Der 61-jährige Angeklagte muss sich wegen Totschlags an seiner Mutter verantworten - Fotos: Martin Engel

FULDA Bluttat in Wildeck-Bosserode vor Gericht

Sohn tötet Mutter mit 17 Messerstichen, weil sie ihn "drangsalierte"

14.07.21 - Der gewaltsame Tod einer 79-jährigen Frau hat im letzten November in Wildeck-Bosserode für großes Entsetzen gesorgt. Vor allem als sich herausstellte, dass der 60-jährige arbeitslose Sohn der Frau, der mit ihr im selben Haus lebte, als dringend tatverdächtig festgenommen wurde. Seit dem heutigen Dienstag muss sich Frank K. vor dem Landgericht dafür verantworten, seine schlafende Mutter mit 17 Messerstichen in Hals-, Schulter und Brustbereich tödlich verletzt zu haben. Als die Mutter - durch die Messerattacke geweckt - begonnen hatte, sich heftig zur Wehr zu setzen, habe sich der Angeklagte noch auf ihren Brustkorb gesetzt - sie sei schließlich verblutet. Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban betonte bei der Anklageverlesung das Mordmerkmal der Heimtücke, denn die Arg- und Wehrlosigkeit der schlafenden Mutter sei bewusst ausgenutzt worden.

In diesem Einfamilienhaus in Wildeck-Bosserode geschah das Verbrechen Foto: ON-Archiv: Gerhard Manns

Der Sohn hatte sich nach der vorsätzlichen Tat der Polizei gestellt und sitzt seither in der JVA Fulda in Untersuchungshaft. Als Grund für die tödliche Attacke mit einem Fleischermesser habe er angegeben, sich seit Jahren von seiner im selben Haus lebenden Mutter drangsaliert und unterdrückt gefühlt zu haben. Deshalb habe er den Entschluss gefasst, sie zu töten. 

 Als Nebenkläger auftretender Bruder ist Bundespolizist

Oberstaatsanwältin Dr. Christine Seban und Nebenklagevertreter RA Christian Celsen ...

Das Schwurgericht unter Vorsitz von Richter Josef Richter

Der Angeklagte wollte sich heute vor Gericht nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Verteidiger kündigte eine Einlassung seines Mandanten zu den Tatvorwürfen für die nächste Woche an. Als Zeuge wurde dann der jüngere Bruder des Angeklagten gehört, der als Nebenkläger vor Gericht auftritt. Der 55-Jährige ist Bundespolizist in der Nähe von Hannover, wo er mit seiner Familie lebt. Zu seinem Bruder habe er seit der Tat keinerlei Kontakt mehr, "das geschwisterliche Band ist zerrissen", fasste Richter Josef Richter das derzeitige Verhältnis zusammen. 

Der 55-Jährige hatte selbst keine plausible Erklärung für die Bluttat. Seine Mutter sei zwar durchaus fordernd und bestimmend gewesen. "Was sie wollte, musste immer sofort gemacht werden." Doch sein Bruder habe sich durchaus auch gegen sie zur Wehr setzen können, seine Meinung vertreten und auch durchgesetzt. Es habe "normale Differenzen um Alltagsdinge" wie zum Beispiel ums Hecke schneiden gegeben. "Dass sich da sowas Schlechtes aufgebaut hat, war mir nicht bewusst", versicherte der Bruder im Zeugenstand. 

Gutachter Dr. Helge Laubinger

Dass der Angeklagte bereits seit langer Zeit arbeitslos war, begründete der Bruder mit dessen früheren Alkoholabhängigkeit, die zu einer Lebertransplantation geführt habe. Seither sei er aber trocken. Um 1998 sei Frank K. deshalb von Berlin, wo er als Elektriker gearbeitet hatte, zurück in seinen Heimatort gezogen und habe ab dann im Haus seiner Eltern gewohnt. Zwei Beziehungen seien gescheitert. Vor rund zehn Jahren sei Frank K. an Zungenkrebs erkrankt und könne seither keine übliche Nahrung mehr zu sich nehmen, sondern ernähre sich über einen künstlichen Mageneingang mit Astronautennahrung. 

Angesprochen wurde vor Gericht auch eine testamentarische Verfügung der Mutter, die nur den jüngeren Bruder und die Schwester als Erben berücksichtigte. Seine Mutter habe das damit begründet, dass Frank K. seinen Anteil bereits als Geldzuwendung bekommen habe. Auch habe sie gefürchtet, dass das Sozialamt finanzielle Zuwendungen "kassieren" würde. Das sei mit seinem Bruder einvernehmlich so vereinbart worden, erklärte der Zeuge.

Für den Prozess sind sieben weitere Verhandlungstage angesetzt, das Urteil fällt voraussichtlich am 19. August. (Carla Ihle-Becker)+++


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