„Auf dem Hühnerkippel“ in Herchenhain wird eine Bergmähwiese gedroschen werden. - Fotos: Dieter Graulich

GREBENHAIN Die Arten sind reif

Bergmähwiesen: "Wiesendrusch" auf der Herchenhainer Höhe

26.07.21 - Ein Mähdrescher auf einer Wiese war bis vor drei Jahren in unserer Region eine Seltenheit. Jetzt sieht man dies fast alljährlich im Hohen Vogelsberg. Im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes werden zur Saatgutgewinnung artenreiche Bergmähwiesen und kleinflächiger Borstgrasrasen von einem speziell für den Grasdrusch hergerichteten Mähdrescher des Betriebes Hardt aus Nösberts – Weidmoos gedroschen.

Ausgewählt werden die Flächen da darauf besondere Arten wie, Waldhyazinthe, Heil-Ziest, Schwarze Teufelskralle, Wald-Storchschnabel, geflecktes Johanneskraut und Wiesen-Flockenblume vorkommen.

Arten sind reif

Die Reifezeit der Samen und damit der Druschzeitpunkt sind stark von der Witterung abhängig. Ein Großteil der gewünschten Bergmähwiesen-Arten, wie die Ackerwitwenblumen, die Margerite oder die Wiesen-Flockenblume, sind Mitte/Ende Juli reif. Der Drusch findet dann statt, wenn viele Arten gleichzeitig reif. Störende oder unerwünschte Arten wie Neophyten (Lupine), aber auch das Kreuzkraut, krauser Ampfer und Kratzdisteln, werden vor dem Drusch entfernt, um eine Übertragung auf andere Flächen zu verhindern.

Das gewonnene Druschgut wird verwendet, um verarmte Bestände wieder aufzuwerten. Die Einsaat erfolgt am besten im Herbst oder im Frühjahr. Das Druschgut hat eine Feuchtigkeit von 10 bis 20 Prozent muss zweimal am Tag gewendet werden. Die Trocknungszeit liegt je nach Abhängigkeit der Umgebungstemperatur und Witterung zwischen vier und sieben Tagen. Als Trocknungshalle wird eine Halle des Bauhofes der Stadt Lauterbach benutzt.

Die Flächen für die spätere Aufbringung des Saatgutes müssen gut vorbereitet werden, indem man sie mindestens zweimal scharf striegelt und so Moos und andere Pflanzenteile aus dem Boden gelöst werden. Es entstehen offene Bodenstellen, die den Samen als Keimbett dienen. Pro Hektar artenarmer Fläche werden etwa 100 kg Wiesendruschgut benötigt, das von Hand auf den Flächen verteilt werden muss.

Projektleiter Ruben Max Garchow erklärt Praktikantin Leah Blencke die Artenvielfalt ...

Regelmäßige Mahd nach der Samenreife

Der Verlust der Arten ist vielfach bedingt durch zu intensive Bewirtschaftung mit regelmäßiger Düngergabe und häufigem Mähen oder durch Nutzungsaufgabe, bei der andere Arten die Oberhand gewinnen.

Ruben Max Garchow, Leiter des Naturschutzgroßprojektes betonte in einem Gespräch vor Ort, dass eine gesunde Bergmähwiese die regelmäßige Mahd nach der Samenreife brauche. Sie könne mit Tieren nachbeweidet werden, vertrage aber keine intensive Düngung. Bergmähwiesen hätten eine wunderbare Vielfalt an Blumen, Kräutern und Gräsern. Dort lebten seltene Vögel und eine Vielzahl an Schmetterlingen, Heuschrecken und andere Insekten. Auf 25 Quadratmetern Referenzfläche kämen bis zu 70 Pflanzenarten vor. Dies mache die Bergmähwiese zu einem der wertvollsten Naturräume in Mitteleuropa.

Auf die Frage, warum Wiesendrusch und keine Saatgutmischung aus dem Baumarkt für die Einsaat auf Vogelsberger Wiesen verwendet werden sollte, war von Garchow zu hören: "Wiesendrusch ist regional und man kann sicher gehen, dass die Pflanzen, die ausgesät werden, gut mit den Bedingungen hier vor Ort zurechtkommen. Außerdem bilden sich im Laufe der Zeit zahlreiche Unterarten oder Sippen innerhalb der Pflanzenfamilien aus, die es dann wirklich nur hier im Vogelsberg gibt." Wenn man also Wiesendruschgut verwendet, bleiben die typischen Vogelsberger Arten erhalten und werden nicht mit anderen vermischt, deshalb gilt für das Naturschutzgroßprojekt der Grundsatz, dass eine Aufwertung des Grünlands nur mit dem passenden Samen erfolgen kann.

Getrocknet wird das Saatgut in einer Halle im Bauhof Lauterbach.

2,3 Hektar gedroschen

Das Wiesendruschgut kommt überall dort zum Einsatz, wo die Bergmähwiesen sich dramatisch verschlechtert haben und nur noch wenige Arten übriggeblieben sind - oder dort, wo zum Beispiel Wildschweine offene Bodenstellen geschaffen haben und Landwirte eine schnelle Begrünung brauchen. Die Landwirte bekommen das Druschgut kostenlos zur Verfügung gestellt und auch die Vorbereitungs- und Einsäarbeiten könne das Projekt finanziell unterstützen. Voraussetzung sei jedoch, dass die betroffene Wiese in einen der 53 Förderräume des Naturschutzgroßprojekts liege.

Diese Flächen müssten dazu gut vorbereitet werden. Ein weiterer Schwerpunkt der Verwendung des Wiesendrusches sei für die artenreichen Flächen vorgesehen, wo eine Einsaat aufgrund von starken Wildschweinschäden notwendig geworden sei.

Bei dem Ortstermin "Auf dem Hühnerkippel" war Leah Blencke dabei, die Geografie studiert und beim Naturschutzgroßprojekt ein Praktikum ableistet. Projektleiter Garchow zeigte ihr die unzählige Pflanzengesellschaft, die dafür sorgen, dass eine Vogelsberger Bergmähwiese so wertvoll ist.

Auf der Herchenhainer Fläche wurden 2,3 Hektar gedroschen. Insgesamt sollen circa 18 Hektar vor allem im Bereich des Oberwaldes in den Gemeinden Grebenhain, Lautertal und Schotten gedroschen werden. (gr) +++


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