Sollte man sich als Schwangere impfen lassen? - Symbolfoto: Pixabay

REGION Gegen das Coronavirus

Was Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch über die Impfung wissen sollten

Adrian Böhm (31) stammt aus Eichenzell bei Fulda und wohnt in Mainz. Er ist als Arzt in der Notfallaufnahme der Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden tätig. Böhm steht der Redaktion von OSTHESSEN|NEWS in medizinischen Sachfragen und Einschätzungen zur Seite.

01.03.21 - Viele junge Frauen mit Kinderwunsch oder bereits Schwangere stellen sich die Frage, ob sie sich gegen das Coronavirus impfen lassen sollen oder nicht. Kann die Corona-Impfung unfruchtbar machen? Sind Schwangere durch das Coronavirus besonders gefährdet? OSTHESSEN|NEWS-Arzt Adrian Böhm beantwortet die wichtigsten Fragen.

In groß angelegten Studien konnte man feststellen, dass bei schwangeren Frauen und Wöchnerinnen, die mit SARS-CoV2 infiziert waren, seltener allgemeine Symptome wie Husten oder Fieber auftraten. Leider hatten sie jedoch häufiger einen schweren Verlauf oder verstarben sogar an Covid-19. Dieser Effekt wurde bei Frauen über 35 Jahren oder mit Vorerkrankungen wie einem Bluthochdruck noch verstärkt beobachtet. Außerdem stieg die Rate an Frühgeburten bei Schwangeren mit Covid-19 und die Rate an Komplikationen während der Schwangerschaft deutlich an. Die Übertragung auf das Neugeborene war selten. Aktuell gibt es keine Hinweise auf nachteilige Effekte auf eine Schwangerschaft durch eine Impfung gegen SARS-CoV2.

O|N-Arzt Adrian Böhm Archivfotos: O|N

In vielen anderen Ländern werden Schwangere und Frauen im gebärfähigen Alter bereits geimpft. Auch auf die Fruchtbarkeit hat die Impfung nach aktuellen Studien keine Auswirkungen. Die mRNA, die verimpft wird, bleibt hauptsächlich im Muskel der Injektionsstelle und ist im Mittelwert für ca. 72 Stunden nachweisbar. Der Körper ist nicht in der Lage die mRNA in das eigene Erbgut einzubauen. Daher wird das eigene Genom weder durch eine Impfung, noch durch eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus verändert. 

1. Sollte man sich als Frau mit Kinderwunsch impfen lassen?

Es gibt aktuell keinerlei Hinweise, dass eine Impfung die Fruchtbarkeit negativ beeinflusst. Gleichzeitig haben Schwangere, die an Covid-19 erkranken die oben genannten Risiken inne, wie zum Beispiel Bluthochdruck. Somit gilt die Empfehlung: Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich impfen lassen. Im Zweifel oder bei Fragen sollten sich betroffene Frauen an Ihren Frauenarzt wenden.

2. Sollte man sich während der Schwangerschaft impfen lassen?

Eine generelle Impfempfehlung wird von der STIKO aktuell für Schwangere Frauen noch nicht ausgesprochen. Betroffene Frauen sollten sich hier eng mit ihrer behandelnden Frauenärztin absprechen und diesbezüglich beraten lassen.

3. Wie lange sollte man nach Impfung mit den Versuchen schwanger zu werden warten?

Nach einer durchgeführten Impfung gegen das neuartige Coronavirus muss man keine Pause in der Kinderwunschplanung einlegen. Eine Verhütung ist somit bei Kinderwunsch nach der Impfung nicht mehr empfohlen.

Wie wirkt sich die Impfung auf die Fruchtbarkeit aus?

4. Wann sind Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch bei der Impfung an der Reihe?

Die Gruppe der werdenden Mütter in Deutschland ist sehr heterogen. Geht man rein nach dem Alter, so sind sie recht spät mit der Impfung an der Reihe. Viele junge Frauen arbeiten jedoch im Gesundheitswesen, bei Polizei und Feuerwehren oder zum Beispiel als Lehrerinnen oder Erzieherinnen. Auch sollte man nicht vergessen, dass viele junge Frauen durch Vorerkrankungen zu einer Risikogruppe gehören. Somit kann man in jeder Priorisierungsgruppe Frauen im gebärfähigen Alter finden.

Ist man sich unsicher zu welcher Gruppe man gehört, ist das Gesundheitsamt der richtige Ansprechpartner.

5. Kann man sich während der Stillzeit impfen lassen?

Auch hier gilt wieder: Man hat keine negativen Effekte gesehen. Sogar ein passiver Schutz für das Kind kann angenommen werden. Trotzdem sollte man vorher den behandelnden Frauenarzt befragen und sich eng mit ihm abstimmen.

6. Wird der Impfschutz beim Stillen auf das Kind übertragen?

Man konnte in noch nicht veröffentlichten Studien Antikörper gegen das neuartige Coronavirus bei Säuglingen stillender, geimpfter Mütter nachweisen. Somit kann man davon ausgehen, dass stillende Mütter den Impfschutz zumindest teilweise an das Kind weitergeben und zu einer passiven Immunisierung beitragen.

7. Was ist mit meinem Partner, falls ich Bedenken habe mich impfen zu lassen?

Eine Schwangere kann insgesamt zwei enge Kontaktpersonen angeben. Diese werden dann in der Impfreihenfolge in eine höhere Priorisierungsgruppe eingestuft und können somit früher geimpft werden.

8. Wie sieht es während einer Kinderwunschbehandlung aus?

Der Behandlungsbeginn einer Kinderwunschtherapie sollte auf einige Tage nach der zweiten Impfung verschoben werden. Auch bei der Kinderwunschbehandlung hat man zu wenige Daten, um allgemeingültige Aussagen zu treffen. Daher gilt auch hier, dass man sich eng mit seiner behandelnden Ärztin abstimmen sollte. (Adrian Böhm) +++


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