundermoderne der 60er Jahre auf die Klimagerechte Stadt und so entsteht in der City ein völlig neues Quartier, neben dem "goldenen Kommerz", für den Düsseldorf mit der guten alten Kö und dem Libeskindbau der Kö II bekannt ist.

Und ich liebe die Arbeit mit den Studierenden der RWTH Aachen, wo ich seit drei Jahren lehre und mit meinen Erfahrungen gleichzeitig jung bleiben darf. Ich könnte weiter schwärmen, erzählen: Es ist eine wunderschöne Arbeit, motivierend in allen Perspektiven, befriedigend in der Rückschau und super anstrengend im Alltag.
 
Was unterscheidet die Menschen in Fulda und der Rhön von den rheinischen Frohnaturen?

Cornelia Zuschke beim Hörtest.

"Die Rheinländer kommen in Scharen zu öffentlichen Veranstaltungen und Foren, man könnte jeden Abend doppelt auf Achse sein. Sie reden mit und das manchmal auch deftig, aber sie umarmen einen auch spontan, wenn man sie herausgefordert oder ausgehalten hat. Es ist ein sehr direkter Umgang und wenn man selber ein sonniges Gemüt hat, befinden sie einen nicht etwa für oberflächlich , sondern als nahbar. Das macht es einerseits sehr vielschichtig und fordert viel Beteiligung und Offenheit, macht es aber andererseits auch wieder sehr einfach.

Nichtsdestotrotz habe ich als geborene Thüringerin die nord-osthessische und insbesondere fuldische Natur in mir und sie klingt vergleichend in vielen Situationen nach, zum Beispiel in Gremiensitzungen, da war es in Fulda immer ganz nah an der Sache und auch nah am Gegenüber. Oder im Karneval, da war es frech, liebevoll und direkt, aber auch wertschätzend, familiär umarmend, man kannte sich in der Stadt. Ich habe meine wichtigsten Freund:innen in Fulda und manchmal auch Sehnsucht. Die Großstadt ist da anders - schnelllebiger und auch ein wenig oberflächlicher im Allgemeinen, obwohl Düsseldorf sich dörfliche Nähe und das "Hallo sagen" auf der Straße erhalten hat. Und wenn wir Menschen uns im vis-á- vis begegnen, dann sind wir überall Menschen.
 
Gibt es etwas aus Ihrer Amtszeit in Fulda, das Sie heute anders machen oder entscheiden würden?

2011 mit Dr. Samir Al-Hami zur Entwicklung im Münsterfeld.

Ich bin mir heute sehr sicher, was man beim Planen und Projekt-entwickeln für Ansprüche haben muss: Qualität, der Stadt zuliebe, Maßstäblichkeit und gesunde Verhältnisse , schöne Quartiere und sehr viel Beteiligung, den Menschen zuliebe und Wertschätzung allen Belangen zuliebe, auch denen des Investment und der wirtschaftlichen und nutzerischen Tragfähigkeit. Aber immer mit der Maßgabe, Werte zu schaffen und nicht einfach zu verwerten und nachhaltige, innovative Neubauten in Verbindung mit substanzbezogenem Erhalt, der Gesamtbilanz der Stadt zuliebe im Verantwortungshorizont der eigenen Tätigkeit.

Mit Menschen zu reden, war mir immer schon wichtig, deshalb habe ich ja auch die Mediationsausbildung in Österreich bald nach meiner 1. Wahl zur Stadtbaurätin gemacht, aber ich weiß heute, dass man früher mit Beteiligung bei Planungen ansetzen muss, als in einem oder gar nach einem Wettbewerb, wie wir das zum Beispiel beim Gemüsemarkt mit der Besetzung des Preisgerichtes auch durch Bürger gemacht haben. Heute würde ich mir vor einer Aufgabenstellung die Geschichte des Ortes vor Ort erzählen lassen und dann gemeinsam entscheiden, was in die Aufgabenstellung kommt. Ich möchte, dass das Gebaute und die "Seele" der Stadt auf einer Wellenlänge sind, dann trägt das Ergebnis schneller und besser und befördert gutes Gemeinschaftsleben in der Stadt. Das Ergebnis allerdings finde ich insgesamt immer noch eine gute Antwort auf Historie und Moderne.

Auch würde ich heute strenger noch auf gestalterische Festsetzungen in Neubaugebieten und im bebauten Kontext achten und mehr Wettbewerbe oder Qualitätssicherungsverfahren anregen. Schauen wir in den Süden, zum Beispiel nach Bayern, erfahren wir, was eine gute gestalterische Qualität und die  Einheit der individuellen Vielfalt ausmacht. Aber mal weg von aller Kritik, ich habe nun den Vergleich zu einer mittleren Großstadt und einer Großstadt und Landeshauptstadt: Fulda hat ein Superniveau hinsichtlich baulicher Qualität der Stadt, Denkmalschutz und Freiräumen. Klein heißt nicht wenig, sondern kann reich an allem sein und das schätze ich an Fulda uneingeschränkt. Ich finde auch, dass wir die städtebaulichen Entwicklungen gut ausdiskutiert und auf das Wohl der Stadt ausgerichtet haben.
 
Wie und wo sehen Sie Ihre Zukunft? Haben Sie ein Lebensmotto?

Ich bin noch lange nicht fertig mit und in meiner Arbeit, sie ist Gegenwart und auch Zukunft - ein wenig mehr Zeit für Familie und Freundschaften wäre nicht schlecht und vielleicht auch für eine ausgewogenerer work-live-balance - ob ich das noch lerne?

Mein Lebensmotto ist mehr denn je, dass die Dinge sich nur mit Liebe regeln lassen. Das meine ich weder sentimental, noch esoterisch oder verklärt, auch nicht in der paar-, familien- oder gruppenbezogenen Ausübung. Sondern eine grundsätzliche Liebe zum Ort, der Arbeit, den Menschen, dem Ganzen lässt uns viel mehr das Richtige tun und dem Gegenüber beweisen, dass wir in jeglichem Handeln zusammengehören. Natürlich erfordert der Alltag, ein Projekt, das Führen vieler Menschen oder gar politische Strategien Kompetenz, Fachlichkeit und Durchsetzungskraft, Klarheit und auch Kampfbereitschaft.  Das ist für mich die Werkzeugebene. Wenn das Grundrauschen aber Liebe ist, dann sind wir irgendwie zur rechten Zeit am rechten Ort und sicher in allem aufgehoben, gleichzeitig dabei immer Teil des Ganzen.
 

50. Geburtstag von Landrat Bernd Woide, hier mit Ex-OB Möller und Ex-Bürgermeister ...

Und vielleicht noch eine persönliche Einschätzung zu Corona – obwohl das ja nicht gerade ein festliches Thema ist. Corona ist eine Zeit, die uns vieles gelehrt hat. Ich will mich auf zwei Aspekte konzentrieren. Städtebau: Wir müssen viel mehr eine gesunde Umwelt bauen, das bedeutet, neue Grundrisse für Arbeiten und Wohnen unter einem Dach, besonders in der Enge der Großstadt ist das wichtig und es muss bezahlbar bleiben. Wir müssen in der dichten Stadt Freiräume belassen und die Stadt der kurzen Weg nicht nur beschreiben, wir müssen sie bauen, das heißt, kurze Wege in neuen umverteilten Straßenzügen, bespielbare Außenräume, viel Grün, den "Waldrand" auch am Quartier. Gewerbe, selbst Industrie, beides im Wandel und Wohnen können mehr zusammenrücken, um den Menschen auch nach Corona Möglichkeiten für ein flexibles Switchen zwischen Arbeit und Homeoffice, auch in unterschiedlichen Familienentwürfen zu geben.  

Die gemischte Stadt ist krisensicherer als die getrennte, künstlich sortierte. Städte werden eine Veränderung erfahren und dabei dürfen wir niemanden zurücklassen. Wir müssen das als eine Chance sehen, jetzt vieles richtiger als in der Vergangenheit zu machen. Corona hat uns alle ins gleiche Boot gesetzt.

Start des Umbaus am Borgiasplatz 2007

Die zweite Seite, wenn Sie schon fragen: Mein Geburtstag. Es wird anders als mein 50ster, den ich mit vielen Menschen feiern durfte und der eines meiner schönsten Feste war. Es wird nun ein leiser Geburtstag, mein Partner ist da, meine Mutter ist geimpft, kann also dabei sein, die Kinder kommen einzeln und ich sitze gelassen in Fulda im Haus am Frauenberg und freue mich hier zu sein und einfach nur zu sein und na ja...es kommen ja auch noch andere Geburtstage. Und ich wünsche mir, dass wir bis dahin solidarisch in der Gesellschaft sind und anstatt überall Schuld und Fehler zu suchen, gemeinsam die Ärmel hochkrempeln, um uns bald wieder in die Arme schließen zu können.

Ach - und danke, dass Sie immer noch an mich denken, herzliche Grüße in die Reaktion und die Stadt." 
Ihre Cornelia Zuschke +++


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