Homeschooling entpuppt sich als Stresstest für Kinder und deren Eltern. - Symbolbilder: Pixabay

REGION Ein Erfahrungsbericht

Wie Kinder und Eltern verzweifeln: Homeschooling als Stresstest

29.04.21 - Die Corona-Pandemie entpuppt sich als Stresstest. Und Homeschooling bringt vor allem Eltern mehrerer Kinder an ihre Grenzen und lässt deren Sprösslinge verzweifeln. Ein vierfacher Familienvater aus dem Landkreis Fulda berichtet, welchen Kraftakt seine Kinder, seine Frau und er täglich zu stemmen haben:

"Wir wohnen in einem kleinen Haus mit Garten zur Miete. Wir sind eine sechsköpfige Familie – meine Frau, vier Kinder im Alter von elf bis 17 Jahren und ich. Meine Frau und ich sind beide berufstätig, was logisch erscheint, wenn man ein Haus und vier Kinder ‚unterhalten‘ muss. Diese vier Kinder haben in unterschiedlicher Form Homeschooling. Und jetzt wird es interessant.

Das Kreuz mit der Software


"Es ist zum Verzweifeln", berichtet ein vierfacher Familienvater aus dem Landkreis ...

Unsere vier Kinder haben insgesamt 21 verschiedene Lehrer – das ist noch nicht das Problem, aber diesen 21 Lehrern ist es freigestellt, mit welchem Medium sie Homeschooling machen möchten. Wir kennen sie unterdessen alle: FaceTime. Hangouts. Skype. Webex. Whatsapp. Zoom. Schoolfox. MS-Teams. Anton.

Nicht nur, dass wir gewährleisten müssen, dass alle Kinder einen Internet-Zugang und das dazugehörige Endgerät haben; da sie ja gleichzeitig online gehen müssen, brauchen sie natürlich auch die dementsprechende Bandbreite, um vier Videokonferenzen gleichzeitig durchführen zu können. Am Wochenende installiert meine Frau neue Kommunikations-Programme, damit am Montag alles läuft (mehr oder weniger). Auch Hausaufgaben erreichen uns über unzählige digitale Wege. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass man für jede einzelne Unterrichtsstunde auch spezielle Zugangsdaten für die einzelnen Videokonferenzen benötigt.

Tränen der Verzweiflung


Eltern und Kinder sind am Limit.

Da die Kinder morgens allein zuhause sind, wird das zu einem Kraftakt. Da so häufig Probleme auftreten, sind die Kinder gezwungen, uns an der Arbeit anzurufen, um Hilfestellung in Sachen IT zu bekommen. Aber auch die Lehrer haben ihre Probleme, und so kommen Hausaufgaben oder Videokonferenzeinladungen für ganz andere Klassen bei uns an. Wenn man es gleich merkt, ist es nicht so schlimm, aber wenn ein Elfjähriger die Hausaufgaben der neunten Klasse bekommt, führt das zu Tränen und Verzweiflung. Wenn Kinder etwas schüchtern sind, ist das eigentlich nicht schlimm, jedoch wer sich online nicht an der Kommunikation beteiligt, bekommt schnell eine Vier oder Fünf in Mitarbeit (so geschehen).

Meine größte Sorge ist, dass ich Kinder unbeaufsichtigt im Internet surfen lassen muss. Sie alle wissen, was dabei herauskommt, wenn Sie zum Beispiel für Erdkunde- oder Biologie-Hausaufgaben Begriffe, wie Gletscherspalte oder Stute, googeln müssen. Ich bin nicht weltfremd und weiß, dass es auch für solche Fälle Schutzprogramme gibt. Jedoch muss ich auch irgendwann arbeiten, um das alles finanziell zu ermöglichen.

Fühlen uns allein gelassen


Das Homeschooling läuft in vielen Familien weiter schleppend.

Ich habe einen guten Job und verdiene nicht wenig, aber ich frage mich immer wieder: ‚Wie um Gottes willen soll das eine oder eine alleinerziehende Person schaffen, die vielleicht noch in einer Drei-Zimmer-Wohnung ohne Balkon in einem Hochhaus wohnt?! Wir sind technisch eher gut ausgestattet: So haben wir beispielsweise zwei Laser-Farbdrucker im Haus; jedoch benötige ich für die vier Kinder rund 500 Blätter Papier im Monat nur zum Ausdrucken der Hausaufgaben, von den teuren Tonern wollen wir gar nicht reden.

Meine Frau und ich fühlen uns alleingelassen und zum Teil auch ein bisschen verarscht von Staat und Schule. Ich bin kein Lehrer und dennoch werde ich in den Beruf gezwungen, wenn ich meine Kinder vor einem Bildungsschaden oder schlechten Noten schützen will. Kein anderer Berufszweig macht es sich in der Pandemie so einfach!

Stellen Sie sich einfach mal vor: Die Müllabfuhr kommt ja auch nicht plötzlich, klingelt bei mir und sagt: ‚So! Also wir haben hier ein Problem, aus irgendeinem Grund können wir grad den Müll nicht mehr abfahren. Frau X würden Sie sich bitte mal kurz an den Lkw hängen und das regeln?‘ So beschwert sich eine Mutter von drei Kindern im Internet. Es ist einfach keine Ausnahmesituation mehr, es ist Corona- Alltag: Und nach mehr als einem Jahr Pandemie bin ich mit den schulischen Fortschritten von Staat und Land mehr als nur unzufrieden." (sh) +++


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