Friedrich Rau spielt auch am Sonntagabend in der alten Universität - Alle Fotos: Martin Engel

FULDA Konzert der Extraklasse

Friedrich Rau in der alten Universität: Always look on the bright side of life

29.11.21 - Fuldas Musical-Szene wäre ärmer, wenn Friedrich Rau seinem ersten Impuls gefolgt und Trompeter geworden wäre. Glücklicherweise hatte er nicht das passende Gebiss (sagt er). Auch die Lehrerkarriere vermochte es nicht, ihn dauerhaft zu fesseln. Woran eine Musikstunde schuld gewesen sei (sagt er).

Give the audience a grin

Als im letzten Teil des Konzerts "Always look on the bright side of life" erklingt, der Monty Python-Klassiker aus "The Life of Brian", sind wir Zuhörer/innen mit Friedrich Rau fast am Ende seiner musikalischen Lebensreise angekommen. Er hat uns von seinen Anfängen erzählt, von den Zweifeln, Umwegen und Krisen, und von dem, was ihn stark gemacht hat. Und auf einmal wird dieser mehr als 40 Jahre alte Song zum Soundtrack der Pandemie – und wie man damit klarkommt. Aus dem Dreck, in dem man steckt, muss man sich schon selber herausziehen, denn: "Life’s a piece of shit, when you look at it, life’s a laugh and death’s a joke, it’s true.” Da hilft nur Optimismus.

Ein musikalisch erzählter Lebenslauf

Spätestens seit dem "Medicus" ist der Musicalsommer ohne Friedrich Rau schwer denkbar. Als forschender Arzt Rob Cole begeisterte er Tausende von Fans. Deshalb fehlen natürlich die großen Melodien aus diesem Musical nicht: "Das ist mein Weg", mit dem er das Konzert beginnt, "Ich muss es tun" und "Es fühlt sich nach Heimat an" am Ende. Schon spannend, dass die Musical-Songs auf diese Weise eine Textur und Tiefe bekommen, die sie sonst nicht hätten. An diesem Abend setzen sie Schlaglichter, verdichten Wendepunkte, Höhepunkte und Krisen eines Lebens.

Rau erzählt mit "Circle of Life" (The Lion King) von seiner Geburt, die deutlich weniger spektakulär war als bei Simba, und wird fast andächtig, wenn er von den großen Genies erzählt, die ihren Weg früh kannten – "Ich bin Musik" (Mozart). Aber auch, wenn Rau sich viele Jahre nicht ganz über den musikalischen Weg traute, so war Musik doch immer da – und praktischerweise konnte er damit sogar ein bisschen Geld verdienen. Dafür steht Billy Joels "Piano Man", diese wundervoll lakonische Ballade, bei der der Mann am Klavier den Menschen um ihn herum ins Innerste schaut. Das grandiose Harmonica-Intro kann Rau am Klavier natürlich nicht nachstellen, aber der lässigen Empathie Joels kommt er doch ziemlich nahe.

Lemon Tree als Wendepunkt

Wenn man Rau in seinen diversen Musical-Rollen erlebt hat – in Fulda außer im Medicus auch als Sturmius (Bonifatius) und Robert Louis Stevenson (Schatzinsel), mag man kaum glauben, dass er so lange nicht an seine Musical-Karriere glaubte. Er wächst zwar mit Musik auf, wählt aber zunächst den scheinbar sicheren Weg ins Lehramt, Hauptfach Musik, Nebenfach Informatik ("ich habe gelitten!"). Tatsächlich macht er sein 1. Staatsexamen und steht kurz vor dem Referendariat, entscheidet dann aber, Sänger werden zu wollen, was im Schulamt mit Gelächter quittiert wurde. Immerhin war Rau da bereits ‚Beamter auf Widerruf‘.

Aber Musik kann sehr verführerisch sein, sie holt sich diesen so lange so widerspenstigen Sänger dann doch. Fast nach Lehrbuch passierte das im Musikunterricht, der Lehrer studierte mit seiner Klasse "Lemon Tree" von Fools Garden ein. Nicht vergessen, wir sind in Zwickau. Rau ist gewohnt, sich das Sächsische sprechend und singend auszutreiben, jener Musiklehrer nahm es damit nicht so genau. Die Schüler lernten also eine angel-sächsische Version von "Lemon Tree", die Friedrich Rau uns auch nicht vorenthält und damit Lachstürme erntet. Diese Musikstunde wurde sein Moment – sein Adieu an den Lehrerberuf und seine Hinwendung zur Musik. Von nun an nie mehr "I’m sitting here in a boring room."

Ein Konzert wie ein Hausmusikabend

Es macht großen Spaß, diesen sympathischen, unprätentiösen Künstler zu erleben. Er stilisiert sich nicht zum Helden – weder tragisch noch romantisch. Da singt und erzählt ein ganz normaler Kerl und lässt uns ein wenig in sein Leben schauen. Rau bietet uns dabei keine polierte und geschönte Insta-Version, er erzählt einfach drauf los. Der Funke springt sofort über, man kann gar nicht anders, als ihn zu mögen. "Sanssouci" (Friedrich) ist der Song, der seinen wachsenden Glauben an sich selbst zeigt – "Ich glaube fest daran, unsere Zeit kommt irgendwann."

Irgendwann unterstützt Tochter Leni den Papa – und weil wir in Fulda sind, muss das natürlich mit einem Lied aus "Bonifatius" sein. "Wenn das wirklich Liebe ist" – Leni übernimmt die Rolle der Alrun, in die Sturmius unsterblich verliebt ist. Die 9-Jährige macht das großartig und wird vom Publikum gebührend gefeiert. Nächstes Jahr wird sie übrigens Teil des Robin-Hood-Teams sein und den jungen Robin spielen.

Eine Liebeserklärung an seine Kinder und seine Frau, so darf man "Dir gehört mein Herz" (Tarzan) verstehen, einen dieser Phil-Collins-Songs, den man nie wieder aus den Ohren kriegt. An diesem Abend bekräftigt Rau damit, was sonst gemeinhin eine weibliche Erfahrung ist: doch, es geht, Familie und Karriere unter einen Hut zu kriegen, auch wenn es nicht oder sogar nie einfach ist.

Konzentriere Dich auf das, was geht

Mir scheint, Rau hat früh verstanden, dass man für sein Glück selbst verantwortlich ist, nicht unbedingt in dem Sinne, dass man nie Fehler macht, sondern dass man die richtige Einstellung zu sich und seinem Leben hat. Es geht eben nicht um Perfektion, sondern um Haltung. Wer alles gibt, was er geben kann, der macht es richtig.

Einer der großen Hits der Comedian Harmonists steht dafür, "Irgendwo auf der Welt gibt’s ein kleines bisschen Glück". Das Lied zieht seine Bittersüße auch daraus, dass die Gruppe es bei ihrem letzten Konzert 1934 in München sang. Sie wurde gezwungen, das Publikum darauf hinzuweisen, dass dies ihr letztes Konzert auf deutschem Boden sei – wer gehen wolle, dürfe dies tun und erhalte sein Geld zurück. Hintergrund: Drei der Mitglieder waren Juden. Aber an diesem Abend geschieht nicht, was die Nazis erhofft hatten: Die etwa 1.000 Zuhörer toben, "ein Orkan bricht los, das Publikum erhebt sich, die Leute jubeln und trampeln," so schildert Robert Biberti diesen Abschied später. Rau gelingt es nicht ganz, diesen musikalischen Moment, der in gewisser Weise auch ein historischer war, in seiner emotionalen Wucht auszuloten, sein Vortrag ist mir hier ein wenig zu glattgeschliffen und zu süß.

Die beiden Lieder "Ein Traum ohne Anfang und Ende" (Die Päpstin) und "Herr der Insel" (Schatzinsel) stehen für die dunklen Phasen, die Zweifel, die Zerrissenheit, bis sich der Weg aus der Krise andeutet. Mit "From now on" (The greatest Showman) kommt quasi die Apotheose: "Let this promise in me start" – jemand hat sich und seinen Weg jetzt wirklich gefunden.

Mein Weg

"Ich habe in der Corona-Zeit noch mehr gearbeitet als sonst", erzählt Rau. Ein Ergebnis dieser Arbeit ist seine CD "Lass uns ein bisschen swingen", die am 25. März 2022 erscheinen wird. Der kleine Promo-Teil sei ihm von Herzen gegönnt, zwei Lieder stellt er uns vor, "Mädchen auf dem Trampolin" und "Swing". Das klingt nach gut hör- und tanzbarem Deutsch-Pop.

Ohne Zugabe kommt Rau natürlich nicht raus, er wählt dafür den ikonischsten aller Sinatra-Songs, der zwar nicht von ihm stammt, aber durch ihn unsterblich wurde: "I did it my way". Falls Sie sonst bei diesem Lied immer nur in Frankie-Boys Stimme schwelgen, lesen Sie ruhig auch mal den Text und das pointierte Ende dieses großartigen Songs:

"For what is a man, what has he got? If not himself, then he has naught To say the things he truly feels and not the words of one who kneels The record shows I took the blows and did it my way.” Mit diesem Song im Ohr und seiner Botschaft im Herzen gehen wir hinaus in die winterliche Kälte und über den inzwischen menschenleeren Weihnachtsmarkt. Es liegt Schnee in der Luft – und der schöne Abend klingt wohl noch lange in uns nach.

Mehr Lust auf Friedrich Rau?

Sie können Rau am heutigen Sonntag (28.11.) mit "Have yourself a Musical Christmas" und am 11. Dezember mit "Mein Weg" erleben. Beide Konzerte finden in der Alten Aula der Universität statt. Karten gibt’s auf der Website des Künstlers und an der Abendkasse. (Jutta Hamberger) +++


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