Daniel Craigs letzter Auftritt als James Bond - Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress | Dave Bedrosian/Geisler-Fotopress

FULDA Vorhang zu für Daniel Craig

Kalter Krieger auf Eis: "Keine Zeit zu sterben” für James Bond

04.10.21 - Der 25. Bond-Film "Kein Zeit zu sterben" ist am Donnerstag in den deutschen Kinos angelaufen. Es ist der letzte für Daniel Craig - und das ist auch gut so.

Das Grundrezept für einen Bond-Film ist einfach: Der Staat und seine Akteure erscheinen zunehmend hilflos und nutzlos gegenüber den chiffrenhaft erscheinenden Manifestationen der Privatwirtschaft und deren Möglichkeiten - da braucht es einen echten Dandy im Dienste Ihrer Majestät, um den Nihilisten zu zeigen, wie cool konservativ sein kann.

Die frühen Bondfilme leben von der Aberwitz-Logik des Kalten Kriegs: Während sowohl Sowjets als auch Amerikaner den Finger auf dem Roten Knopf hatten, lauerten die eigentlichen Helden im Kampf ums Überleben der Großideologien einander auf - in Bars, Casinos und türkischen Bädern. Ob weißer, grauer oder schwarzer Hut: Hauptsache gut gekleidet und kulturell bewandert, als Allegorie auf die ambivalente Welt der Diplomatie, in der Habitus, Etikette und taktische Klugheit das Überleben sichern, wenn auch nur beim Staatsbankett. 

Nicht nur das "Ende der Geschichte" nach dem Fall des Eisernen Vorhangs hat die Bombast-Weltzerstörungsfantasien eines Großteils ihres Erregungspotenzials beraubt, auch der Held im Dienst des Staates scheint ausgedient zu haben: Zynische Antihelden mit einem ganzen Strauß von Neurosen haben übernommen - weil sonst niemand mehr die Welt retten will, müssen die Psychopathen ran.

Daniel Craigs Interpretation von 007 soll alle Charaktereigenschaften vereinen, die der Bourne-Filmreihe zum Erfolg verholfen haben: Traumatisiert und seiner selbst unsicher stapft Craig durch Kulturräume, die Sean Connery noch traumwandlerisch und panthergleich bemeistert hat, Martini in der einen, Girl in der anderen. Der unselige Bruderkonflikt mit Ernst Stavro Blofeld (Christoph Waltz), dem "Urheber all seiner Schmerzen", zwingt Bond dazu eine absurde Schattenarbeit auf, an deren Ende Craig wenigstens seinem liebsten Hobby frönen darf. Wir sehen uns wieder, 007 - vielleicht ja das nächste Mal wirklich als schwarze Frau. (mau) +++


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