Baumartenpionier Otto Karl Nies in dem kleinen Nordamerikanischen Gelbbirkenbestand. - Fotos: Dieter Graulich

GREBENHAIN Ursprünglich aus dem Osten Nordamerikas

Nordamerikanische Gelbbirken in heimischer Flora

13.09.21 - Waldsterben und Klimawandel ist derzeit in aller Munde. Aber nicht nur seit dem sich besonders in Trockenjahren rasch vermehrenden Borkenkäfer, den großen Waldbränden und der verheerenden Flutkatastrophe im Westen der Bunderepublik, haben die beiden Themen Beachtung bei den Menschen gefunden. Bereits in der Mitte der 80er Jahre beschäftigte sich der inzwischen 80 jährige damalige Leiter des Revieres Oberwald, jetzt Grebenhain, Otto Karl Nies mit der Bepflanzung von Flächen und Standorten mit anderen neuen und widerstandsfähigeren Baumarten.

So kann man jetzt im Oberwald inmitten von Buchen, Fichten und Bergahornen eine Baumart antreffen, die auch das geschulte forstliche Auge ins Grübeln versetzt: Die Gelbbirke (Betula alleghaniensis). Sie stammt ursprünglich aus dem Osten Nordamerikas und zählt in den Oststaaten Kanadas und den Vereinigten Staaten zu den klassischen Wirtschaftsbaumarten. Ihre Namensgebung erhielt die Gelbbirke durch ihre gelblich-bronzefarbene Borke, wodurch sie sich von unseren heimischen Birkenarten unterscheidet. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet streckt sich von Süd Quebec bis Nord-Georgia und im Westen bis Minnesota. Dabei ist die Birkenart angepasst an gemäßigtes Klima und kommt auf feuchten, gut durchlüfteten Böden im Hochland und Bergschluchten vor.

Pionierbaumart Gelbbirke

Durch ihr anpassungsfähiges Wurzelsystem kann die Gelbbirke verschiedene Standorte besiedeln. Wie ihre heimischen Vertreter, die Moor- und Sandbirke, zählt die Gelbbirke zu den Pionierbaumarten und wächst somit bevorzugt auf Freiflächen und Standorten, die durch starke Witterungseinflüsse verändert wurden wie zum Beispiel Kalamitätsflächen. Im späteren Alter ist die Gelbbirke dennoch schattentolerant, vermehrt sich allerdings nur bei ausreichendem Lichteinfluss. Dadurch ist die Gefahr sehr gering, dass die lichtbedürftige Birkenart in unseren schattentoleranten Buchenwäldern invasiv wird.

Ihren weiten Weg in den Vogelsberg bestritt die nordamerikanische Birkenart Mitte der 80er Jahre. Dabei erhielt der ehemalige Revierförster Otto Karl Nies über den amerikanischen Offizier Reinhard Schuhmann etwa 8.000 Gelbbirkensamen von der Michigan State University. Schuhmann war beim amerikanischen Militär in Gießen stationiert und jagte bereits unter der Leitung des vorherigen Revierleiters Karl Nies, dem Vater von Otto Karl Nies. So kam es auch zum Austausch hinsichtlich der Forstwirtschaft und den heimischen Baumarten zwischen den zwei Freunden. Dabei erzählte Reinhard Schuhmann, dass die Gelbbirke zu den führenden Wirtschaftsbaumarten in dem Bundesstaat Michigan gehört.

Gleich drei verschiedene Baumarten auf engem Raum im Oberwald: Eiche, Salweide und ...

Des Weiteren seien die klimatischen Rahmenbedingungen aus dem Herkunftsgebiet der Gelbbirke ähnlich wie im Vogelsberg. Ein Teil der Samen wurde auf einer kleinen Freifläche als Pilotprojekt angepflanzt und hat teilweise prächtige Exemplare hervorgebracht. Durch das vielseitig einsetzbare, hell- bis rostbraune Holz, gehört der Nationalbaum Quebecs zu einer wichtigen Quelle für Laubschnittholz in Nordamerika. Das Holz der Gelbbirke findet Verwendung in der Herstellung von Furnieren, im Innenausbau, in der Herstellung von Möbeln sowie als Bodenbelag in Turnhallen.

Verwendung neuer Baumarten gewinnt an Bedeutung

Thomas Mechler, Leiter des Reviers Grebenhain, sagt zu dem Einsatz der Gelbbirken, dass die Verwendung neuer, vermutlich besser mit klimatische Extremen zurechtkommender Baumarten vor dem Hintergrund der aktuellen deutlich sichtbaren Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald eine besondere Bedeutung gewonnen habe: "Zur Zeit sterben unsere heimischen Baumarten in bisher nicht für möglich gehaltene Umfang ab. Besonders betroffen sind die Fichten und die Buchen, die Ulmen sind schon fast ausgestorben, und der Esche droht ein ähnliches Schicksal". Das Baumartenspektrum in Mitteleuropa sei im Vergleich zu Nordamerika sehr gering, so dass andere Baumarten nicht so rasch die Lücken füllen könnten. Insofern sei Otto Karl Nies seiner Zeit voraus gewesen, als er die Versuchsfläche im Oberwald angelegt habe. "Es bleibt abzuwarten, wie die Bäume längerfristig mit Klimaextremen wie zum Beispiel dem extremen Wassermangel in den Jahren 2018 bis 2020 zukünftig zurechtkommen", so Mechler. Im Augenblick machten sie einen vitalen Eindruck, was für andere, einheimische Baumarten leider nicht zutreffe.

Ob die langlebige Birkenart eine Alternative zu unseren heimischen Baumarten darstellen könnte, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht abschätzen. Wie unsere heimischen Birkenarten kann auch die Gelbbirke durch Wetterextreme wie Hitzeperioden geschädigt werden. (pm) +++


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