Der Präsident der Hochschule Fulda, Professor Dr. Karim Khakzar, freut sich schon auf das Wintersemester. - Fotos: Martin Engel, O|N-Achiv / Jonas Wenzel, Hochschule Fulda

FULDA Hochschulpräsident Khakzar im O|N-Interview

"Ab Oktober wollen wir wieder mit Präsenzveranstaltungen loslegen"

01.07.21 - "Wir werden alles daransetzen, dass wir zu Beginn des kommenden Wintersemesters Mitte Oktober wieder mit Präsenzveranstaltungen loslegen können." Nach drei Semestern, in denen die Studierenden der Hochschule Fulda pandemiebedingt dazu verdonnert gewesen sind, den Stoff im stillen Kämmerlein übers Internet zu büffeln, soll nun endlich wieder ein Stückweit Normalität auf dem Campus an der Leipziger Straße einkehren. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS lässt Präsident Professor Dr. Karim Khakzar die letzten eineinhalb Jahre Revue passieren und erläutert, wie rasant sich die Hochschule in den letzten Jahren entwickelt hat.

Der Campus an der Leipziger Straße

Professor Khakzar im Gespräch mit O|N-Redakteur Matthias Witzel

Schon vor dem ersten Lockdown im März 2020 habe man mit E-Learning gearbeitet, und so habe die Umstellung deutlich besser funktioniert als erwartet. "Wir sind ans Deutsche Forschungsnetz angebunden und konnten so unsere technische Bandbreite von 2 x 1,5 schnell auf 2 x 3 Gigabit pro Sekunde erhöhen", sagt Professor Khakzar. Regelmäßig haben in den Vorlesungszeiten 3.000 bis 4.000 Studierende zeitgleich Online-Veranstaltungen besucht.

"Die größere Herausforderung war, dass die Lehrenden die Inhalte aus den klassischen Vorlesungen und Seminaren fürs Internet neu aufbereiten mussten, sozusagen in kleinere, besser verdaubare Häppchen", so Professor Khakzar. Nach Kräften dabei unterstützt wurden die Dozentinnen und Dozenten von einer hochschuleigenen Dienstleistungsabteilung mit E-Learning-Labor und technischem Support. "Wir haben nach jedem Semester Online-Befragungen durchgeführt, um zu erfahren, wie der digitale Unterricht ankommt, und sowohl die Studierenden als auch die Lehrenden waren überwiegend sehr zufrieden. Oberstes Ziel war es, dass die Studierenden keine Zeit verlieren und wir ihnen alle Prüfungen anbieten können." So gab es etwa im Wintersemester 2020/21 auch wieder rund 31.000 Prüfungen.

Was nutzt aber die beste digitale Wissensvermittlung, wenn einem wegen Corona daheim die Decke auf den Kopf fällt? "Wir haben schon früh und immer wieder kommuniziert, dass sich Studierende, aber auch Bedienstete der Hochschule rechtzeitig bei uns melden sollen, bevor sie in eine ernste Krise stürzen", sagt der Hochschulpräsident. "Wir haben Sprechstunden abgehalten und die Angebote der Zentralen Studienberatung, unserer psychosozialen Beratungsstelle und des AStA wurden auch gut angenommen."

Grundsätzlich seien die Online-Semester richtig und wichtig gewesen, um die Pandemie in den Griff zu bekommen. "Wir hatten hier an der Hochschule keinerlei Ausbrüche. Aber länger als drei Semester hält man das kaum durch. Es fehlt einfach der persönliche Kontakt und die individuelle Betreuung. An einer Hochschule entstehen Freundschaften und Partnerschaften für ein ganzes Leben. Das geht uns allen wahnsinnig ab. Studieren ist eben nicht nur der Erwerb von fachlicher Kompetenz, sondern da entwickeln sich junge Menschen zu verantwortungsvollen Persönlichkeiten."

"Wir suchen bewusst den Austausch mit der Region"

Seitdem Professor Dr. Karim Khakzar, der auch der Sprecher der 118 deutschen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften auf Bundesebene ist, das Präsidentenamt im Jahr 2008 übernahm, hat sich die Hochschule Fulda enorm weiterentwickelt. "Mit mittlerweile fast 10.000 hat sich die Zahl der Studierenden in dieser Zeit mehr als verdoppelt. Wir sind eine der großen Hochschulen für Angewandte Wissenschaft in Deutschland." Die Studierenden kommen aus der ganzen Republik, 14 Prozent aus dem Ausland, etwa aus Kamerun, Osteuropa, dem Mittleren Osten, aus Indien oder Pakistan. "Werte wie Weltoffenheit und Toleranz sind uns sehr wichtig."

Mehr als 40 neue Studiengänge wurden seit seinem Amtsantritt in den acht Fachbereichen Angewandte Informatik, Elektro- und Informationstechnik, Lebensmitteltechnologie, Oecotrophologie, Pflege und Gesundheit, Sozial- und Kulturwissenschaften, Sozialwesen und Wirtschaft geschaffen und der Bereich Forschung sukzessive ausgebaut. Seit 2016 hat Fulda als allererste Hochschule für Angewandte Wissenschaften bundesweit das Promotionsrecht. Es gibt 165 Professuren ("fast 50 Prozent sind durch Frauen besetzt, das ist führend in Deutschland"), die aber auf knapp 200 aufgestockt werden sollen, um ein noch besseres Betreuungsverhältnis zu gewährleisten. Etwa 800 Mitarbeitende zählt die Hochschule inzwischen.

Wurde die 1974 gegründete – damals noch – Fachhochschule von der Bevölkerung lange Zeit eher skeptisch beäugt, so ist die Einrichtung längst in Fulda angekommen. "Wir suchen ganz gezielt den Austausch mit der Region, weil wir uns unserer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft bewusst sind", sagt Professor Khakzar. "Wir haben ein sehr gutes Verhältnis zur Stadt, zum Landkreis und zur IHK, pflegen Kooperationen mit Unternehmen und Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich sowie Schulen und haben ein Regionales Innovationszentrum für Gesundheit und Lebensqualität (kurz: RIGL) geschaffen, das von 120 Projektpartnern unterstützt wird."

Nachdem der Campus mit der neuen Bibliothek, der Zentralen Studienberatung und der Mensa bereits 2013 ein geradezu großstädtisches Aussehen bekommen hat, geht die Bautätigkeit ungebremst munter weiter. "Die Mensa muss vergrößert werden, in die ehemalige Mühle Heyl zieht im Frühjahr der Fachbereich Pflege und Gesundheit, die alte Reithalle wird unsere neue Sporthalle, und hinter der Mensa konnten wir ein großes Areal von der RhönEnergie erwerben, um die Hochschule baulich weiterzuentwickeln."

Ironie des Schicksals: Viele der "Erstis" aus den letzten drei Semestern haben den Campus noch nie gesehen. Professor Khakzar: "Wir überlegen uns schon jetzt, wie wir unsere Studierenden im Herbst gebührend empfangen können. Derzeit gelten noch die 1,5-Meter-Regel und die Maskenpflicht in geschlossenen Räumen. Aber irgendwann Ende Sommer werden hoffentlich die meisten vollständig geimpft sein und normale Präsenzveranstaltungen an der Hochschule wären dann auch wieder möglich. Dann wird es in der Halle 8 auch wieder Feten geben, und im Mai freuen wir uns dann auf die Hochschultage 2022." (Matthias Witzel) +++


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