Vincent (links) und Roland Bach bei ihrer Anlage zur Maskenvliesproduktion - Fotos: Marius Auth

EICHENZELL Anlage für ganz Europa

Stoff für 300 Millionen FFP2-Masken pro Jahr - made in Eichenzell

01.07.21 - Als im letzten Jahr Corona-Schutzmasken knapp wurden und selbst medizinische Fachkräfte kaum ausgerüstet werden konnten, wurde die Abhängigkeit von ausländischen Lieferungen beim Bevölkerungsschutz schmerzlich deutlich. Beim Eichenzeller Spezialisten für technische Textilien und Vliesstoffe NOWOtex dagegen wurde die Zeit genutzt, um für die Zukunft vorzubauen: Am Mittwoch wurde eine Anlage für die Produktion von Vliesstoffen für FFP2-Masken offiziell eingeweiht, welche die Versorgungssicherheit für Deutschland mit gewährleisten soll.

Insgesamt 4,8 Millionen Euro wurden in die neue Anlage investiert - vom Bund kamen 1,43 ...

Insgesamt 4,8 Millionen Euro wurden investiert, vom Bund gab es eine Förderung über 1,43 Millionen Euro. Vliesstoff für 300 Millionen FFP2-Masken kann in der Halle, die extra für die Hightech-Maschine des Maschinenbauers Oerlikon errichtet wurde, produziert werden. Das Ausgangsmaterial Polypropylen wird unter Einwirkung von Wärme und Luft zu 1,6 Meter breiten Bahnen verarbeitet: das Endprodukt für die Kunden von NOWOtex. Die setzen Nasenbügel und Ohrenbändel an den Stoff - fertig ist die FFP2-Maske.

Das Besondere am Vliesstoff des Eichenzeller Unternehmens ist die hohe Qualität. "Die Gitterstruktur des Stoffs filtert unerwünschte Partikel aus der Luft. Eine elektrostatische Ladung bindet zusätzlich Aerosole, hier liegt der eigentliche Unterschied zu günstigen Masken. Eine hohe Filtrationswirkung bei gleichzeitig geringem Atemwiderstand schützt den Träger, ohne ihn in seiner Tätigkeit einzuschränken", erklärt Vincent Bach, Sohn des Firmengründers Roland Bach. Die Maschine produziert bereits seit März für den gesamten europäischen Markt Vliesstoffe. Die Corona-Pandemie ist wenigstens in Deutschland weitgehend eingedämmt, die große Investition soll sich jedoch lohnen.

Maskenbedarf wird bleiben

In Eichenzell wird nur der Vliesstoff für die FFP2-Masken produziert - Nasenbügel ...

"Der Bedarf an Filtervliesen wird auch in den nächsten Jahren hoch sein. Corona ist durch die Delta-Variante und andere mögliche Mutanten noch nicht durchgestanden, außerdem ist nicht auszuschließen, dass mittelfristig weitere bedrohliche Viren auftreten. Viele Menschen wollen zudem auch in Zukunft im öffentlichen Leben zum Selbstschutz eine Maske tragen - wie das in ostasiatischen Länden seit Jahrzehnten üblich ist", erklärt Roland Bach. Im Frühjahr 2020 wurden Förderprogramme zur Produktion von Schutzausrüstungen aufgelegt. Bereits sechs Wochen später bekommt NOWOtex die Zusage - mit der Bedingung, bis Ende März 2021 mit der Produktion zu beginnen.

Landrat Bernd Woide

IHK-Präsident Dr. Christian Gebhardt (links) mit MdB Michael Brand

Wie sehr die Versorgungsnotlage im letzten Jahr das Vertrauen in die Globalisierungslogik auch im Gesundheitssektor erschüttert hat, erklärten die geladenen Gäste aus der Politik: "Die Pandemie hat Defizite aufgezeigt, an die man vor zwei Jahren gar nicht geglaubt hätte. Eine freie und liberale Wirtschaftsordnung kommt an ihre Grenzen, wenn plötzlich alle gleichzeitig dasselbe wollen: nämlich Masken. In diesen Bereichen müssen wir uns auf eigene Kompetenzen besinnen", erklärt Landrat Bernd Woide. Denn Abhängigkeiten schafften schnell Verbindlichkeiten: "Wir müssen als Wirtschaftsstandort Deutschland die Produktion auch von Medizinprodukten nach Deutschland verlagern. Wenn wir als Land statt Produktionsstandort nur noch Dienstleister sind, wird das ausgenutzt werden. China etwa setzt seine Hilfsbereitschaft geostrategisch ein, um übergeordnete Ziele zu erreichen", erklärt der CDU-Bundestagsabgeordnete Michael Brand.

Eichenzells Bürgermeister Johannes Rothmund

Neben dem Stolz auf die Qualitätsproduktion aus deutschen Landen kam auch der Eichenzeller Lokalpatriotismus bei der Feierstunde nicht zu kurz: Der benachbarte Spediteur Marc Diegmüller hatte die Halle für NOWOtex auf seinem Gelände im Industriepark Rhön in Rekordzeit errichtet. "Wir haben in den harten Monaten dazugelernt, dass eine Krise nicht grundsätzlich nur etwas Schlechtes sein muss. Familiengeführte mittelständische Unternehmen können kurzfristig Entscheidungen treffen und in die Tat umsetzen. Und vor allem: Eichenzeller sind schneller", erklärt Bürgermeister Johannes Rothmund. (mau) +++

Bei der Einweihung, von links: André Wissenberg, Johannes Rothmund, Vincent Bach, Roland Bach, ...

Bei der Einweihungsfeier

André Wissenberg, Vizepräsident von Oerlikon Textile GmbH & Co. KG, erläuterte die Vorzüge ...

Unternehmer Roland Bach

Vincent Bach

Moderierte die Veranstaltung: Dr. Mathias R. Schmidt


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