Die Union muss eine schwere Wahlschlappe verkraften - Foto: picture alliance/nordphoto GmbH Hafner

REGION O|N hat nachgefragt

CDU-Zustand nach der Wahlschlappe: "ernüchtert" bis "erneuerungsbedürftig"

29.09.21 - Am Dienstag nach der Bundestagswahl haben sich die Nebel weitgehend gelichtet und lassen nun eine nüchterne Analyse des Wahlergebnisses zu. Auch wenn eine handlungsfähige Regierung noch in weiter Ferne zu sein scheint, eines steht unmissverständlich fest: Die Union musste die herbste Wahlniederlage seit Bestehen der Bundesrepublik einstecken - und jetzt erstmal verdauen. Wir wollten von CDU-Politikern aus unserer Region wissen, was sie - jenseits von tiefschürfenden Grundsatzüberlegungen - zum aktuellen Zustand ihrer Partei sagen und wer oder was ihrer Meinung nach schuld an diesem Debakel trägt. Und den Blick nach vorn wollen wir auch nicht vergessen, denn eine Wahlschlappe ist kein Weltuntergang und Opposition zwar sicher Mist, wie es einst Franz Müntefering auf den Punkt brachte - doch auch Chance für Erneuerung. 

Hier die Antworten - kurz und knackig:

Manfred Helfrich Fotos: O|N-Archiv

Manfred Helfrich (CDU), Bürgermeister von Poppenhausen (Rhön):
Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

Ernüchtert

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?

Der CDU-Parteivorstand ignorierte die Meinung der Basis.

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Besinnung, Konsolidierung und Neuaufstellung in der Opposition


Dr. Heiko Wingenfeld

Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), Oberbürgermeister der Stadt Fulda

Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

Demütig

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?

Der Wahlkampf der Union startete zu spät und mit mangelndem Mannschaftsgeist. Es ist nicht gelungen, klar genug zu vermitteln, für welche Ziele und Inhalte die Union steht. Armin Laschet hat es bei starkem medialen Gegenwind leider nicht geschafft, die breite Bevölkerung als Kanzlerkandidat mit seinem Team zu überzeugen.

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Die Niederlage ist bitter, aber auch eine Chance für einen Neuanfang. Um weiterhin als Volkspartei zu überzeugen, ist eine inhaltliche und personelle Neuaufstellung erforderlich. Gerade kommt es darauf an, sich für die CDU zu engagieren!

Dr. Alois Rhiel

Dr. Alois Rhiel (CDU), Fuldas Ex-OB und ehemaliger Hessischer Wirtschaftsminister

Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

Wertebezogen erneuerungsbedürftig

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?

Schuld sind alle diejenigen, die sich zu wenig für die Union engagiert haben.

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Mit Zuversicht die Aufgaben anpacken, die uns für die Menschen gestellt sind.


Bernd Woide

Bernd Woide (CDU), Landrat des Landkreises Fulda

Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

Der Zustand der Union ist gegenwärtig besorgniserregend. Sie muss sich wieder auf ihren Markenkern besinnen und sich klarer und wahrnehmbarer als bürgerliche politische Kraft der Mitte positionieren. Die Bürgerinnen und Bürger müssen wissen, wofür die Union steht und wofür nicht.

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?

Den wesentlichen Grund für das schlechte Ergebnis der Union sehe ich nicht im Programm, sondern in der Person des Kanzlerkandidaten. Es ist kein Geheimnis, dass ich mich persönlich für Markus Söder als Kanzlerkandidaten der Union ausgesprochen habe. Herr Laschet hat sicherlich einen engagierten Wahlkampf geführt, aber er ist meiner Meinung nach gerade für viele Wählerinnen und Wählern, die der Union nahestehen, keine überzeugende Persönlichkeit, der man das Amt des Bundeskanzlers zutraut.

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Die Union hat die Bundestagswahl verloren und muss sich in dieser schwierigen Lage auf ihre politischen Grundüberzeugungen konzentrieren. Dazu gehören insbesondere: Soziale Marktwirtschaft, Schutz von Ehe und Familie, Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, innere und äußere Sicherheit. Eine Regierungsbeteiligung um jeden Preis macht keinen Sinn. Sie sollte nur dann erfolgen, wenn die politischen Positionen der Union sichtbar sind. Sollte dies nicht der Fall sein, ist der Gang in die Opposition ehrlicher und konsequenter.

Jürgen Diener

Jürgen Diener, Vorsitzender Mittelstands- und Wirtschaftsunion im Kreis Fulda

Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

Zwingend erneuerungswürdig

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?

Leider hat die Parteispitze mehrfach den Willen der Basis ignoriert, so verliert man Stammwähler. Die Wahlkampfstrategie hat sich mir bis heute nicht erschlossen, zu spät, keine Themen, keine Werte und vor allem junge Wähler wurden nicht erreicht.

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Wir sollten für die Sondierungen ein Expertenteam zusammenstellen, das die Themen Wirtschaft, Umwelt und Zukunft in den Fokus stellt mit dem Ziel, Jamaika regierungsfähig zu machen.

 

Markus Meysner

Markus Meysner, Hessischer Landtagsabgeordneter und CDU-Kreisvorsitzender in Fulda

Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

Aufarbeitend

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?

Die Union hat es nicht geschafft, ihre zentralen Themen an die Wählerinnen und Wähler zu bringen. Hinzu kam, dass es innerhalb der Mitgliedschaft große Unzufriedenheit mit der Kandidatenwahl gab und so die eigentlich notwendige Motivation und Einigkeit für einen Wahlkampf nur eingeschränkt vorhanden war. 

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Die Gründe für den Wahlausgang ordentlich aufarbeiten, das zukünftige Team neu ordnen und aufstellen,  CDU-Themen klar definieren und den Menschen klarmachen und nahe bringen, für was die Union steht. 

 

Dag Wehner

Dag Wehner, Bürgermeister der Stadt Fulda

Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

In einem Wort würde ich den Zustand der CDU mit "ernüchtert" beschreiben.

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?
 
Zu dem schlechten Ergebnis bei der Bundestagswahl haben sicherlich sehr viele Faktoren beigetragen. Angefangen von der Tatsache, dass die amtierende Bundeskanzlerin nicht erneut als Kandidatin zur Verfügung stand, über die schwierige Suche nach einer Nachfolgerin bzw. einem Nachfolger im Parteivorsitz und als Kanzlerkandidat bis hin zu einem holprigen Wahlkampf.

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Die CDU sollte das Wahlergebnis demutsvoll annehmen, zwar grundsätzliche Offenheit für Gespräche über eine Regierungsbeteiligung zeigen, aber nicht den Eindruck vermitteln, dass man aus diesem Ergebnis einen Regierungsauftrag ableitet. Daneben muss die interne Aufarbeitung der eigenen Fehler der vergangenen Jahre zeitnah beginnen. Ein inhaltlicher und personeller Neuaufbau ist m. E. erforderlich.


Patricia Fehrmann Foto: MIT

Patricia Fehrmann, Vorsitzende der CDU-Stadtverordnetenfraktion

Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

Tragisch

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?

Es gibt viele Gründe für das schlechte Abschneiden. Falsche Personalentscheidungen unter anderem bei der Wahl des Parteivorsitzenden, falsche Entscheidung bei der Wahl des CDU- Kanzlerkandidaten. Es wurde gegen den Willen der Basis nominiert. Auch inhaltlich haben wir uns von unseren Kernthemen zu weit entfernt, und wir konnten die Wähler im Wahlkampf mit unserem Angebot offensichtlich nicht für die Union gewinnen.

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Zunächst einmal werden sich FDP und Grüne verständigen, mit wem und mit welchen Inhalten sie in Verhandlungen treten wollen. Ich wünsche mir für die Zukunft unseres Landes aus politischer Sicht grundsätzlich eine Jamaika-Koalition, aber nicht um jeden Preis! Wir müssen uns dringend reformieren, personell und inhaltlich, für unsere Werte einstehen, eine starke Wirtschafts- und Familienpolitik anbieten, den Menschen Sicherheit gewähren, ein starker Partner in Europa sein, die Digitalisierung voranbringen und  Ökologie und Ökonomie vorantreiben. Auch junge Menschen müssen von uns besser angesprochen werden. Wir müssen das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen.


Veit Küllmer

Veit Küllmer, Fuldaer Bauunternehmer und CDU-Kreistagsabgeordneter

Wie würden Sie den Zustand der Union nach dieser Wahlschlappe in einem Wort beschreiben?

Kopflos

Wer oder was ist schuld an den heftigen Verlusten?

Untergang mit Ansage

Wie kann und soll es jetzt weitergehen?

Neuanfang: neue Köpfe braucht das Land
(ci) +++



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