Festspiel-Intendant Joern Hinkel bei der Pressekonferenz in Bad Hersfeld - Fotos: Hans-Hubertus Braune

BAD HERSFELD "Mapping" in der Stiftsruine

"Notre Dame" und zwei Wiederaufnahmen: Vorfreude auf die Festspiele 2022

20.11.21 - "Gott bewahre uns vor einer fünften, sechsten oder siebten Welle", sagt Gil Mehmert und drückt aus, was viele Menschen und natürlich auch die Theaterleute denken: Sie möchten wieder das Leben genießen. Und dazu gehört wunderbares Theater. Voller Vorfreude auf eine hoffentlich unbeschwerte Festspielsaison präsentierten Intendant Joern Hinkel und Mehmert am Freitagvormittag traditionell bei der Sparkasse in Bad Hersfeld das Programm der nächsten Spielzeit.

Doch die Corona-Pandemie macht auch die Planungen für das im deutschsprachigen Raum bekannte und angesehene Freilufttheater schwierig. Die 71. Bad Hersfelder Festspiele sind vom 1. Juli 2022 bis 28. August 2022.

1.300 Zuschauer pro Aufführung geplant

Pressekonferenz bei der Sparkasse in den Dudenstraße in Bad Hersfeld

Regisseur Gil Mehmert, Sparkasse-Vorstand Reinhard Faulstich, Intendant Joen Hinkel ...

Regisseur Gil Mehmet

Derzeit werde mit einer Kapazität von 1.300 Zuschauern pro Aufführung und der 2 G-Regel (geimpft oder genesen) geplant. Der Vorverkauf für das Familienstück "Der kleine Glöckner" beginnt erst im Frühjahr 2022. Hinkel und sein Team wollen verhindern, dass sie die Stiftsruine nicht komplett füllen können und bereits verkaufte Tickets wieder zurückgeben müssen. Das sorge für mehr Enttäuschung und sicher auch größerem Aufwand. Trotz all der Widrigkeiten konnte bereits eine vielumjubelte Festspielsaison 2021 gemeistert werden. Mit den erfreulichen Reaktionen und der weiter großen Nachfrage werden das Musical Goethe! und "Der Club der toten Dichter" im kommenden Jahr erneut aufgeführt. Für den "Club der toten Dichter" gibt es viele Anfragen etwa von anderen Theatern. "Ich werde immer wieder gefragt, wer die Rechte hat?", erzählt Hinkel. "Die haben wir", freut sich der Intendant. Deshalb werde das Stück zumindest im nächsten Sommer exklusiv in Bad Hersfeld aufgeführt.

Bürgermeister Thomas Fehling

Vorstand Reinhard Faulstich von der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg

Hinkel lobte in der Pressekonferenz am Freitag Regisseur Gil Mehmert für seine Leidenschaft und seine Begeisterung, trotz aller Herausforderungen und Widrigkeiten der Corona-Pandemie nicht aufzugeben und nach vorne zu schauen. Mehmert erzählte von dieser Zeit und Demut. "Man wird sehr demütig", sagt Mehmert, der große Kulissen mit tausenden Theaterbesuchern gewohnt sei und nun sei er froh, wenn zumindest ein paar Menschen zuschauen dürfen. So wie früher zu Beginn seiner Karriere auf kleinen Bühnen in München - wo er vor wenigen Zuschauern erste Erfahrungen sammelte.

Ein besonderes Glockenerlebnis vom Intendanten

Mit großer Spannung und Vorfreude werden viele Festspielbesucher auf die Uraufführung von Notre Dame auf der Festspielbühne in Bad Hersfeld blicken. Intendant Joern Hinkel wird Regie führen. Er erzählt den Pressevertretern von seinem "Glockenerlebnis" in Bad Hersfeld als er drei Kirchtürme bestieg und eine Glocke um 18 Uhr ertönte. Ein bleibendes Erlebnis in unmittelbarer Nähe zur Glocke. Hinkel fasste den Entschluss, den 650-seitigen Roman "Notre Dame" von Victor Hugo zu lesen: "Ich war begeistert". Das Stück passe in die heutige Zeit der "Ich-Gesellschaft". Als Familienstück ist dazu "Der kleine Glöckner" geplant. Die ganze Geschichte sei so gekürzt, dass sich auch kleine Menschen freuen können, heißt es in der Beschreibung. Der Vorverkauf startet jedoch erst im Frühjahr 2022, sobald absehbar sei, ob und mit wieviel Zuschauern das Stück insbesondere für Kinder und Jugendliche aufgeführt werden kann.

Christine Bossert führt Regie in "Volpone" von Ben Jonson. Die Komödie soll im Schloss Eichhof aufgeführt. Hinkel ist froh, wenn die Spielstätte am Stadtrand nach zweijähriger Unterbrechung wieder genutzt werden kann.

"Ich bin sehr glücklich hier"

Der Intendant verbreitet während der Pressekonferenz eine schöne und optimistische Atmosphäre. "Ich bin sehr glücklich hier", sagt Hinkel, dessen Vertrag um drei Jahre verlängert wurde und: "eine schönere Bühne kann man sich nicht vorstellen." Hinkel und Bad Hersfeld - das passt einfach. Artig verteilte Hinkel ein Extra-Lob an den langjährigen Sponsor. Reinhard Faulstich vom Vorstand der Sparkasse Hersfeld-Rotenburg ist ebenso gewiss kein Mann der "lauten" Worte. Trotzdem wird spürbar, mit wieviel Leidenschaft und Überzeugung sich die Sparkasse für die Festspiele einsetzt. "Ich spüre, wie sie sich mit dem Theater beschäftigen und das Enagement der Mitarbeiter hier. Das ist kein Dienst nach Vorschrift", sagte Hinkel. Zum Abschluss der Pressekonferenz sagte Faulstich zum Programm der Festspielsaison 2022: "Das lässt richtige Vorfreude aufkommen".

Die Schauspieler - das Ensemble wird wie gewohnt später vorgestellt -, die Macher, Sponsoren, Techniker, die Crew im Backstage-Bereich, die Theaterfans, die heimische Wirtschaft und die Dienstleister und ja, sicher auch die Presse freuen sich, wenn die berühmte Festspielfanare am 1. Juli 2022 ertönt und an wunderbaren Sommerabenden dieses einzigartige Festspielgefühl in der Stadt spürbar ist. Und das möglichst ohne Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie. Und wenn doch: "2021 ist der Beleg dafür, wie man mit diesem blöden Virus umgehen kann", sagte Bürgermeister Thomas Fehling. Weitere Coronavirus-Wellen will niemand.

Weitere Informationen zum Programm und dem Ticket-Vorverkauf ab dem 29. November 2022 gibt es im Internet unter der Adresse https://www.bad-hersfelder-festspiele.de . (Hans-Hubertus Braune)

Weitere Hintergründe aus der Pressemitteilung:

Uraufführung zur Premiere am 1. Juli 2022: Notre Dame

Notre Dame wird am 1. Juli 2022 die 71. Bad Hersfelder Festspiele eröffnen und das Publikum wird die Stiftsruine ganz neu erleben - so wie es sie noch nie in der über 70-jährigen Festspielgeschichte gesehen hat. Festspiel-Intendant Joern Hinkel wird gemeinsam mit dem Dramaturgen Tilman Raabke im nächsten Sommer eine eigene Fassung des weltberühmten Romans Der Glöckner von Notre-Dame unter dem Titel Notre Dame auf die Bühne der Stiftsruine bringen.

Victor Hugos Roman erschien 1831 unter dem Titel Notre-Dame de Paris. 1482 und wurde sofort ein Bestseller. Der Roman gehört mit seiner poetischen Sprache zu den bedeutendsten Werken der Weltliteratur, viele kennen den Klassiker von Victor Hugo aus dem 1956 gedrehten Film, mit Gina Lollobrigida als Esmeralda und Anthony Quinn als Quasimodo, als schwülstige Liebesgeschichte inszeniert, die den Fokus stark auf das ungleiche Paar richtet. Bei den Bad Hersfelder Festspielen wird die Geschichte von Quasimodo und Esmeralda nur ein Teil der Inszenierung sein. Joern Hinkel wird mit seinem Team die romantischen, manchmal auch grotesken Szenen sowie die historischen und philosophischen Betrachtungen des Romans einbeziehen. "Die darin aufgeworfenen Fragen zu Ausgrenzung, Vorurteilen und gesellschaftlicher Stimmungsmache sind heute aktueller denn je", betont Joern Hinkel. Quasimodo sei nicht der einzige, der um die Liebe der geheimnisvollen Tänzerin wirbt. Sein Gegenspieler, der Erzdiakon Claude Frollo, gehört zu den interessantesten und widersprüchlichsten Charakteren der Literaturgeschichte. Auch der eitle Hauptmann Phöbus und der erfolglose Dichter und Schauspieler Gringoire gehören zu den Bewerbern, jeder mit seinen ganz eigenen Interessen.

Neue Technik: Mapping in der Stiftsruine

Mit Hilfe des sogenannten "Mapping" werden den Festspielbesucherinnen und Festspielbesucher die Stiftsruine ganz neu erleben. "Wir wollen zum ersten Mal eine Technik zum Einsatz bringen, die mit computeranimierten Projektionen arbeitet, die direkt auf die Architektur der Stiftsruine zugeschnitten sind. Das "Mapping" macht es möglich, dass sich die historischen Sandsteinwände zu bewegen scheinen, dass plötzlich Steine aus dem Mauerwerk fallen oder das ganze Kirchenschiff in Brand steht. Wenn Sie so wollen: eine Fortführung der "Laterna Magica" mit den Mitteln modernster Technik."

Das Mapping wird der Frankfurter Videokünstler, Komponist und Sounddesigner Parviz Mir-Ali entwickeln, der beispielsweise 2006 anlässlich der Fußball-WM die Frankfurter Skyline zu einer gigantischen Lichtkulisse verwandelte, der beim Hessentag in Bad Hersfeld die Stiftskirche in neuem Licht erstrahlen ließ, der in diesem Jahr im Auftrag der Evangelischen Kirche den Luther Moment mit Schauspiel, neu komponierter Musik und 3D-Mapping auf der Fassade der Wormser Dreifaltigkeitskirche anlässlich des großen Jubiläumsjahres 500 Jahre Wormser Reichstag in Szene setzte, aber auch schon bei Theaterproduktionen am Burgtheater, an den Schauspielhäusern in Hamburg, Bochum oder bei den Salzburger Festspielen tätig war.

Bürgermeister Thomas Fehling ist neuer Technik gegenüber immer aufgeschlossen und begrüßt die Pläne sehr: "Der Stiftsruine können wir aus guten Gründen kein Härchen krümmen – ihrem "digitalen Zwilling" eventuell schon! Wenn die Verantwortlichen der Festspiele neue technische Wege gefunden haben, um bestimmte künstlerische Vorstellungen an historischem Ort trotzdem umzusetzen, finde ich das clever und spannend. Das ist nicht nur innovativ, sondern erfüllt auch meine Erwartung, dass sich die Festspiele jedes Jahr weiterentwickeln müssen. Ich freue mich auf das Ergebnis." +++


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