Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber (links) mit Michael Werner - Fotos: Carina Jirsch

FULDA Geschichte des Klosters Frauenberg beleuchtet

"Die alten Geister ruhen nicht!": Gedenkfeier an den deutschen Widerstand

21.07.21 - Das Attentat vom 20. Juli 1944 war der bedeutendste Umsturzversuch des militärischen Widerstandes in der Zeit des Nationalsozialismus. Mehrere deutsche Offiziere versuchten an diesem Tag, Adolf Hitler zu töten. Doch der Sprengstoffanschlag scheiterte.

Seit 1952 wird am 20. Juli regelmäßig mit Ansprachen, Kranzniederlegungen und Gedenkfeiern an die Widerstandsbewegung erinnert, so auch am frühen Dienstagabend im Garten des Klosters Frauenberg.

"Es waren mutige Männer und Frauen, die sich gegen das Regime stellten, sie haben mit ihrem Tun das Fundament für unsere heutige Demokratie gelegt", betonte Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber, der in der Funktion als stellvertretender Vorsitzender des CDU Stadtverbandes Fulda an der Veranstaltung teilnahm. "Viele davon haben damals mit ihrem Leben bezahlt, ganze Familien wurden in Sippenhaft genommen, trotzdem setzten sie sich für das Richtige ein."

Regierungspräsident Hermann-Josef Klüber

Der Gastredner des Abends, der studierte Theologe und Historiker Michael Werner ...

Susanne Jobst, Ortsverbandsvorsitzende des CDU Stadtverbandes Fulda

Patricia Fehrmann

Etwas, an das auch in diesen Tagen erinnert werden müsse, so der RP, denn auch heute gelte es, Aufmerksam zu sein. Attentate, wie beispielsweise das auf den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke, zeigten dies deutlich. "Ich hatte vor einiger Zeit die jüdische Gemeinde in Fulda besucht. Es kann doch nicht sein, dass Schüler dort nur unter Polizeischutz lernen können", gab Klüber außerdem zu denken.

"Juden sind Deutsche wie wir!"

Der Veranstalter des Gedenkabends, der CDU Stadtverband Fulda, hatte als Gastredner den studierten Theologen und Historiker Michael Werner gewinnen können. Bereits vor Jahren hatte dieser die Geschichte des Kloster Frauenberg im Dritten Reich aufgearbeitet und seine Erkenntnisse in einem Buch veröffentlicht.

Reginald Bukel

"Erinnern benötigt Empathie mit den Opfern. Es reicht nicht, wenn wir – im übertragenen Sinn -weisen alten Männer wissen, was damals geschah, die Botschaft, um die es geht, muss von der Jugend weitergetragen werden." Bei einem Besuch des Konzentrationslagers Breitenau sei Werner auf die Spuren zweier Fuldaer Franziskanermönche gestoßen, die bei Guxhagen interniert waren. "Ich wollte wissen, wie und warum sie dort gelandet sind." Seine Forschungsarbeit begann. Kurz riss Werner das Geschehen im Kloster Frauenberg während der Zeit des Nationalsozialismus an. Die Mönche, die aufgrund ihrer christlichen Einstellung schnell in den Fokus der Nazis rückten, hätten Spitzen unterschiedlicher Art erdulden müssen, die in der Vertreibung aller aus dem Kloster endeten. "Sie erhielten den Befehl, den Ort innerhalb von nur drei Stunden zu verlassen." Das Kloster wurde geschlossen, eine Sicherheitsschule zog ein. "Es wurde kein Stein auf dem anderen gelassen, die Druckerei verfrachtete man nach Berlin, um Propagandablättchen zu drucken, die Bibliothek wurde geplündert." Danach, so erzählte er, sei ein Lazarett in den Räumlichkeiten untergebracht worden. "Erst von den Nationalsozialisten betrieben, später von den Amerikanern."

Die alten Geister ruhen nicht

Margarete Hartmann

Die alten Geister der damaligen Zeit, meinte Werner, seien noch immer da. "Ich finde es beängstigend, dass jüdischen Einrichtungen, ob in Frankfurt oder Fulda, wieder geschützt werden müssen. Ich finde es schrecklich, dass Walter Lübcke, der vier Jahre vorher auf einer Veranstaltung sagte, `Wenn es Ihnen nicht passt, dann verlassen sie Deutschland´, einfach aufgrund seiner Aussage erschossen wird." Man müsse, auch heute noch, für diejenigen einstehen, die ausgegrenzt werden. Abschließend zitierte Werner den lutherischer Pfarrer Martin Niemöller, der sich seinerzeit offen gegen Adolf Hitler ausgesprochen hatte.

"Als die Nazis die Kommunisten holten, habe ich geschwiegen; ich war ja kein Kommunist. Als sie die Gewerkschaftler holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Gewerkschaftler. Als sie die Juden holten, habe ich geschwiegen, ich war ja kein Jude. Als sie mich holten, gab es keinen mehr, der protestieren konnte." (mr) +++


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