Probenbeginn zu dem 70. Bad Hersfelder Festspielen mit (von links) Musical-Darstellerin Abla Alaoui, Intendant Joern Hinkel, Schauspieler Götz Schubert und Musical-Darsteller Philipp Büttner - Fotos: Carina Jirsch

BAD HERSFELD "Würden uns am liebsten in den Armen liegen"

Probenbeginn: Festspiele hoffen auf Signalwirkung für die Kulturbranche

15.05.21 - Auf der Bühne der Bad Hersfelder Stiftsruine gaben sich am Freitag den ganzen Tag über die Journalisten die Klinke in die Hand. Die wichtigsten Medien aus Osthessen waren eingeladen, alle großen Fernsehanstalten, aber auch die Deutsche Presseagentur oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Botschaft lautete: Die Probenarbeit zu den 70. Bad Hersfelder Festspielen haben begonnen. Nach einem Jahr Zwangspause nimmt man in der Lullus-Stadt den Betrieb wieder auf und erhofft sich damit auch eine Signalwirkung für die gesamte Kulturbranche bundesweit.

Intendant Joern Hinkel

Abla Alaoui und Philipp Büttner (rechts) im Gespräch mit O|N-Redakteur Matthias ...

"Wo findet man in Deutschland noch so eine großartige Kulisse?"

"Ich habe noch mehr Herzklopfen als sonst", gesteht Intendant Joern Hinkel im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS. "Man würde sich am liebsten vor Freude in den Armen liegen, aber das geht ja gerade leider nicht." Eine Vielzahl von Corona-Maßnahmen seien für die Proben eingeplant. "Die einzelnen Produktionen werden zur Sicherheit aller Mitwirkenden auf und hinter der Bühne voneinander getrennt, um den Kontakt untereinander zu minimieren. Jedes Stück hat eine eigene Probenhalle, eigene Kostüm- und Maskenräume. Wir werden die Beschäftigten zunächst alle drei Tage testen; sobald wir auf die große Bühne in der Stiftsruine gehen, gibt es ein tägliches Testangebot. Eine ärztliche Betreuung ist jederzeit gewährleistet."

Abstandsregeln auch im Zuschauerraum. "Wir haben die Stuhlreihen großzügiger angeordnet und werden die Sitzplätze zunächst paarweise im Schachbrettmuster anbieten, um sichere Abstände zu gewährleisten", so der Festspielleiter. Normalerweise passen 1.300 Zuschauer in den Saal, in diesem Jahr werden es 600 sein. 85 Prozent der Karten sind bereits verkauft.

Pressesprecherin Monika Liegmann

Götz Schubert über seine Rolle in "Der Club der toten Dichter"

Den Auftakt der Festspiele macht am 1. Juli die Uraufführung von "Der Club der toten Dichter", eine Bühnenadaption des gleichnamigen US-Kinofilms aus dem Jahr 1989, in der Joern Hinkel selbst Regie führt. Dass Corona dabei die Inszenierung beeinflussen wird, etwa was Laufwege oder Personenführung betrifft, davon geht der Intendant zwar aus, "wir werden das aber so machen, dass das niemanden im Publikum auffällt".

Hauptdarsteller ist der bekannte Film- und Fernsehschauspieler Götz Schubert in der Rolle des Lehrers John Keating. Schubert gibt im O|N-Gespräch freimütig zu, dass er im Gegensatz zu anderen Künstlern gut durch die Pandemie gekommen ist: "Da ich auch vor der Kamera stehe, ging das. Das ist kein Vergleich zur Theaterwelt, zum Schauspiel, die Oper und das Ballett. Und noch weniger zu allen Freien auf dem Markt. Diese Künstler müssen endlich wieder die Gelegenheit bekommen zu spielen. Ich glaube auch, dass das Bedürfnis des Publikums nach Kultur wahnsinnig groß ist. Von daher gesehen, hat der Probenbeginn hier in Hersfeld schon ein bisschen was von Aufbruch." Neben Schubert stehen mit Hannes Hellmann (dem Revierleiter aus "Notruf Hafenkante") sowie Thorsten Nindel (dem Zorro aus der "Lindenstraße") zwei weitere bekannte TV-Gesichter auf der Bühne.

In der Filmversion spielte Robin Williams herausragend den John Keating. Hat Götz Schubert da keinen großen Respekt vor der Rolle? "Ich habe großen Respekt vor der Geschichte, in der junge Menschen in einer diktatorischen und engen Welt aufwachsen. Das hat mich wahnsinnig berührt. Ich habe vor allem den Film und den Stoff in Erinnerung, weniger die Performance von Robin Williams, die natürlich großartig war. Ich habe Lust auf die Rolle und werde versuchen, meinen ganz eigenen John Keating zu kreieren. Und die jungen Leute im Ensemble bringen so viel von ihrem eigenen Leben und ihrer Leidenschaft mit, dass es uns gelingen wird, eine ganz eigenständige Geschichte zu erzählen."

Im Grunde genommen gehe es darum, den jungen Leuten beizubringen, ihre Haltung zu finden. "Aber es steckt auch darin: Wann ist was verhältnismäßig? Freiheit um jeden Preis, oder richte ich mit meinem Tun mehr Schaden an. Von daher gesehen hat die Corona-Zeit der Aktualität von ,Der Club der toten Dichter‘ nochmal so richtig Schub gegeben."

Neben dem "Club" wird es in diesem Jahr noch "Extrawurst – eine köstliche Komödie" über die kleinbürgerlichen Niederungen in einem Tennis-Club geben (das Stück wird tatsächlich auf einem Bad Hersfelder Tennisplatz gespielt), eine Bühnenfassung mit Musik von Michael Endes Kinderbuch "Momo" sowie das Musical "GOETHE!".

Das rockig-popige Bühnenstück von Gil Mehmert (Buch und Regie), Martin Lingnau (Musik) und Frank Ramond (Song-Texte) erzählt die Liebe des Dichters zu Charlotte Buff und den Beginn seiner Karriere. Hauptdarsteller sind Abla Alaoui als Lotte und Philipp Büttner als der junge Goethe. Beide sind Stars in der Szene – Büttner zum Beispiel spielt seit 2016 die Titelrolle in "Aladdin" – und standen der Presse am Freitag ebenfalls Rede und Antwort. Im Gegensatz zu Götz Schubert konnten beide ihrer Hauptarbeit in den letzten 14 Monaten nicht nachgehen und mussten sich auf Online-Konzerte oder Gesangsunterricht beschränken. Umso mehr freuen sie sich jetzt auf den Probenbeginn in der Stiftskirche, die sie zum ersten Mal erleben: "Wir sind begeistert. Wo findet man in Deutschland noch so eine großartige Kulisse?" (Matthias Witzel) +++


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