Oberst d.R. Willi Dechert (rechts) weist die Reservisten in das Übungsdorf Bonnland ein. - Fotos: Dieter Graulich

HERBSTEIN In Hammelburg

Reservisten auf Exkursion: Infanterieschule und Truppenübungsplatz

21.10.21 - Rund zwei Dutzend Mitglieder der Reservistenkameradschaften Lanzenhain und Eiterfeld starteten jetzt unter Leitung von Oberst der Reserve (d.R.) Willi Dechert zu einer Militärhistorischen Exkursion nach Hammelburg. Ziel war hier die Infanterieschule sowie der Truppenübungsplatz mit dem Übungsdorf Bonnland.

In der Schule begrüßte der Kommandeur der Infanterieschule und General der Infanterie Brigadegeneral Michael Matz die Reservisten persönlich. Nach der Begrüßung informierte Brigadegeneral Matz in einem Vortrag die Besuchergruppe über Auftrag, Struktur und Besonderheiten der Ausbildungseinrichtung. Die Infanterieschule ist schon seit Aufstellung der Bundeswehr 1956 die zentrale Ausbildungsstätte der Infanterie und mit derzeit 2500 Dienstposten die größte Schule des Deutschen Heeres. Der Schule sind die Gebirgs- und Winterkampfschule in Mittenwald, die Luftlande-/Lufttransportschule in Altenstadt und der Ausbildungsstützpunkt "Spezialkräfte Heer" in Calw unterstellt.

Weiter gehts auf den Truppenübungsplatz

Die Reservisten vor Schloss Greifenstein

Es werden Offiziere und Unteroffiziere der Infanterie des Heeres und der Luftwaffensicherungstruppe sowie Marineschutzkräfte ausgebildet. Die Schule unterhält internationale Partnerschaften, wie beispielsweise mit der US United States Army Infantry School in Fort Benning Bundesstaat Georgia und weiteren Ausbildungseinrichtungen der französischen, niederländischen oder israelischen Streitkräfte. Nach diesen ausführlichen Informationen gab es vonseiten der Reservisten eine kleine Überraschung für Brigadegeneral Matz, denn RK Mitglied Lars Krüger (Wernges) überreichte ihm einen von ihm erstellten Bildband von allen Übungen des Jägerregiment 1 Schwarzenborn im Vogelsberg. Krüger ist seit mehreren Jahren Multiplikator der Truppe.

Im Anschluss fuhr die Gruppe auf den Truppenübungsplatz. Bereits auf der Fahrt nach Hammelburg hatte Reiseleiter Dechert im Bus über die wechselvolle Geschichte des Truppenübungsplatzes mit den Ortschaften Bonnland und Hundsfeld informiert, der 1895 vom bayerischen Kriegsministerium für das 2. Armeekorps geschaffen wurde. Nach Ende des Ersten Weltkrieges wurde aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrages der Truppenübungsplatz aufgelöst.

1935 übernahm die Heeresverwaltung wieder den ehemaligen Truppenübungsplatz und nutzte diesen für den Aufbau weiterer Einheiten für die neue Wehrmacht. Während des Zweiten Weltkrieges wurde er als Gefangenenlager und Lazarett genutzt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Hammelburg, bis zur Übernahme der Einrichtungen am 1. April 1956 durch die Bundeswehr, US-Garnison.

Besonderheit: Dorf Bonnland

Im Museum befinden sich auch fünf Flaggen aus dem Tannenberg-Denkmal in Ostpreußen, ...

Eine Besonderheit auf dem Truppenübungsplatz Hammelburg ist das ehemalige Dorf Bonnland, das als einzigartige Übungsanlage für den Orts- und Häuserkampf von der Bundeswehr und den alliierten Streitkräften sowie auch von Polizei, THW, Feuerwehr, DRK und weiteren Hilfsorganisationen zur Ausbildung genutzt wird. Dieses Dorf hat eine sehr bewegte Geschichte. Bereits 1895 musste mit 430 Tagwerk nahezu die Hälfte der landwirtschaftlich genutzten Fläche an das Militär abgegeben werden. Nach Ende des I. Weltkrieges wurden die Flächen nicht wieder zurückgegeben, sondern durften nur weiter genutzt werden. 1938 musste Bonnland sowie Hundsfeld geräumt werden. Auch der Urenkel Friedrich von Schillers, Alexander von Gleichen-Rußwurm, musste mit seiner Frau, das am Rande des Dorfes liegende Schloss Greifenstein, das über 450 Jahre im Besitz seiner Familie gewesen war, räumen.

Ab dem Jahre 1945 fanden viele Flüchtlinge in der verlassenen Ortschaft eine vorübergehende neue Heimat. Am 1. April 1949 wurde Bonnland, das mittlerweile 550 Einwohner zählte, wieder eine politische Gemeinde.

Am 1. April 1956 kam es zu einer erneuten Absiedelung von Bonnland und Hundsfeld und am 14. Januar 1965 verließen die letzten Einwohner von Bonnland das Dorf, das seitdem als Übungsdorf für den militärischen Häuserkampf genutzt wird.

Höhepunkt und Abschluss

Lars Krüger übergibt Brigadegeneral Matz einen von ihm erstellten Bildband. Mit ...

Oberst Dechert wies vor der Begehung in einem Lehrsaal die Reservisten in die Ortschaft hin. Auf dem Hinweg war eine belgische Einheit beim Häuserkampf zu beobachten. Höhepunkt und Abschluss der Exkursion war die Teilnahme an einer Unterweisung über die Benutzung von Farbmarkierungsmunition. Diese wird in einer Duellsituation mit den Originalwaffen eingesetzt und zeigt reale Treffer an, wodurch zum Beispiel eine realitätsnahe Verwundeten Versorgung geübt werden kann. Bei dieser Ausbildung müssen alle speziell Schutzausrüstung tragen. In einem eigens dafür eingerichteten Übungshaus, in dem eine möblierte Wohnung mit Küche, Wohnzimmer usw. nachgebildet wurde, konnten die Reservisten von einem sogenannten Catwalk, einem über den Räumen befindlichen Laufsteg, das Übungszenario (vorgehen in einem Haus) eines Kompaniechef-Lehrgangs verfolgen.

Letzter Programmpunkt war unter fachkundiger Führung der Besuch des Infanteriemuseums. Hier sind Uniformen, Waffen und Ausrüstungsgegenstände von der Armee des Kaiserreichs bis zur heutigen Bundeswehr ausgestellt. Ende der Exkursion war ein gemeinsames Abendessen im Unteroffiziersheim Hammelburg. (gr) +++


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