Am eiskalten Tatmorgen des 14.Februar 2021 in Fulda Neuenberg - O|N-Archivbild

FULDA "Sein Verlust ist tragisch - ich leide mit!"

Angeklagter zum Tatmotiv: "Er hat mir einen Dolch ins Herz gerammt!"

22.10.21 - Fortsetzung im Prozess am Fuldaer Landgericht gegen Mohammad H., der angeklagt ist, den vermeintlichen Liebhaber seiner Ehefrau am frühen Morgen des 15. Februar dieses Jahres gezielt in dessen Pkw in Fulda-Neuenberg erschossen zu haben. Der 38-Jährige ließ am Donnerstagvormittag ein vollumfängliches Geständnis durch einen seiner drei Verteidiger verlesen. Darin wird die Vorgeschichte der Tat, ihre Ausführung und das Motiv des Angeklagten detailreich dargelegt. 

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Dem 38-Jährigen aus Dorsten in Nordrhein-Westfalen wirft die Anklage vor, seinen ebenfalls aus Syrien stammenden 41-jährigen Freund unter Ausnutzung von dessen Arg- und Wehrlosigkeit aus Eifersucht und dem Gefühl verletzter Ehre getötet zu haben. Beide Männer kannten sich bereits seit 2005 aus Syrien und waren eng befreundet. Sie flohen 2015 über die Türkei nach Deutschland, wo beide Männer mit ihren Frauen und jeweils fünf Kindern eine neue Heimat fanden. Ihre enge Beziehung beschrieb der 38-Jährige mit den Worten: "Wir hatten gegenseitig mehr Vertrauen zueinander als zu unserer eigenen Familie, wir waren wie Brüder." Auch die Frauen und Kinder der beiden Männer waren miteinander befreundet, man besuchte sich oft und regelmäßig.

Staatsanwältin Dr. Christine Seban und Nebenklagevertreter Knud Hillenbrand ...

Irgendwann im Jahr 2019 habe sich das Verhalten seines Freundes und seiner eigenen Frau verändert - "sie waren irgendwie geheimnisvoll miteinander". Als er seine Frau daraufhin zur Rede gestellt habe, hätte die angefangen zu weinen und als er in sie drang, sich ihm zu offenbaren, habe sie gesagt, sie traue sich nicht, darüber zu sprechen. Da der 38-Jährige wusste, dass sie unter Depressionen litt und auch entsprechende Medikamente nahm, drang er nicht weiter in sie. "Ich wusste ja, sie hat ein zerbrechliches Gemüt", begründete der Angeklagte seine Zurückhaltung in seiner Erklärung.

Misstrauisch geworden, installierte der 38-Jährige eine versteckte Kamera in seiner Küche. Bei einem Besuch der Fuldaer Familie in Dorsten habe sein Freund seine Frau allein abgepasst, ihr gesagt, wie hübsch er sie finde. Er liebe sie und könne nicht von ihr ablassen. Nachdem der Angeklagte das mittels der Aufzeichnungen mitbekommen hatte, war er völlig fassungslos. "Etwas ist da in mir gestorben, ich habe nur noch geweint." Seine Frau hatte ihm mittlerweile berichtet, A. habe ihr bereits seit April 2019 Avancen gemacht, sie geküsst und sie aufgefordert, sich von ihrem Mann zu trennen. "Ich wusste nicht, wie ich mit seinem Verrat umgehen sollte - es wäre bei jedem anderen auch schlimm gewesen, aber er war wie mein Bruder!", beschrieb der Angeklagte sein Gefühl der Herabsetzung. Nachdem er A. telefonisch damit konfrontiert hatte, dass er von seinen Absichten wusste, habe kein weiterer Kontakt zwischen den Familien mehr stattgefunden. 

Richter Josef Richter

Erst im Februar dieses Jahres habe er bemerkt, dass seine Frau das Foto einer roten Rose per Handy von einer türkischen Telefonnummer zugeschickt worden war. "Er will mich nicht in Ruhe lassen", habe seine Frau ihm berichtet. Wenn sie sich nicht zu seinen Gunsten von ihrem Mann trenne, wolle er schlimme Gerüchte über sie in Umlauf bringen. Darüber geriet der Angeklagte außer sich. "Er hat mir einen Dolch ins Herz gerammt, mich mit Füßen getreten", schilderte er seine Gefühle. Deshalb habe er sich ins Auto gesetzt und sei nach Fulda gefahren. "Mein größter Fehler war, die Pistole mitzunehmen." Erst habe er das Haus im Klosterwiesenweg nicht gefunden und sei völlig verwirrt umhergeirrt. Schließlich traf er den 41-Jährigen, der gegen 4 Uhr morgens zu seiner Arbeit starten wollte und in seinem Auto saß. Dieser habe ihn beschimpft und gedroht, ihn zu überfahren, wenn er nicht aus dem Weg gehe. "Da habe ich die Kontrolle über mich verloren und die Pistole auf ihn gerichtet." Doch das habe den 41-Jährigen offenbar nicht beeindruckt: er solle erstmal lernen, mit der Waffe umzugehen, habe der ihm zugerufen und wollte offenbar losfahren. Da habe er durch die Scheibe zwei Schüsse auf ihn abgegeben, sei völlig kopflos zu Fuß geflohen und schließlich mit einem Taxi nach Remagen zu einer Tante gefahren. "Ich konnte nicht fassen, was passiert war und war innerlich taub."

Einen Tötungsvorsatz bestritt der Angeklagte in seiner Erklärung. "Wenn ich das vorgehabt hätte, hätte ich niemals mein Handy mitgenommen, denn das weiß doch jedes Kind, dass man jemanden damit orten kann", hieß es in seiner Erklärung. "Ich wünschte, A. sei nicht gestorben." Dessen Verlust sei tragisch für dessen Familie, er leide mit ihnen.

Die Verhandlung wird am morgigen Freitag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt. Das Urteil wird Mitte Dezember erwartet. (ci)+++


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