Es drohen dramatische Folgen mit zahlreichen Betriebsschließungen - auch in der Gemeinde Poppenhausen. - Foto: Gemeinde Poppenhausen

POPPENHAUSEN (WAKU) Klare Worte von Bürgermeister Helfrich

Begründete Existenzängste: "Branche wird gegen die Wand gefahren"

25.03.21 - Die Auswirkungen der Corona-Pandemie und die damit verbundenen Schließungen der Gastronomie und der Beherbergungsbetriebe für Erholungssuchende sowie das Ausübungsverbot für Dienstleister der Tourismusbranche setzen der Tourismus-Wirtschaft seit einem Jahr mächtig zu und wurden mit Beschluss von Dienstag erneut verlängert. Es drohen dramatische Folgen mit zahlreichen Betriebsschließungen.

Der Bürgermeister von Poppenhausen, Manfred Helfrich (CDU), hat dazu eine Stellungnahme an die Presse verschickt, die wir im Wortlaut veröffentlichen:

Bürgermeister von Poppenhausen: Manfred Helfrich. Archivfotos: O|N

"Wir in der prosperierenden Tourismusgemeinde Poppenhausen (Wasserkuppe) registrieren hier werden normalerweise ca. 110.000 Übernachtungen im Jahr. Bei uns und in den umliegenden Gemeinden ist der Tourismus ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, der zudem dafür sorgt, dass die örtliche Infrastruktur gesichert und weiterentwickelt wird. Das Rhöner Mittelgebirge mit den drei Hausbergen Wasserkuppe, Pferdskopf, Milseburg u.a. liegt mitten im Biosphärenreservat Rhön, im sogenannten "Land der offenen Fernen".

Je länger der Lockdown dauert, umso schwieriger wird die Lage, die gesamte Branche samt dem davon abhängigen Gewerbe steht mit dem Rücken an der Wand. Die Leidensfähigkeit der Menschen, deren Verständnis für die Einschränkungen sowie Geduld auf hoffnungsvolle Zeiten schwindet zusehends. Die Menschen werden aggressiver, wie dies auch bei den am vergangenen Wochenende veranstalteten Demonstrationen gegen die Corona-Einschränkungen in Kassel zu sehen war.

Dabei führt verständlicherweise folgende Tatsache zu Missmut:

Die Deutschen fliegen nach Mallorca in den Urlaub, im eigenen Land können sie derzeit bis auf Weiteres leider keinen Urlaub verbringen?

Leider haben die Inzidenzzahlen wieder eine Höhe erreicht, die sehr besorgniserregend ist. Hier im Landkreis Fulda beträgt der Wert über 150, nachdem er vor wenigen Wochen auf fast 50 gesunken war. Aber wer will in der Pandemie schon mit 300 Urlaubsreisenden Schulter an Schulter im Flieger sitzen? Da hat man kein gutes Gefühl. Ich meine: "Tourismus und Gastronomie sind nicht die Verantwortlichen der Ausbreitung der Pandemie!" Meines Wissens wurden in diesen Wirtschaftsbereichen funktionierende Hygienekonzepte erarbeitet und verlässlich angewendet.

Was spricht dagegen, dass Ferienwohnungen, Ferienhäuser und Wohnmobilstellplätze von erholungssuchenden Urlaubern belegt und genutzt werden? Dort hält sich jeder in seinem Bereich auf, hat nur mit der eigenen Familie Kontakt und nicht mit Fremden. Die Infektions- bzw. Ansteckungsgefahr ist dort m.E. nicht höher als Zuhause.

Mit Rucksackverpflegung, die man sich vor Ort besorgt, kann man zu herrlichen Wanderungen in der Rhön, im Land der offenen Fernen, aufbrechen und sich in der gepflegten Kururlandschaft erholen.

Weiterhin bin ich der Auffassung, dass Restaurants bis ca. 22 Uhr öffnen könnten, um die Gäste zu versorgen und ihre Leistungen anzubieten. Die Gastwirte haben funktionsfähige Hygienekonzepte entwickelt und bieten zur Abstand-Haltung nur etwa die Hälfte ihrer Tischplätze an. Was spricht dagegen, dass die Einheimische und Gäste in Restaurants ein Essen einnehmen und Getränke zu sich nehmen. Da kann  man auch mal ein Glas Wein oder Bier trinken.

Anders sind in diesem Zusammenhang derzeit noch die Bars und Bierkneipen zu beurteilen. Die Menschen sehnen sich wieder nach mehr Freiheit und Lebensqualität, ohne dass sie für andere eine Gefahr darstellen wollen.

Es ist nicht zu verstehen und nicht akzeptabel, dass man die Branche voll gegen die Wand fahren lässt. Die finanzielle Unterstützung des Staates durch Ausgleichszahlungen, die Möglichkeit der Kurzarbeit sowie die Aussetzung der Verpflichtung der Insolvenzanmeldung sind zwar wichtige Bausteine zur Unterstützung der Tourismus-Wirtschaft, doch mit Zeitablauf suchen sich immer mehr Beschäftigte dieser Branche einen neuen Arbeitsplatz. Zahlreiche Kräfte gehen so für immer verloren. Wer soll die Arbeit dann machen, wenn irgendwann die Gastronomie und Beherbergungsgewerbe wieder öffnen?

Verzweiflung und Existenzängste nehmen im Gastgewerbe dramatisch zu. Viele Betriebe sehen sich in großen Schwierigkeiten. Dabei muss man unterscheiden zwischen den nebenberuflichen Tourismusanbietern, die sich etwas dazuverdienen und denen, die mit dem Tourismus ihren Lebensunterhalt bestreiten, Beschäftigte bezahlen müssen und Investitionen abtragen müssen. Untersuchungen ergaben, dass jedes vierte Tourismusunternehmen erwägen würde, aufzugeben.

Die Verantwortlichen der Politik, das Corona-Kabinett, sollten zügig eine Aussicht auf Öffnung geben, sonst werden Folgen mit Schäden riskiert, die nicht mehr reparabel sind." (pm) +++


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