- Fotos: privat

BAD KISSINGEN Kommissarischer Vorstandsvorsitzender

Rot-Kreuz-Verband: Michael Rendl will "Kissinger Komödienstadl" beenden

21.11.21 - Michael Rendl heißt der neue, für die nächsten sechs Monate kommissarisch amtierende erste Vorstandsvorsitzende des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) im Kreisverband Bad Kissingen. Dort hatte es zuletzt, eigentlich schon über Jahre hinweg, heftige Turbulenzen und "Grabenkämpfe" zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen gegeben, was unter anderem in einem "E-Mail-Rücktritt" der dreiköpfigen Vorstands-Spitze gipfelte, die mit dem 24-Mann/Frau-Gremium zunächst im September eine neue hauptamtliche Kreisgeschäftsführerin, Margit Schmaus, eingestellt, dieser jedoch nach nur acht Wochen in der Probezeit wieder gekündigt hatte. Was wiederum - nach Intervention des Bezirksverbands - den obersten Chef des Bayerischen Roten Kreuzes in München, Theo Zellner, auf den Plan rief und letztlich dazu veranlasste, Schmaus nur einen Tag später wieder in Amt und Würden zu heben.

Michael Rendl.

Den "Kissinger Komödienstadel" (O|N berichtete ausführlich) - man könnte es auch eine "Tragödie in mehreren Akten" nennen - will nun Michael Rendl beenden. Der 53-jährige gebürtige Rotenburger und in Bebra aufgewachsene Banker, seit 2009 Schatzmeister des Kissinger BRK-Ortsverbandes, möchte die bis dato zwei konträren Lager und eine dritte Gruppe, die keine Lust auf Lagerbildung hat und nur ihre Arbeit machen will, in Haupt- und Nebenamt wieder zusammenführen. "Ich habe keine Lust auf weiteren Streit. Ich setze mich für einen Neuanfang ein. Ich sehe mich als Brückenbauer", so die eindeutigen Appelle in seiner Antrittsrede.

Rendl sieht sich "keinem Lager zuordenbar" und hat sich nach entsprechenden Vorgesprächen auf einer außerordentlichen, vergangenen Montag kurzfristig einberufenen Vorstandssitzung nach einstimmigem Votum für ihn dazu bereiterklärt, das Amt des geschäftsführenden Vorsitzenden für die kommenden sechs Monate zu übernehmen - damit der Rot-Kreuz-Kreisverband - gerade in der erneut prekären Corona-Katastrophenlage - überhaupt handlungsfähig bleibt und ihm, im schlimmsten Falle, nicht sogar eine Auflösung droht. Im nächsten halben Jahr muss laut Satzung eine ordentliche Mitgliederversammlung einberufen werden, um einen neuen Vorstand zu wählen. Ob Rendl dann fest für das Amt des ersten Vorsitzenden zur Verfügung stehen wird, ließ er zum jetzigen Zeitpunkt im Gespräch mit O|N noch offen. Sein Schatzmeisteramt hat er indes aufgegeben, vom zweiten zum ersten "Kassierer" rückt für ihn Herbert Kolb hoch.

"Wir sollten und wir werden Frau Schmaus eine Chance geben, als hauptamtliche Geschäftsführerin im Kreisverband anzukommen und sich uneingeschränkt zu bewähren - auch wenn möglicherweise hinsichtlich Mitarbeiterführung und Kommunikation nicht alle zu 100 Prozent hinter ihr stehen und mit ihren Vorstellungen übereinstimmen sollten", sieht Rendl die Situation pragmatisch. "Man muss beide Seiten hören, jedem die Luft geben ehrlich arbeiten zu können. Dann werden wir beweisen, dass es funktioniert. Auch wenn sich nicht alle lieb haben."

Damit sich "auch schwierigere Menschen" im Kreisverband Bad Kissingen des Bayerischen Roten Kreuzes "wiedererkennen, finden und engagieren" können, will Rendl gemeinsam eine Strategie entwickeln und aus einer ersten Stabilisierungsphase dann gestärkt hervorgehen. Es könne nicht sein, dass der Rot-Kreuz-Verband über mehrere Wochen hinweg handlungsunfähig gewesen sei, "mit rund 240 haupt- und 1.800 ehrenamtlich Mitarbeitern sind wir doch keine Würstchenbude." Man müsse sachlich debattieren, nach Innen stabilisieren und sich in der Außendarstellung solidarisieren.

An konkreten, dringlich und akut anstehenden Verbesserungs-Notwendigkeiten benennt der hochmotivierte kommissarische Vorsitzende einen breiten Maßnahmenkatalog: das (wegen Corona stockende) Wiederhochfahren des Pflegedienstes sowie der Altkleidersammlungen, die Wiedereröffnung eines Rot-Kreuz-Ladens, die Unterstützung des reaktivierten Kissinger Impfzentrums mit Rot-Kreuz-Personal, die Erstellung eines Wirtschaftsplans für 2022 sowie die schon gut angelaufene weitere finanzwirtschaftliche Konsolidierung in Richtung einer "Schwarzen Null". Die Mitgliederversammlungen will Michael Rendl künftig in einem engeren Turnus (monatlich) durchführen, den Personalrat stärker mit einbinden, überschaubarere Strukturen schaffen und auch Mitarbeiter über Befragungen, Fortbildungen, Seminare und Führungskräfte-Coachings weiter- und höherqualifizieren.

"Das sind quasi die letzten Pfeile, die wir im Köcher haben", verdeutlicht der Vorstandsvorsitzende im exklusiven OSTHESSEN|NEWS-Gespräch den Ernst der aktuellen Lage im und um den Rotkreuzverband Bad Kissingen. "Wir sind schon systemrelevant, aber es gibt auch noch weitere potente Mitbewerber in unserem Beritt. Und wir sollten der Marke ‚Rotes Kreuz‘ und den einhergehenden hehren Grundsätzen, die auch auf unserem Briefpapier stehen, durch egoistisches und spalterisches Verhalten nicht noch mehr Schaden zufügen. Jeder Einzelne im Haupt- und Ehrenamt sollte sich selbst reflektieren und nicht jeden Fehdehandschuh gleich aufgreifen. Ich sehe mich - nochmals ganz deutlich gesagt - als Brückenbauer für das gesamte Personal. Denn niemand möchte wirklich seine Eigenständigkeit verlieren und vom BRK-Landesverband in München aus gesteuert werden", so die abschließende "Botschaft" von Michael Rendl. (Hans-Peter Ehrensberger) +++


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