Das Bild der Kraftwerkstraße hat sich in vergangenen Jahren nicht verändert. Noch immer wird die Millionen Euro-schwere Straße nicht befahren. - Archivfotos: O|N/Stefanie Harth

HERINGEN (W.) Bahn stellt sich bei Pilotprojekt quer

Kraftwerkstraße: Seit 2014 fertig, doch Fahren bleibt weiter verboten

28.05.21 - In der Werraregion wird die Heringer Kraftwerkstraße sarkastisch als teuerste Wanderweg Deutschlands bezeichnet. Doch den Humor könnte man durchaus auch mal verlieren beim Blick auf die Zahlen - knapp 2,5 Millionen (!) Euro Steuergeld flossen bisher in die Umgehungsstraße. Seit 2014 ist die Straße fertig gebaut, doch auch nach sieben Jahren darf sie noch immer nicht befahren werden. Selbst ein angestrebtes Pilotprojekt hat noch keine Umsetzung gefunden. 

"Die Stadt wird auch weiterhin nicht locker lassen, dass diese Straße nach nunmehr sieben Jahren der Fertigstellung in ihre Bestimmung überführt wird. Leider sind es immer wieder neue Rückschläge, die die Arbeit nicht einfacher machen. Nachdem wir immerhin Hessen Mobil als Straßenbaulastträger der einmündenden Landesstraße für einen Testversuch gewinnen konnten, sperrt sich die Deutsche Bahn weiterhin an diesem Modellversuch. Bei allem Verständnis und Unverständnis, wie manche Entscheidung in der Vergangenheit zustande gekommen ist, kann ich nur weiterhin an alle Beteiligte appellieren, dass wir möglichst bald eine Lösung finden", erklärt Bürgermeister Daniel Iliev auf OSTHESSEN|NEWS-Anfrage.

Grund dafür sind die rangierenden Kali-Züge, die in den Verkehr stark einschränken ...

Hintergrund: Seit der Fertigstellung im Jahr 2014 ist die rund 1,2 Kilometer lange Kraftwerkstraße, die parallel zur Wölfershäuser Straße und Bahnstrecke verläuft, gesperrt. Eigentlich sollten längst Müll-Laster über die Umgehungsstraße rollen, die zur Abfallverbrennungsanlage von Energy From Waste (EEW) führt. Bei der Planung wurde jedoch wurde nicht bedacht, dass der zugehörige Bahnübergang gelegentlich von rangierenden Kalizügen blockiert wird und somit die Straße nur eingeschränkt genutzt werden kann.

Wo liegt das Problem?

Um "freie Fahrt" zu gewährleisten, müsste ein Gleis um 260 Meter verlängert werden. Ursprünglich waren die Kosten für dieses Unterfangen mit 450.000 Euro veranschlagt, die zu gleichen Teilen von Bund, Bahn und Stadt getragen werden sollten. Nach einer aktuellen Schätzung der Deutschen Bahn belaufen sich die Gesamtkosten für die Gleisverlängerung auf rund 1,2 Millionen Euro. Seit 2017 haben sich diese Zahlen nicht verändert. Und auch ein Pilotprojekt seitens der Stadt und Hessen Mobil, was im vergangenen Jahr vorgeschlagen wurde, wurde bisher noch nicht umgesetzt. Das liegt auch an den verhärteten Fronten zwischen der Deutschen Bahn (DB) und der Stadt Heringen. Denn die DB schiebt den schwarzen Peter in Richtung der Kalistadt:

"Auch wir sind an einer positiven Lösung für den Bahnübergang interessiert und wünschen uns, dass der Bau des Bahnübergangs erfolgreich abgeschlossen wird. Wichtig ist aber: Nicht die Deutsche Bahn, sondern die Stadt Heringen ist für die Planung des Bahnübergangs verantwortlich. Einer Diskussion über andere Lösungsmöglichkeiten stehen wir offen gegenüber. Voraussetzung ist allerdings bei jeder Lösung, dass die gesetzlichen Vorschriften bzw. das Regelwerk eingehalten werden und die Sicherheit gewährleistet ist", so eine Sprecherin der Deutschen Bahn gegenüber O|N.

Mögliche Öffnung nur für "eingeschränkten Personenkreis"

Falls die Straße in den kommenden Jahren eröffnet werden sollte wird sie zudem wohl nicht für den öffentlichen Verkehr freigegeben. In einer Anfrage der Heringer SPD an die Deutsche Bahn hieß es im Jahr 2017, seitens des Unternehmens: "Die Nutzung der öffentlichen Verkehrsfläche mit der besonderen Zweckbestimmung Zufahrt Kraftwerksanlage ist nur einem eingeschränkten Personenkreis vorbehalten. Zulässig ist nur die Nutzung durch den Lieferverkehr zur Kraftwerksanlage sowie die Nutzung durch den landwirtschaftlichen Verkehr. Die Nutzung durch andere Verkehrsteilnehmer ist durch geeignete technisch-organisatorische Maßnahmen (Beschilderung) zu verhindern." 

Heringens Bürgermeister Daniel Iliev. Archivfoto: O|N/Kevin Kunze

Aktuell hofft Iliev mit allen Beteiligten eine nachhaltige Lösung des Problems zu finden: "Schon die Aufnahme ins Schwarzbuch der Steuerzahler im Jahr 2017, welches die sinnlosesten Projekte kürt, für deren Umsetzung Steuergelder verschwendet wurden, müsste eigentlich ein schnelles Handeln des Problems fordern. Momentan stagniert vieles und eine schnelle Besserung der Situation ist derzeit kaum sichtbar." (Kevin Kunze)+++


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