REGION Der Stadtpfarrer bei O|N

Impulse von Stadtpfarrer Buß: Mit Gott neues wagen - Johannes der Täufer

23.06.21 - Christen feiern das Fest der Geburt des Johannes des Täufers am 24. Juni ganz nahe am Termin der Sommer-Sonnenwende. Ab jetzt werden die Tage kürzer - "Ich muss abnehmen, ich muss weniger werden, damit ER größer werden kann" (vgl. Jo. 3,30), so wird Johannes, wenn er älter ist, im Hinblick auf Jesus sagen; denn, wenn wir dessen Geburtstag feiern, das Geburtsfest Jesu an Weihnachten, dann wendet sich wieder die Sonne - und dann werden die Tage wieder länger. Mehr Sonne, mehr Licht! Mich hat dieses "Wenden" so angesprochen. Sonnenwende.

Zeitenwende. Wenn sich Zeiten wenden, dann wird einiges anders. An einer solchen Wende steht Johannes: An der Wende von Alten zum Neuen Bund. Er ist der letzte Prophet des Alten Bundes - und der Vorläufer Jesu; er ist es, der Jesus den Weg bereiten und auf ihn hinweisen wird. In der Tat, es wendet sich einiges. Auch das Evangelium erzählt es: Gott greift in das Leben von Menschen ein. Bei der Geburt Johannes ist es das Leben zweier alter Menschen: Zacharias und Elisabeth (Lk. 1,57-80). Und so können sie auf einmal noch neues Leben hervorbringen. Eine Familie wird von der Schmach der Kinderlosigkeit befreit und in ein besonders Licht gerückt. Gott erweist Gnade – und alles wendet sich.

Aber Wenden, Veränderungen, so wissen wir das alle, oft aus eigener leidvoller Erfahrung, die kommen nicht immer gut an. Auch nicht hier. Das muss sich Elisabeth anhören, als sie das Kind Johannes nennen will – und nicht Zacharias? "So heißt doch niemand in Deiner Familie"! (Lk. 1,61). Wer halbwegs sensible ist, wird den Vorwurf hören, der dahintersteckt: Was ist denn jetzt los?! Warum ein neuer Name? Warum bleibst Du nicht bei den alten Bräuchen? Der Sohn soll heißen wie der Vater! Warum macht ihr das nicht so, wie es immer gemacht wurde? Ja, da erheben die "Konservativen" ihre Stimme: Bitte nichts Neues! Bleibt doch beim Alten! Es ist doch schön, wenn das Kind den Namen des Vaters bekommt. Eine schöne Tradition.

Und Traditionen muss man doch einhalten. Und auch das kennen Christen heute aus der Kirche nur allzu gut: Dort, wo die Tradition so wichtig ist; wo das gerne hochgehalten wird, was immer schon gewesen ist. Und alles, was anders, was "modern" ist, nicht gut ist - und deshalb darf es nicht sein. Elisabeth widersteht dem und damit verhilft sie dem Neuen zum Durchbruch. Durch das mutige NEIN dieser alten Frau wird eine Wende möglich. Es bleibt nicht alles "beim Alten", sondern Gott kann etwas Neues beginnen. Das ist für mich das Ermutigende an dieser Johannes-Geschichte: Gott will Neues und er wirkt Neues. Und deshalb sind die Menschen nicht darauf festgelegt, Gott und sein Wirken immer nur im Bekannten und Vertrauten zu suchen, sondern auch mal im Neuen, im Unbekannten. Wir nennen diesen Gott zwar immer "den Gott unserer Väter und unserer Mütter", aber er ist doch auch der Gott, dem die Zukunft gehört – jene Zukunft, in die das Reich Gottes hineinwachsen und in der es weiter groß werden will. "Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr euch weist", so heißt es in einem Lied im katholischen Gotteslob (Gl 829, Bistum Fulda). Elisabeth und Zacharias haben Mut zu einem neuen Namen: Johannes. Ein Name, der so schön ist, dass er aufhorchen lässt. Denn übersetzt heißt Johannes: Gott ist barmherzig. (Stefan Buß) +++

Der Stadtpfarrer bei O|N. Foto: Hendrik Urbin


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