Alle 22 Minuten fand im vergangenen Jahr eine Beratung dazu statt. Das ist ein zentrales Ergebnis des Jahresberichts 2020 des Hilfetelefons, der am Montag veröffentlicht wurde. - Symbolbild: Pixabay

REGION Deutlicher Anstieg der Beratungen

Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" wird in Krisenzeiten zum Rettungsanker

11.05.21 - Das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist eine wichtige erste Anlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen, gerade in Zeiten von Corona. Rund um die Uhr sind die Beraterinnen des Hilfetelefons erreichbar. Im Jahr 2020 führten sie 51.407 Beratungen – das entspricht einem Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Dabei nahmen die Anfragen zu häuslicher Gewalt überproportional zu: Alle 22 Minuten fand im vergangenen Jahr eine Beratung dazu statt. Das ist ein zentrales Ergebnis des Jahresberichts 2020 des Hilfetelefons, der am Montag veröffentlicht wurde.

Gespräche werden intensiver

Bundesfrauenministerin Franziska Giffey: "Das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" ist für viele Frauen zum Rettungsanker geworden. Jedes Jahr steigt die Bekanntheit und steigen somit auch die Beratungszahlen. Trotz der aktuell besonders schweren Bedingungen haben wir alles unternommen, um den Betrieb des Hilfetelefons auch in der Pandemie aufrechtzuerhalten. Ich danke den Beraterinnen sehr für ihre wichtige Arbeit, ihren Einsatz und ihre Ausdauer in dieser anspruchsvollen Zeit. Auffällig ist, dass die Gespräche im letzten Jahr intensiver geworden sind. Dies bestätigt die große Bedeutung des Hilfetelefons. Die hohe Zahl an Beratungen macht deutlich, wie groß der Hilfebedarf ist, wenngleich wir von einem noch größeren Dunkelfeld bei Gewalttaten gegen Frauen ausgehen müssen. Unser Ziel ist es, die Angebote für Frauen in Not zu erweitern, deutschlandweit auf das Ausmaß von Gewalt gegen Frauen aufmerksam zu machen und Menschen im Umfeld zum Handeln zu ermutigen."

Edith Kürten, Präsidentin des Bundesamts für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben, bei dem das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" angesiedelt ist: "Wir sind froh, dass wir das Beratungsangebot das ganze Jahr über in gewohntem Umfang gemäß unserem gesetzlichen Auftrag aufrechterhalten konnten. So konnten wir betroffenen Frauen auch in dieser schwierigen Zeit zur Seite stehen. Trotz aller Herausforderungen hat die Pandemie auch eine positive Auswirkung. Gewalt gegen Frauen ist im Zuge des Lockdowns noch stärker in den öffentlichen Fokus gerückt. Mit dem Ergebnis, dass zahlreiche Menschen, Organisationen, Kommunen und Unternehmen die Bekanntmachung des Angebotes im vergangenen Jahr tatkräftig unterstützt haben."

Erste Anlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen

Petra Söchting, die Leiterin des Hilfetelefons "Gewalt gegen Frauen": "In der Corona-Krise hat sich einmal mehr gezeigt, wie wichtig unser Beratungsangebot mit seiner verlässlichen Erreichbarkeit als erste Anlaufstelle für gewaltbetroffene Frauen ist. Unter den speziellen Rahmenbedingungen der Pandemie hat das Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" seine Lotsenfunktion ins Hilfesystem jedoch nur eingeschränkt wahrnehmen können, da höhere Hürden bei der Nutzung örtlicher Hilfsangebote bestanden: Einrichtungen des Unterstützungssystems für gewaltbetroffene Frauen waren schwerer erreichbar bzw. standen nur eingeschränkt zur Verfügung. Ratsuchende wandten sich mit ihrem Anliegen mitunter wiederholt an die Beraterinnen des Hilfetelefons."

Mit dem Corona-bedingten Lockdown sind die Beratungskontakte des Hilfetelefons ab Ende März 2020 deutlich angestiegen und seitdem auf einem hohen Niveau geblieben. Die Gespräche mit den Beraterinnen fanden um 20 Prozent häufiger zum Thema häusliche Gewalt statt. Akute Krisen und Verletzungen in konkreten Gefährdungssituationen mehrten sich, sodass die Beratungen zeitintensiver waren und in vielen Fällen sofortige Hilfe über die Polizei oder Rettungskräfte organisiert werden musste.

Um 21 Prozent stieg auch die Anzahl von Menschen aus dem sozialen Umfeld betroffener Frauen, die Rat und Unterstützung beim Hilfetelefon suchten. Viele berichteten, dass sie seit dem Lockdown durch die Pandemie mehr Zeit zuhause verbringen und dadurch häufiger Zeugen bzw. Zeuginnen von Gewaltausbrüchen in der Nachbarschaft werden.

Die Nachfrage an fremdsprachlicher Beratung stieg um 25 Prozent, was eine schwierigere Situation von Frauen mit Migrationserfahrung in der Pandemie vermuten lässt. Die Beratungen per E-Mail oder Chat stiegen um 15 Prozent. (pm) +++


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