Bei der Pressekonferenz wurde die aktuelle Lage in Afghanistan erläutert - Fotos: Carina Jirsch

FULDA Hoffnungslosigkeit, Terror und Taliban

Bischöfe fordern weiteres Engagement: "Afghanistan nicht allein lassen!"

21.09.21 - "Die Bilder vom Flughafen Kabul aus den Augusttagen, als viele Afghanen verzweifelt versuchten, den unmenschlichen Verhältnissen zu entkommen, sind uns allen noch sehr präsent. Soldaten mussten vor Ort miterleben, wie alles, wofür sie jahrelang eingetreten sind, in einem Desaster endete. Die Gewissheit, zahlreiche Menschen nicht weiter vor dem Zugriff der Taliban schützen zu können, bleibt für viele Soldaten eine schwere Belastung. Ging es während des Einsatzes häufig um Perspektiven, wie der einzelne Soldat die Anwendung von Gewalt mit seinem Gewissen in Einklang bringen kann, stehen sie jetzt vor der Herausforderung, das Einsatzende und die damit ebenso verbundenen individuellen Folgen zu bewältigen", beleuchtete Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck (Essen), Militärbischof für die Deutsche Bundeswehr die Situation in  Afghanistan. 

Der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick

Militärbischof Dr. Franz-Josef Overbeck

Pressevertreter im Dompfarrzentrum

Im heutigen Pressegespräch "Afghanistan zwischen Hoffnungslosigkeit, Terror und den Taliban – der Versuch einer friedensethischen Antwort" bei der Herbst-Vollversammlung 2021 standen aktuelle Fragen zum Machtwechsel in Afghanistan, der Situation für die Arbeit von kirchlichen Initiativen vor Ort sowie friedenspolitische und friedensethische Fragen auf dem Programm.

Der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer

Pressesprecher Matthias Kopp

Zuvor hatte der Bamberger Erzbischof Dr. Ludwig Schick als Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz eindringlich davor gewarnt, das Land am Hindukusch jetzt abzuschreiben. "Afghanistan ist nicht vorbei  - und darf auch nicht vorbei sein!", hatte der Bamberger Erzbischof für eine Fortsetzung des humanitären Engagements appelliert. "Eine gründliche Analyse der Ursachen, warum der Einsatz mit so viel Enttäuschung, Panik und Leid endete, steht noch aus. Die US-amerikanische und die europäische Politik müssen sich dieser Aufgabe stellen, auch um zukünftige Einsätze solcher Art besser durchzuführen. Sicherungs- und Verteidigungseinsätze müssen von vornherein als Friedensdienst geplant und durchgeführt werden. Viele sprechen vom gänzlichen Scheitern des internationalen Engagements. Das ist meines Erachtens zu früh. Aber deutlich ist schon jetzt: Das erklärte Ziel, Afghanistan dauerhaft zu stabilisieren, konnte auch nach 20 Jahren nicht erreicht werden! Es bedarf, wie ich meine, einer differenzierten und balancierteren Bewertung, bevor ein abschließendes Urteil gegeben wird", so Schick.

Als Vorsitzender der Deutschen Kommission Justitia et Pax , analysierte der Hildesheimer Bischof Dr. Heiner Wilmer: "Die schwierige und komplexe Situation in Afghanistan sowie des internationalen Engagements dort lässt sich mit der Perspektive des "War on terror" nur höchst unzulänglich erfassen. Vielleicht – nein höchstwahrscheinlich – hat dieser Blick, der die Verhältnisse dort vor allem aus der Perspektive unserer kurzfristigen Sicherheitsinteressen wahrnahm, zu jener verengten Politik beigetragen, deren Scheitern wir gerade erleben. Die Entwicklung eines Landes muss immer auf den Menschen des Landes, ihren Bedürfnissen und Perspektiven ruhen. Wirksame Unterstützung von außen weiß, dass sie sich mit den Menschen und ihrer Kultur verbinden muss." Dazu brauche es Verbindlichkeit, Respekt, Geduld und die Fähigkeit, sich auf die Kultur der anderen einzulassen. Es könne und dürfe nie darum gehen, unsere Lebensweise eins zu eins zu implementieren. "Vielmehr gilt es, gemeinsam mit den Menschen und vor dem Hintergrund ihrer Erfahrungen Antworten auf die Frage zu finden, wie eine menschenwürdige Gesellschaft aussehen kann, wie Partizipation und Gemeinwohlorientierung gewährleistet werden können. Heute stehen wir vor den Trümmern des internationalen Engagements. Und es macht viele, auch mich, ratlos und auch wütend, wie unvorbereitet und wenig geordnet die westlichen Kräfte auf die Entwicklungen reagieren", konstatierte der Bischof. (ci)+++


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