Der Weg ist immer da, man muss ihn nur finden – und gehen - Symbolbild: pixabay

REGION Was wir lesen, was wir schauen (38)

"Ich brauche keine Vorsätze, ich habe Ideen!" - lustvolle, realisierbare Vorschläge

02.01.22 - Aus irgendeinem Grund treiben uns Jahresende und -anfang dazu, bessere Menschen werden zu wollen. Damit Sie nicht bei "ich brauche keine neuen guten Vorsätze, die alten sind praktisch noch unangetastet!" stecken bleiben, kommen hier fünf (Vor)Lese-, Nachdenk-, Hör- und Beschäftigungsideen für Sie. Und zwar von der Sorte lustvoll verwirklichbar, Zeigefinger-frei und ohne Pathos. Just do it, auf geht’s! Ob 2022 ein gutes Jahr wird, hängt wesentlich von uns selbst ab.

Reisen jenseits von Raum und Zeit

Cover Landkarten-Rätsel Foto: Verlag

Autor Norbert Pautner © Katy Otto

Die Reisebranche hofft, dass 2022 wieder ein gutes Reisejahr wird, wir Reisenden ganz sicher auch. Denn fast zwei Jahre mit wenig bis gar keinen Reisen ist uns doch ziemlich schwer gefallen. Bis es soweit ist, Omikron eingehegt, die Impfpflicht durchgesetzt und die Schwurbler stillgelegt sind, empfehle ich Ihnen hier ein Reisebuch, mit dem Sie bequem auf der Couch liegenbleiben können. Denn für den inneren Weltenbummler ist das Home Office ja kein Hindernis! Mit dem "Landkarten-Rätselbuch Traumreise" können Sie sich literarisch-rätselnd-quizzend-forschend auf den Weg machen und müssen dafür nicht mal Ihren Rimowa hervorkramen. Wir reisen auf Inseln und in Metropolen, besuchen überall die must see-Sehenswürdigkeiten und lernen eine Menge aus Vergangenheit und Gegenwart von Städten, Ländern und Kontinenten.

Da man nach den Feiertagen in der Regel etwas eingerostet ist, ist es sehr menschenfreundlich, dass der Autor bei jeder Aufgabe ein Aufwärmen vorsieht, bevor es richtig losgeht. Man braucht gute Augen, ein bißchen Allgemeinwissen, sollte auch um die Ecke denken und kombinieren können – und richtig viel Spaß am gemeinsamen Knobeln haben. Denn – versteht sich fast von selbst: So ein Buch macht noch mehr Freude, wenn man mit Freunden oder der Familie gemeinsam loslegt. Und wenn Sie mal steckenbleiben – kein Problem, hinten im Buch gibt’s alle Lösungen.

Inhaltsverzeichnis – so viele Möglichkeiten für Traumreisen Abb. aus dem besprochenen Buch

Naturparadiese – Abb. aus dem besprochenen Buch Abb. aus dem besprochenen Buch

Jamaica-Rätsel Abb. aus dem besprochenen Buch

Sollten Sie nun richtig heiß auf noch mehr Landkarten-Rätselbücher sein, keine Panik. Im frech Verlag gibt’s noch mehr Landkarten-Rätselbücher. Es ist auch besser, Sie bevorraten sich, so kommen Sie dann gut durch den nächsten Lockdown, den wir natürlich so nicht nennen dürfen. 

Norbert Pautner, Landkarten-Rätselbuch Traumreise. frech Verlag, 15,99 Euro

Mehr Machen-Momente

Cover "Machen" Foto: Verlag

Die beiden Autoren Krogerus und Tschäppeler © Kein und Aber Verlag

Kennen Sie, bin ich sicher – dieses Tschakka-Gefühl, wenn man etwas geschafft hat. Etwas, das richtig schwierig oder langwierig war. Etwas, bei dem man gegen viele Hindernisse angekämpft hat. Etwas, das uns immer wieder verzweifeln ließ. Und dann doch gelingt. Wow. Machen macht Lust auf mehr. Und doch kommen wir nicht immer in Flow und schaffen das, was wir uns vorgestellt haben. Geht das anders, geht das besser?

Die 5-Sekunden-Regel hilft, ins Machen zu kommen Abb. aus dem besprochenen Buch

Ein Schweizer und ein Schwede – als Team in meinen Augen eines der inspirierendsten Macher-Doppels der Management-Literatur – hätte da ein paar lustvolle Ideen für Sie. Denn wenn man keine Lust oder keinen Ansatzpunkt fürs Machen hat, braucht man in erster Linie einen neuen Gedanken. Genau davon finden Sie viele in diesem Buch, das in jede Handtasche passt. "Für beide Fälle des Machens ist dieses Buch da: Um die großartigen Momente zu vertiefen. Und um die zähen zu verflüssigen."

Gute Pläne sind nie linear Abb. aus dem besprochenen Buch

Der Unterschied zwischen Strategie und Taktik Abb. aus dem besprochenen Buch

Die verschiedenen Arten, Dinge (nicht) zu machen Abb. aus dem besprochenen Buch

Sie überlegen noch, weil Sie denken, och nee, lass man stecken, Managementliteratur so früh im Jahr, ist mir zu schwierig? Machen Sie trotzdem. Diese beiden Autoren, die ihre Bücher auch mit grandiosen Illustrationen versehen, bringen Sie nämlich nicht nur zum Nachdenken, sondern auch zum Lachen. Probieren Sie aus, welcher Ansatz für Sie richtig ist und taugt. Verändern Sie die Ansätze nach gusto. Hauptsache, sie fangen mit dem Machen an.

Roman Tschäppler, Mikael Krogerus: Machen. Kein & Aber Verlag, 18 Euro        

 

Den Heldinnen-Blick schulen

Cover "Held:innen" Foto: Verlag

Autorin Susanna Wiesenender © Sophie Wieseneder

Autor Markus Mair © Styria Group

Autor Peter Pilz © BDO Österreich

Sie mögen das Wort Held nicht? Prima, ich auch nicht. Einfach, weil dieses viel zu schnell genommene Etikett genau dadurch entwertet wird. Oder weil es Leuten angepappt wird, die womöglich vieles sind, aber keine Helden. Und weil es in unserer Vergangenheit schon böse missbraucht worden ist von Nazis und Kriegstreibern.

Wenn Sie diesen Rost abkratzen und dem Wort in seiner eigentlichen Bedeutung nachspüren, dann stellen Sie womöglich fest, dass auch Sie Menschen kennen, die recht eigentlich Heldinnen sind (Männer sind immer mitgemeint). Und Sie spüren, warum Heldinnen für uns so wichtig sind – es ist ihre Wirkung auf uns und unser Leben, die ihnen ihre Bedeutung verleiht.

Dieses Buch versammelt solche Heldinnen, Menschen, die an einer bestimmten Stelle in unserem Leben Eindruck hinterlassen durch ihre Persönlichkeit, Haltung, Gedanken und Arbeit. Cornelius Obonya hat es treffend auf den Punkt gebracht: "Heldinnen werden erst in der Sekunde gemacht, in der sie gebraucht werden. Nicht vorher, nicht nachher." Es geht also um diesen einen, lebensverändernden Moment, in dem jemand zur Heldin wurde und so den entscheidenden Unterschied machte. Noch etwas zeichnet wahre Heldinnen aus: Sie nehmen sich selbst nicht so wichtig, bleiben sich aber immer treu.

Die Lektüre inspiriert Sie vielleicht dazu, innezuhalten und in Ihrem eigenen Leben nach den für Sie wichtigen Heldinnen zu forschen. Dann nehmen Sie Papier und Stift zur Hand und machen sich ein paar Notizen – vielleicht werden Sie erstaunt sein, wieviele so besondere Menschen Sie schon kennenlernen durften.

Auf meinem Zettel stehen übrigens ganz oben die Frauen, die in der Bäckerei Happ arbeiten. Einzelhandel ist anstrengend – viele Kunden, viel Lauferei, viel Stehen. ‚Mein‘ Happ ist der Pacelli-Allee/Ecke Höflingstraße. Wann immer ich dort bin, treffe ich auf gut gelaunte, kompetente, freundliche Mitarbeiterinnen. Wann immer ich dort bin, gehe ich reich beschenkt hinaus, und ich spreche nicht von den Backwaren. Ich gehe mit einem Lächeln auf dem Gesicht und im Herzen. Diese Heldinnen erinnern mich daran, wie wunderbar diese selbstverständliche Freundlichkeit ist – und wie ansteckend. Meine Definition von Heldinnentum 2022: Ein Lächeln zu anderen Menschen tragen.

Peter Pilz, Susanna Wieseneder, Markus Mair: Heroes. Was wir von unseren Hedlinnen und Helden lernen können. Styria Verlag, 24 Euro

 

4) Mehr Poesie ins Leben

Cover Sidewalk Foto: Verlag

Autor Shel Silverstein © CSU Archive

Im angelsächsischen Raum ist Shel Silverstein aus keinem Kinderzimmer wegzudenken. Bei uns ist er dank der kongenialen Übersetzung von Harry Rowohlt immerhin ein bisschen bekannt. Den "Sidewalk" hat Rowohlt leider nicht mehr übersetzen können, aber ich möchte Sie sehr dazu ermutigen, es mal mit der englischen Version zu probieren. Sie schaffen das, es ist wunderbar einfaches Englisch, das man sofort versteht. Denn das Buch versammelt Gedichte, die Silverstein für Kinder geschrieben hat.

Inzwischen kennen Sie mich und meine Überzeugung, dass die besten Kinderbücher unbedingt und immer auch Erwachsenenbücher sind. Dieses zählt dazu. In seinen besten Momenten vereinen diese Gedichte die absurd-magische Qualität von Lewis Carroll und die Deftigkeit und Würze guter Limericks. Da verwandeln sich Kinder in Fernseher oder essen einen Wal, da wäscht man seinen Schatten, legt einen diamantenen Garten an, versteigert seine Schwester oder hasst es, den Müll runterzubringen und ist – schulbedingt – todkrank. Einhörner, Krokodile, Santa Claus, Freunde, Eltern, Kinder, Nachbarn und Rentiere – ein Universum und Panoptikum gleichermaßen tut sich auf.

Am schönsten funktionieren diese Texte natürlich, wenn man sie sich oder anderen laut vorliest, denn dann erst kann man das Lautmalerische auskosten. Hier eine Kostprobe aus "Sick":

Akrobaten Abb. aus dem besprochenen Buch

Daran muss ich denken Abb. aus dem besprochenen Buch

Einladung Abb. aus dem besprochenen Buch


I cannot go to school today.

Said little Peggy Anne McKay.

I have the measles and the mumps.

A gash, a rash and purple bumps.

My mouth is wet, my throat is dry.

My tonsils are as big as rocks,

I’ve counted sixteen chicken pox

And there’s one more – that’s seventeen,

And don’t you think my face looks green?

My leg is cut, my eyes are blue –

It might be instamatic flu.

I cough and sneeze and gasp and choke

I sure that my left leg is broke –

What’s that? What’s that you say?

You say today is … Saturday?

G’bye, Im going out to play!

Shel Silverstein, Where the sidewalk ends. Harper Collins, 16,38 Euro


5) Feeling carefree as I listen

Cover Voyage

Ich gebe zu, zu ihrer ganz großen Zeit in den späten 70ern und frühen 80ern war mir nicht wirklich bewusst, was ABBA für die Pop-Musik leistete. Über den traumwandlerisch sicheren Arrangements und dem geht-sofort-ins-Ohr-Sound konnte man die Gruppe leicht unterschätzen. Verstanden habe ich ihre Bedeutung wohl erst, als 1992 die Compilation "Gold" rauskam. Seither ist ABBA ein weltweites Phänomen – Musik, Musical, Filme. Und demnächst Avatare in London.

Nun haben diese Schweden, die inzwischen in ihren 70ern sind, wieder zugeschlagen und etwas unerhört Einmaliges gemacht. Das neue Album heißt "Voyage". Es ist ein Album, das Retro, Nostalgie, Sehnsucht, Weisheit und Abgeklärtheit in sich vereint. Und ABBA schreibt damit wieder mal Musikgeschichte. Fast 200 Millionen Streams, 1 Million verkaufte Alben, Vinyl übrigens – und das alles gleich in der ersten Woche. Natürlich Spitzenreiter der Charts, natürlich in sehr vielen Ländern. Im Mai wird die nächste Raketenstufe gezündet – mit der Voyage Live Show, nach allem, was man bisher weiß, wird es ein Riesenspektakel.

ABBA @ Billie Walsh

Die vier Abba-Tare @ Billie Walsh

Die ABBA-Arena in London © Abba Voyage

Der erste Song auf der CD heißt "I still have faith in you" – eine Ode an die Freundschaft. Ein Weihnachtslied gibt es auch ("Little things"), eine Liebeserklärung an Hummeln, ein Lied, das es 1979 nicht aufs Album "Voulez-vous" schaffte ("Just a notion"), ein Lied über das Chaos, das man selbst immer wieder schafft ("No doubt about it"), "When you danced with me" lässt von fern an "Dancing Queen" denken. Alles extrem gut hörbar und ABBA-typisch eingängig. Und wieder eminent tanzbar, das hat ABBA-Musik ja immer ausgezeichnet, dass sie in die Beine fuhr und man sich sofort bewegen wollte.

Ein Album, mit dem man erfahren kann, dass die besten Reisen die sind, die man zu sich selber macht: "Now you see another me, I have been reloaded” heißt es in "Don’t shut me down". So kann man "Voyage" nämlich auch hören – als Neuerfindung seiner selbst, ohne sich dabei zu verraten oder zu vergessen. ABBA zeigt es mal wieder: Innovation ist keine Frage des Alters, sondern eine der Haltung.

Und wenn man irgendwann in diesem Jahr wieder sorglos reisen kann, dann ab in die ABBA-Arena nach London zum Konzert der Abba-tare!

ABBA, Voyage. 14,99 Euro

Ich wünsche Ihnen für dieses neue Jahr ganz viel positive Vibes, viel Energie und Freude an dem, was Sie tun, unbedingt auch Sinn für das Unsinnige, Abseitige und Alberne, Zeit zum Spielen, ein waches Auge und offenes Herz für die leisen Menschen und kleinen Dinge. Und die Freude, sich selbst immer wieder neu zu entdecken, Dinge wirklich hinzukriegen und stolz auf sich zu sein.

(Jutta Hamberger) +++

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