Wehrführer Carsten Schmidt tut in einem Kommentar seinen Unmut über die Impfpolitik kund: "Wir hätten gerne Impfschutz." - Archivfoto: O|N / Julius Böhm

ALSFELD Im Ernstfall droht Ausfall aller Retter

Freiwillige Feuerwehr Alsfeld: "Wir hätten gerne Impfschutz!"

12.04.21 - Das Thema Impfen beschäftigt die Menschen in Osthessen täglich. Denn immer noch fehlt es in der Bundesrepublik an Impfstoff - und viele warten auf den ersehnten Pieks. So auch die Kameraden der Feuerwehr Alsfeld. Wehrführer Carsten Schmidt tut in einem Kommentar seinen Unmut über die Impfpolitik kund: "Wir hätten gerne Impfschutz." Doch mit Priorisierungsgruppe 3 kann das noch dauern. 

"Rund 50 Mal rückten die Ehrenamtlichen aus dem Alsfelder Feuerwehrhaus in diesem Jahr schon aus. In den letzten zehn Einsätzen waren es drei Verkehrsunfälle und zwei Unterstützungen des Rettungsdienstes. Hier arbeitet man Hand in Hand mit hauptberuflichen Rettern. Polizei, Rettungsdienst, Rettungshubschrauberbesatzungen - alle schon geimpft. Die Feuerwehren warten. Immer noch", beginnt der Wehrführer. Denn die Retter der Freiwilligen Feuerwehr sind erst in der Impfgruppe 3 an der Reihe. "Wann das sein soll, kann niemand beantworten."

Abstand zum Unfallopfer einhalten? Unmöglich!

Die Feuerwehr Alsfeld-Mitte bei einer der wenigen praktischen Übungen in 2020 bei ...Foto: Feuerwehr Alsfeld

Und gerade bei Feuerwehreinsätzen kann der Abstand zu anderen Personen nicht eingehalten werden. "Bei Verkehrsunfällen krabbelt ein Feuerwehrmann/frau ins Unfallfrack. Der innere Retter. Er beruhigt den Verunfallten, erklärt, was passiert, assistiert noch dem Rettungsdienst." Die Unterstützung des Rettungsdienstes ist zu einem festen Bestandteil der Feuerwehrarbeit geworden. Egal ob eine "hilflose Person hinter der Tür" oder die Tragehilfe mit der Drehleiter - Abstand in einem knapp zwei Meter langen und 1,2 Meter breiten Korb zu halten, ist unmöglich. 

"Feuerwehrleute klagen selten. Sie packen an. Dafür sind sie bekannt. Unfälle, Katastrophen - immer kommt zuerst die Feuerwehr. Viele haben als stillen Protest ihre "Social Media Accounts" mit Hinweisen auf den mangelnden Impfschutz versehen. Landesfeuerwehrverbände trommeln und weisen auf den Missstand hin. Passiert ist bisher wenig. Impfgruppe 3 bleibt, da wäre man ja schon priorisiert. Im Kreis Olpe und im Hochsauerland werden die Feuerwehren mit Impfresten geimpft. Schon heute bleiben Feuerwehrleute Einsätzen fern, weil sie die Gefahr einer Ansteckung im Einsatz scheuen", schreibt Schmidt und kritisiert die fehlende Lobby an der richtigen Stelle. Denn man sei wohl der Meinung, die Feuerwehren seien gut ausgebildet und können sich selbst schützen. 

Archivfotos: O|N / Luisa Diegel

Veränderungen bei der Feuerwehr

Die Kritik der Feuerwehr Alsfeld geht in keinster Weise an die Stadt Alsfeld: "Das, was die Stadt für ihre Retter tun kann, um sie zu schützen, ist schon lange passiert. Hier kann man sich aufeinander verlassen, schon immer. Viel hat sich geändert in der Feuerwehr. Die Fahrzeuge sind nicht mehr voll besetzt, um Abstand zu halten, FFP2-Masken werden zur Verfügung gestellt, richtiges Verhalten wird geschult, viel mehr geht nicht. Immer wieder werden Maßnahmen angepasst und die Feuerwehrmitglieder über Newsletter informiert."

Eine weitere Frage stellt sich Schmidt: "Die Feuerwehr darf immer üben, auch während des härtesten Lockdowns. Warum übt sie nicht?" Denn die wichtigsten Übungen finden seit Monaten nicht mehr statt - nur noch online. Die meisten Kommunen haben sie ausgesetzt, auch wenn sie von Landeseite nie verboten waren. Die meisten Führungskräfte in Alsfeld haben zwei oder vierwöchige Vollzeit Lehrgänge im Bereich der atomar-biologischen-chemischen Gefahren besucht.

"Sie wissen um die Gefahr von Viren. Sie schützen sich um andere noch retten zu können. Manchmal werden Sie belächelt von Kollegen am Arbeitsplatz. Viele Einsatzkräfte lassen sich testen, freiwillig, mehrmals die Woche. Übrigens, der meistgebrauchte Helm bei der Feuerwehr ist aus Alu, sagt aber nichts über die Impfbereitschaft aus", so Wehrführer Schmidt abschließend. (Luisa Diegel) +++


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