Die Einzelhändler:innen versammelten sich am Samstagvormittag in der Innenstadt. - Alle Fotos: Martin Engel

FULDA Gemeinsame Demo am Samstagvormittag

Einzelhandel sieht rot: "Wenn wir im März nicht öffnen, sind wir nicht mehr da"

28.02.21 - Sie sehen rot und zeigen das auch - rund 100 Teilnehmer fanden sich am Samstagvormittag unterhalb der Fuldaer Stadtpfarrkirche zu einer Demo der Einzelhändler:innen zusammen. Ziel der Versammlung war es erneut auf die existenzbedrohenden Folgen der Corona-Krise hinzuweisen. "Wenn wir im März nicht öffnen dürfen, dann sind wir nicht mehr da", so Initiatorin und Inhaberin von Crea-Time, Marlies Piechotka. 

Rote Aufschriften zieren unzählige Einkaufstüten, man müsse öffnen, sonst würde die Innenstadt zerstört. Die Sorgen der Einzelhändler:innen sind derzeit wohl unzählbar. Seit Monaten müssen ihre Läden geschlossen bleiben. Das nagt an Unternehmen aber auch dem Privatleben. Leidenschaftlich wandte sich daher eine Vielzahl von Redner:innen an die Anwesenden - manch einer war den Tränen nah.

Initiatorin Marlies Piechotka sprach zu den Anwesenden.

Oberbürgermeister zeigt sich solidarisch

Mitarbeiter:innen, die Einzelhändler:innen selbst, ihre Kund:innen und auch Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld zeigten sich solidarisch. "Sie machen die Stadt dazu, wie wir sie kennen - und zwar lebendig und das geht nur mit Einzelhandel, Gastronomie und Kultur", so das Stadtoberhaupt. Er sei dankbar dafür, dass die Einzelhändler:innen Flagge zeigten, denn "die Situation ist schwierig. Hilfen wurden zugesagt und Erwartungen geweckt. Teils sind diese immer noch nicht angekommen. Das frustriert." In seiner Ansprache wandte er sich besonders an die heimischen Landtagsabgeordneten, damit diesen den Missstand auch nach Wiesbaden weitertragen. Zudem sicherte er zu, schon jetzt mit der Stadt an Konzepten für Konzerte und Kulturveranstaltungen zu arbeiten, um die Innenstadt so bald wie möglich wiederzubeleben. Aber auch die Stadtgemeinschaft könne schon jetzt durch telefonische oder online getätigte Käufe bei den lokalen Einzelhändler:innen diese unterstützen. "Sie setzen ein starkes Zeichen. Möge es die Wirkung haben, die es verdient", so Wingenfeld abschließend. 

Alle tragen sie rot und sind in der Krise zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen - die Einzelhändler:innen kämpfen Seite an Seite für ihre Ziele. "Man sagt, Einzelhandel heißt so, weil jeder einzeln handelt - das haben wir nicht nur heute widerlegt", so Stefan Wehner vom Modegeschäft Campo. Dennoch appelliert Marlies Piechotka auch an die anderen Fuldaer Einzelhändler:innen: "Wo sind unsere Kolleg:innen aus der Bahnhofsstraße? Wir müssen doch zusammenstehen - wir sitzen im selben Boot." 

Vladminir Karliczek kam extra aus Wiesbaden zur Demo.

"Einzelhändler:innen haben auch ein privates Leben"

Die Hilfen bleiben aus und wenn sie da sind, sind die Probleme nicht gleich gelöst. Mediator Vladimir Karliczek findet dazu klare Worte: "Jeder Einzelhändler:in hat auch ein privates Leben, das er zu bestreiten hat. Für diese Kosten sind keine Hilfen des Staates vorgesehen. Im Augenblick gehen all diese Menschen an ihre Reserven und Altersvorsorge. Was sollen sie später einmal machen? Auf Hilfen warten zu müssen, die für November vorgesehen waren, Montag ist der erste März - wie soll sich das anfühlen?" Jungunternehmerin Nicola Drüschler von der Boutique Nicolissima appellierte, dass die jüngere Generation sich zwar aktuell vielleicht weniger Sorgen um die Altersvorsorge mache, aber nie die Zeit hatte, diese Reserven überhaupt anzulegen: "Wir schließen abends nicht die Ladentür und bringen die Goldbarren zur Bank, wie soll man da überleben?" 

Für Stefan Wehner lobte den Zusammenhalt der Einzelhändler:innen.

Auch Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld zeigte sich solidarisch.

"Neues Hobby Lebensmitteleinkauf"

Die Verzweiflung und das Entsetzen über die aktuellen Beschränkungen sind groß. Vor allem die Tatsache, dass der Lebensmittelhandel, Drogerien und weitere Branchen geöffnet haben dürfen, aber der Einzelhandel nicht, macht die Betroffenen wütend. "Lebensmittelgeschäfte und Co sind voll mit Menschen und verkaufen teilweise sogar die gleichen Produkte wie wir. Fragt man Kassierer:innen erzählen sie, dass Leute einen Apfel kaufen und zwei Stunden später wieder kommen, um etwas anderes zu besorgen - sie wollen Menschen sehen. In unseren Läden könnten wir die Hygienemaßnahmen einhalten und den Fuldaer:innen genau das bieten."

Oberbürgermeisterkandidat Jonathan Wulff kam zur Versammlung.

Sybille Herbert (FDP)

Elke Diegelmann (CWE)

Ein kleiner Hoffnungsschimmer am Horizont ist das System "Click and Meet". Demnach soll es Kund:innen möglich sein, sich im Laden einzubuchen und dort alleine einzukaufen. Ministerpräsident Volker Bouffier zeigte sich hiervon bereits begeistert, dennoch wurde bisher nichts dergleichen beschlossen. "Vorschläge bringen nichts, wenn sie nicht umgesetzt werden", so Marlies Piechotka. Sie und die anderen Einzelhändler:innen hoffen, dass in der kommenden Woche neue Öffnungsmöglichkeiten für ihre Branche beschlossen werden. (Michelle Kedmenec) +++

"Wir wollen nur arbeiten"

Michael Grosch, FDP-Fraktionsvorsitzender

Tüten zieren die Hilferufe der Unternehmer:innen.

Landtagsabgeordneter Thomas Hering.

Das Ordnungsamt und die Einzelhändler:innen sorgten für eine Corona-konforme Durchführung. ...

Dr. Herbert Büttner (FDP)

Patricia Fehrmann, CDU-Fraktionsvorsitzende

Nicola Drüschler - Inhaberin der Boutique Nicolissima.

Auch Kund:innen kamen zu Wort.

Volker Elm

Der Oberbürgermeister dankte für dieses starke Zeichen.

Fulda sieht rot - gemeinsam mit den Einzelhändler:innen.


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