Gerhard Kaminski möchte der neue Bürgermeister der Gemeinde Gemünden (Felda) werden. - Foto: privat

GEMÜNDEN (FELDA) Bürgermeisterwahl am 26. September

Gerhard Kaminski: "Demokratie geht nur mit Bürgern, Verwaltung und Politik"

20.09.21 - In der Gemeinde Gemünden (Felda) im Vogelsberg eine Ära zu Ende - ein neuer Bürgermeister wird am kommenden Sonntag gewählt. Lothar Bott tritt nach 16 Jahren Amtszeit nicht mehr als Kandidat an. Drei neue Bewerber für das Amt des Rathauschefs gibt es: Neben Daniel Müller (BGG) und Olaf Pior (parteilos) tritt auch Gerhard Kaminski (parteilos) zur Wahl an. Im Gespräch mit OSTHESSEN|NEWS spricht er über seine Kandidatur.

"Mich treibt der Gedanke vom enkelgerechten Leben um - ich möchte einen Beitrag dazu leisten", antwortet er auf die Frage, warum er als Bürgermeister für die 2.700-Einwohner-Gemeinde kandidiert. Zumindest in Gemünden möchte er in seiner Amtszeit dafür die Rahmenbedingungen auf kommunaler Ebene - gegen einen demografischen Wandel und die Klimakrise - schaffen. 

Wohnraum schaffen, Baulücken schließen 

Kaminsiki ist 66 Jahre alt, in Bochum geboren, studierte in Marburg und weist Berufserfahrung als Journalist, Projektmanager, Diplompolitologe und in einem Unternehmensverband auf. Seit zehn Jahren ist er mit der Gemeinde Gemünden verbunden und ein Umzug von seinem aktuellen Wohnort Alsfeld ist bereits in Planung. Dann würde er sich gerne ab Frühjahr 2022 - wenn Lothar Bott als amtierender Rathauschef verabschiedet wird - um die Belange der Bürger Gemündens kümmern. 

Seine Aufgaben dafür hat er bereits klar definiert: der demografische Wandel und die Klimakrise stehen an oberster Stelle. Denn wenn aktuelle Hochrechnungen eintreffen, erlebt Gemünden bis zum Jahre 2030 einen Bevölkerungsrückgang von etwa 15 Prozent. Mit der Schaffung von neuem Wohnraum und der Versorgung mit gutem Internet möchte Kaminski diesem entgegenwirken. "Denn das ist ein wichtiger Baustein für die Ansiedlung ansässiger Familien und auch Anwerbern aus anderen Regionen", erklärt er im Interview mit OSTHESSEN|NEWS. Die Zeichen dafür stünden bereits gut - denn mit der TNG hat ein Unternehmen den Glasfaserausbau in der Gemeinde zugesagt - "und durch die Corona-Pandemie wissen immer mehr Menschen das Leben im ländlichen Raum zu schätzen".

Die Ausweisung eines Neubaugebietes zwischen Burg- und Nieder-Gemünden sei ein weiterer wichtiger Schritt in die richtige Richtung - doch laut Kaminski dürfe man auch nicht aus dem Auge verlieren, dass Dorfkerne durch Leerstand verweisen. Als Bürgermeister von Gemünden "will ich schauen, wo Baulücken im Ortskern sind, einen Leerstandskataster erstellen, alte und marode Gebäude abreißen". Der Anbau der Kindertagesstätte ist bereits beschlossene Sache und für den 66-Jährigen ebenfalls ein wichtiger Baustein, welcher gerade für junge Familien in der Gemeinde attraktiv ist. 

Klimakrise als kommunale Baustelle

Für Kaminski, der parteilos bei der Wahl antritt, ist die Klimakrise außerdem ein Thema, was nicht nur auf Bundesebene diskutiert werden soll, sondern auch auf kommunaler Ebene. "Die extremen Wetterereignisse stehen uns bevor, jetzt muss die Fragestellung sein: Was tu ich, um diesen Wandel noch zu bremsen", sagt er. "Man muss sich also beispielsweise Gedanken um Antriebsformen bei Autos machen."

Große Diskussionen gab es in der nahen Vergangenheit um Fotovoltaik-Anlagen. Eine ist bereits für den Ortsteil Ehringshausen entschieden - für Kaminski ist das "schief stehend": "Die BGG hat sich stark dafür ausgesprochen. Allerdings erzeugt die Anlage nur Strom. Die Aufgabe ist es aber, sich mit der Versorgung von Strom und Heizung auseinanderzusetzen." Der Bürgermeister-Kandidat spricht sich für eine Bestandsaufnahme aus: "Was ist da und was kann ich ersetzen - und wie komme ich zum Ziel, 2045 klimaneutral zu sein?"

"Wir-Gefühl der Gemeinde stärken"

Wichtig ist Kaminski, die Bürger in der Gemeinde mehr mit einzubinden. Deshalb will er auf jeden Fall eine Bürgersprechstunde einführen, "damit der Kontakt zum Bürgermeister besser ist". Den Kontakt zu den Ortsbeiräten möchte er ebenfalls intensivieren. So möchte er zeigen: Die Unterstützung von oben ist da. "Es geht eben nicht darum, den Bürgern zu sagen "Macht mal", wenn es gute Ideen gibt. Da muss die Hilfe vom Bürgermeister schon da sein." Kaminski ist sich sicher: "Demokratie muss leben. Und das geht nur mit Bürgern, Verwaltung und Politik gemeinsam." Er setze darauf, das Wir-Gefühl in der Gemeinde zu stärken.

Touristisches Angebot verbessern

Damit einher geht auch der nächste Punkt auf der Agenda Kaminskis: Als möglicher zukünftiger Bürgermeister möchte er das touristische Angebot in Gemünden verbessern. "Die Heinzemanntour ist ein guter Kern, um touristische Entwicklungen voranzubringen", erzählt er. "Das Problem ist, dass es leider kein gastronomisches Angebot in der Gemeinde gibt. Es wäre toll, wenn sich jemand finden würde" - und dieses Projekt würde er als Rathauschef fördern, so gut es gehe. Wichtig sei es, mit allen, die sich einbringen und etwas machen möchten, ins Gespräch zu kommen. 

Gemeinsam machen: Das ist für den passionierten Fahrradfahrer das Ziel. Deshalb pocht er auch darauf, dass das Fahrradwegenetz in Gemünden ausgebaut wird. "Allerdings ist es wichtig, dass das touristische Fahrradfahren nicht mit den Alltagsfahrten zu verbinden ist." Denn wenn man von Elpenrod zum Supermarkt in Nieder-Gemünden mit dem Rad unterwegs ist, interessiere einen die Landschaft relativ wenig. "Als Radfahrer möchte man immer die kürzesten Verbindungen haben. Deshalb ist das ein großer Unterschied von der Planung her."

Kritik wegen des Alters: "Ich bin fit"

Der Wahlkampf in Gemünden läuft auf Hochtouren - die Resonanz der Bürger sei laut Kaminski sehr gut. Deshalb sei er zuversichtlich, was einen Wahlsieg angeht. Auch, wenn es bei einiger Kritik wegen seines Alters gibt. Das sieht der 66-Jährige ganz anders: "Gegenüber einem jünger Kandidaten habe ich bereits kommunalpolitische Erfahrung als Kreistagsabgeordneter im Landkreis Marburg-Biedenkopf und bringe außerdem mehr Lebenserfahrung mit." Er verspricht: "Ich bin fit und will mit vollem Engagement arbeiten - da macht das Alter keinen Unterschied. Entscheidend ist, wie gut die Arbeit am Ende gemacht wird." (Luisa Diegel) +++


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