Hauptprojekt der Dorferneuerung wardie „Kulturelle Mitte“ - Fotos: gr

ULRICHSTEIN Dorferneuerung Unter-Seibertenrod

Mit 2 Millionen Euro großer Wirtschaftsfaktor für die Region

20.09.21 - "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!" Mit diesen Worten begrüßte Ortsvorsteher Wolfgang Geiß am Samstagnachmittag zahlreiche Gäste in der "Kulturellen Mitte" zur Abschlussveranstaltung der Dorferneuerungsmaßnahmen. Mit der Dorferneuerung sei ein großer Wunsch der Bevölkerung in Erfüllung gegangen, denn bereits vor dreißig Jahren habe sich der Ortsbeirat für ein neues Dorfgemeinschaftshaus ausgesprochen, es war kein Jugendraum vorhanden, das alte Backhaus, der Bullenstall seien sanierungsbedürftig gewesen und auch auf dem Friedhof hätten Umgestaltungsmaßnahmen angestanden.

Die Teilnahme am Dorferneuerungsprogramm sei 2008 möglich geworden, da Kölzenhain auf die Dorferneuerung verzichtet hatte. So habe man am 5. Dezember 2008 vom damaligen Innenminister Volker Bouffier den Bewilligungsbescheid erhalten. Im Juni 2010 seien die förderfähigen Kosten auf 625.000 Euro festgesetzt worden. Sie er-höhten sich später auf 725.000 Euro. Im November des gleichen Jahres begann als erste Maßnahme, die Renovierung des Backhauses mit 760 Stunden Eigenleistung. Ein Jahr später dann der Baubeginn der "Kulturellen Mitte", die Anfang November 2013 nach 7.690 Stunden Eigenleistung eingeweiht wurde. Im Folgejahr standen die Außenanlagen mit Verlegung des Spielplatzes auf dem Programm.

Die Eigenleistungen erhöhten sich dadurch auf insgesamt 9.800 Stunden. Da von den Stadtverordneten die Gesamtsumme für die "Kulturelle Mitte" auf 700.000 Euro gedeckelt waren, mussten für die Inneneinrichtungen 73.000 Euro Eigenmittel aufgebracht werden. Dies wur-de durch eine Vielzahl Spenden ermöglicht und Ortvorsteher Geiß dankte allen Spendern dafür. Das Umfeld der Kirche wurde 2016 neu gestaltet und gleichzeitig ein behindertengerechter Eingang geschaffen. In den Jahren 2017 und 2018 wurde die Sanierung des Bullenstalles umgesetzt und das Buswartehäuschen renoviert: Eigenleistung 455 Stunden.

Als letzte Maßnahme wurde mit 1.405 Stun-den Eigenleistung der Friedhof umgestaltet. Rückbau und Neuanlage der Fußwege, die Schaffung von zwei neuen Zapfstellen und die Entfernung des alten Bewuchses sowie Veränderungen an der Abfallgrube waren die Hauptarbeiten. Noch in diesem Jahr soll eine neue Urnenbestattungsform erfolgen, dazu soll ein weiterer Baum gepflanzt und Basaltsäulen oder Stehlen gesetzt werden.

Ortsvorsteher Geiß dankte abschließend Allen die zum Gelingen der Dorferneuerung beigetragen hätten und das Dorf mit seinen Einrichtungen, zu dem gemacht hätten, was es heute ist und wies auf die enorme Eigenleistung hin. Insgesamt 12.420 Stun-den entsprächen dem Zeitaufwand einer Firma mit sieben Arbeitern von etwas mehr als einem Jahr. "Der heutige Tag wird in die Geschichte von Unter-Seibertenrod eingehen: Denn das Dorferneuerungsverfahren findet seinen offiziellen Abschluss. Heute feiern wir, was alles in den vergangenen nunmehr elf Jahren im Ort getan wurde beziehungsweise wie viel sich in dieser Zeit für die Bewohnerinnen und Bewohner positiv verändert hat". So Bürgermeister Edwin Schneider in seinem Grußwort. Sich in unseren, wirtschaftlich gesehen, nicht gerade rosigen Zeiten auf ein Projekt einzulassen, das auch die Stadt viel Geld kostet, und sich in unserer schnelllebigen, von raschem Wandel geprägten Zeit auf ein über zehnjähriges Verfahren festzulegen, war und ist schon eine große Sache.

Nach weiteren Ausführungen zu einzelnen Maßnahmen betonte Schneider: "Wir können stolz darauf sein, was hier in den vergangenen 11 Jahren zustande gebracht wurde. Denn wir haben Unter-Seibertenrod viele Perspektiven für seine Zukunft gegeben und das dürfen wir jetzt feiern."

Kreisbeigeordneter Hans-Jürgen Herbst hob in seinen Ausführungen besonders das Projekt "Kulturelle Mitte" hervor, das mehr als 450.000 Euro plus 110.000 Euro zu Buche geschlagen habe. Insgesamt seien für kommunale Fördermaßnahmen 404.668 Euro an Zuschüssen ausgezahlt worden und 33 private Antragsteller hätten 293.280 Euro erhalten. Von den privaten Bauherren wur-den knapp 1,4 Millionen Euro in die dörfliche Bausubstanz investiert. Architekt Michael Ruhl präsentierte seien Ausführungen zum Abschluss der Dorferneuerung vor dem Hintergrund der Erschaffung der Welt und meinte zum ersten Tag: Bevor der Gott der Dorferneuerung Unter-Seibertenrod neu erschuf, gab es eine Bestandsaufnahme: Teilweise sehr mächtigen Scheunen sind großzügige Hofräume vorgelagert, deren Freiraum der dörferbaulichen Situation gut tut. Das Dorf atmet dadurch und bekommt zusammen mit dem offen gestalteten Ohmlauf einen lebendigen Charakter. Der zweite Tag behandelte die Arbeiten am Dorfbackhaus und über die "Kulturelle Mitte", die "Dorfmitte" ging die Geschichte bis zum Friedhof und damit dem Abschluss der Dorferneuerung.

Segensworte und ein Gebet von Christoph Hauth von der Chrischona Gemeinde schlossen sich an. Hauth überbrachte auch die Segenswünsche von Pfarrer Witzel. Für alle Vereine des Dorfes sprach Friedhelm Bast und wies auf zwei wichtige Erneuerungen in Unter-Seibertenrod bereits vor 200 und 100 Jahren hin. Hier seien die Schultheißen abgelöst und Bürgermeister vom Dorf gewählt und eine neue Wasserleitung geschaffen worden. Zwischen den Redebeiträgen spielten der Ev. Posaunenchor und der Posaunenchor der Chrischona Gemeinde. Mit einem gemeinsamen Kaffeetrinken wurde die Feier beendet. (gr) +++


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